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Runter vom Sofa Beschäftigung bei schlechtem Wetter

Kirsten Wolf 14.04.2016

Ungemütliches Schmuddelwetter lädt nicht unbedingt zu ausgedehnten Spaziergängen ein. Verlegen Sie kleine Trainingseinheiten und das Spielprogramm daher doch einfach ins Haus. Wie wäre es zum Beispiel, wenn Sie Ihrem Hund beibringen, sein Spielzeug selbst aufzuräumen? Oder Sie frischen erlernte Kommandos auf, bieten Ihrem Liebling eine wohltuende Massage an oder fordern ihn mit Stuben-Agility.

Clicker-Training

Kennen Sie und Ihr Vierbeiner schon den Clicker? Mit diesem kleinen Erziehungshilfsmittel werden Hunde für richtiges Verhalten positiv bestärkt. Das geht auch bei schlechtem Wetter. Sie brauchen dafür einen Clicker (Tierfachgeschäft), köstliche Leckerlis (etwas Besonderes!), Zeit und Geduld.

Von wegen Langeweile: Ein Indoor-Spielprogramm macht den Hund schlau und lohnt sich für alle Vier- und Zweibeiner!
Von wegen Langeweile: Ein Indoor-Spielprogramm macht den Hund schlau und lohnt sich für alle Vier- und Zweibeiner! © Illustration: Uli Knörzer

So geht’s:

Stellen Sie sich vor Ihren Hund hin, ohne ihn anzusprechen, clicken Sie einmal (!) und geben dem Hund sofort ein Leckerli. Das wiederholen Sie über den Tag verteilt. Wichtig ist das Timing: Nach einem Click kommt das Leckerli, denn der Hund soll das Geräusch mit Futter verbinden.

Wann diese Verknüpfung in seinem Kopf gelungen ist, merken Sie an seiner Reaktion: Sobald er beim Clicken aufhorcht oder in Ihre Richtung schaut, hat er kombiniert, dass das Geräusch eine Belohnung für ihn bedeutet. Probieren Sie es noch ein paar Mal aus, bis Ihr Hund zuverlässig auf das Geräusch reagiert. Von nun an können Sie den Clicker als Trainingshilfsmittel einsetzen, um Ihrem Hund erwünschte Verhaltensweisen oder Kunststücke beizubringen.

Kleine Clicker-Übung:

Sie möchten, dass Ihr Hund in eine Richtung schaut, etwa nach links. Dafür stellen Sie sich vor Ihren Vierbeiner und beobachten ihn (nicht ansprechen!). Sobald er den Kopf zufällig nach links wendet, clicken Sie und geben ihm sofort ein Leckerli. Das wiederholen Sie einige Male, warten aber immer ab, bis der Hund das gewünschte Verhalten zufällig zeigt. Je nach Tagesform begreift Ihr Tier schneller oder langsamer, wofür es belohnt wird. Irgendwann zeigt es das Verhalten „Kopf links“ bewusst. Gewonnen! Clicken Sie sofort und geben ihm eine Extraportion.

Am nächsten Tag können Sie die Übung wiederholen: beobachten, zufällige Kopflinks-Bewegung, clicken und belohnen. Zeigt Ihr Hund die Kopfwende wieder bewusst, führen Sie ein Wortsignal ein, zum Beispiel „Schau links!“. Zwei, drei Mal in der richtigen Kombination trainiert – Hund wendet Kopf nach links, Sie sagen freundlich „Schau links!“ -, brauchen Sie nur noch das Wortsignal zu geben, und Ihr Hund schaut nach links. Allmählich bauen Sie den Clicker wieder ab, clicken nur noch jedes zweite Mal, dann jedes dritte. Eine Belohnung gibt es aber jedes Mal. Clickertraining bietet viele Beschäftigungsmöglichkeiten. Hundeschulen haben dafür spezielle Kurse.

Aufräumen kann jeder Hund lernen. Trainieren Sie es Schritt für Schritt.
Aufräumen kann jeder Hund lernen. Trainieren Sie es Schritt für Schritt. © Illustration: Uli Knörzer

Hund als Haushaltshilfe

Der Haushalt ruft? Warum bringen Sie Ihrem „gelangweilten“ Vierbeiner nicht bei, Ihnen etwas zur Hand zu gehen? Er könnte das Telefon bringen, wenn es klingelt, oder aufheben, was Ihnen heruntergefallen ist.

So geht’s:

Trainieren Sie jede Aufgabe, indem Sie sie in viele kleine Schritte aufteilen. Ideal funktioniert es mit einem Clicker. Ein Beispiel: Sie wollen Ihrem Hund beibringen, ein Spielzeug aufzuheben und Ihnen in die Hand zu geben. Legen Sie das Teil dazu auf den Boden und clicken Sie, sobald Ihr Hund daran schnuppert. Wenn er das verlässlich tut, warten Sie beim nächsten Mal etwas länger, bis er das Spielzeug ins Maul nimmt oder sogar etwas anhebt. Dafür gibt es wieder das Geräusch, anschließend eine Belohnung. Klappt das gut, warten Sie, bis Ihr Hund das Spielzeug ins Maul nimmt und sich damit in Ihre Richtung bewegt. Clicken – Belohnung.

Festigen Sie jeden Fortschritt, bis der Hund es sicher beherrscht. Genauso funktioniert es mit der Übung „Aufräumen“: Ihr Hund soll lernen, sein Spielzeug in ein bestimmtes Körbchen oder eine Kiste aufzuräumen. Dafür clicken und belohnen Sie zunächst, wenn er an einem Spielzeug schnuppert, dann dafür, dass er es hochnimmt, schließlich soll er es in Richtung Korb tragen und darüber fallen lassen. Ordnung ist das halbe Hundeleben! Bleiben Sie fair: So eine Verhaltenskette ist nicht an einem Nachmittag trainiert. Geben Sie Ihrem Hund die Zeit, die er benötigt, um mit Freude zu lernen.

Erlerntes auffrischen

Seien wir ehrlich: Je länger und entspannter wir mit unserem Hund zusammenleben, desto weniger konsequent bestehen wir auf unserem einst so ambitionierten Erziehungsprogramm. Das führt nicht selten dazu, dass unser Vierbeiner sich eher zögerlich bis gar nicht mehr daran erinnert, was er einmal gelernt hat. Machen Sie sich eine Liste aller Regeln, Kommandos und Kunststücke, die Sie einst mit ihm trainiert haben, es kommt eine Menge zusammen. Und frischen Sie das einmal Erlernte wieder auf.

So geht’s:

Nehmen Sie sich einige Übungen vor und testen Sie, ob und wie gut sie noch sitzen. Klappt etwas nicht so gut, starten Sie ein Erinnerungstraining. Ist Ihr Hund ein Musterschüler mit Langzeitgedächtnis, können Sie sich eine Übung heraussuchen und weiterentwickeln, zum Beispiel „Umrunden“: Bauen Sie ein „Stopp!“ ein, lassen Sie den Hund umkehren, eine Acht zwischen zwei Stühlen laufen usw. Aus einem „Platz!“ lässt sich ein „Leg dich“ fortentwickeln, aus dem Pfötchengeben ein „Give me five“. 

Wichtig: Nicht überfordern! Nehmen Sie sich maximal eine bis drei Übungen vor, je nachdem wie gut es läuft. Legen Sie zwischen den einzelnen Trainingseinheiten längere Pausen ein, belohnen Sie für Erfolge und schimpfen Sie nie – Frust zerstört jede Motivation. Eine kleine Spielrunde zwischendurch steigert die Mitmachlaune. Vorsicht: Wer viel übt, wird viel belohnt – Leckerlis von der Futtertagesration abziehen!

Machen Sie sich nicht verrückt!

Jeder Hund kann es aushalten, wenn Sie sein übliches Pensum an Spaziergängen ausnahmsweise mal nicht erfüllen und er mit weniger auskommen muss. Der schlechteste Berater ist bei solcher Gelegenheit Ihr schlechtes Gewissen. Das vermittelt dem Hund erst recht das Gefühl, er komme irgendwie zu kurz. 

Sie machen alles richtig, wenn Sie …

•    dafür sorgen, dass sich Ihr Hund regelmäßig lösen kann, wenigstens zwei- bis dreimal am Tag, und Kontakt zu anderen Artgenossen bekommt.

•    nicht auf forderndes Verhalten Ihres Hundes eingehen, indem Sie trösten oder prompt ein Spiel starten. Denn damit ziehen Sie sich eine Nervensäge heran! Machen Sie es andersherum: Wenn Ihr Hund entspannt und ruhig ist, bieten Sie ihm eine Beschäftigung an. Super Nebeneffekt: Ihr Hund lernt, dass immer etwas Tolles passiert, wenn Sie ihn ansprechen. Das stärkt die Bindung zwischen Ihnen und erhöht seine Aufmerksamkeit für Ihre Ansprache.

•    wieder konsequent auf Ruhe umschalten, sobald das gemeinsame Beschäftigungsprogramm vorbei ist. Ihr Hund begreift schnell, dass es keinen Sinn hat, ständig herumzunörgeln, sondern fährt sein Energielevel schließlich ebenfalls herunter, bis Sie wieder den Startschuss zu einer neuen Spielrunde geben.

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