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Profi in Sachen Beschäftigung Fit for Gassi – Spaziergang mit Inge Büttner-Vogt

Astrid Nestler 13.04.2016

Kreative Beschäftigungsideen sind ihr Steckenpferd. Ob Bänke, Baumstämme, Treppen, Steine, Mauern oder weggeworfener Müll: Hundecoach Inge Büttner-Vogt nutzt die Umgebung, um Hunde beim Gassigehen leicht und abwechslungsreich zu trainieren. DOGS begleitete die Wiesbadenerin und ihren Altdeutschen Hütehund Shadow in den Park.

Flexileine in der Hand und Mobiltelefon am Ohr: ein No-Go für Inge Büttner-Vogt, „die tiefste Stufe der Kommunikation“. Für die Trainerin ist der tägliche Spaziergang viel mehr als nur Bewegung. Die Beschäftigungsideen, die sie entwickelt hat, sind ganzheitlich, das heißt, sie nehmen Einfluss auf Körper, Geist und Seele, und zwar bei beiden, bei Mensch und Tier.

„Einfache Übungen wie  über einen Baumstamm zu gehen, lehren den Hund, seinen Körper auszubalancieren“, erklärt die energische 64-Jährige. „Ungelenke Hunde muss man erst einmal stützen, sonst fallen sie anfangs immer wieder herunter, so wie ungewandte Kinder.“ Die geistige Komponente einer solchen Übung besteht darin, den Ablauf immer mehr zu perfektionieren, auf Details zu achten, sodass der Hund sich konzentrieren muss, um haargenau das zu tun, was sein Mensch von ihm möchte. Dann heißt es nicht mehr einfach „Hopp“, sondern „steige von rechts“ oder „an exakt dieser Stelle hoch“. Auch beim Balancieren kann man Steh, Bleib, Platz oder Down einbauen. Ein Mensch, der mit seinem Hund auf diese Weise trainiert, formt die Übung zuerst im Geist, sodass er ein genaues Zielbild hat. Erst hiernach setzt er Körpersprache ein, um dem Hund die Aufgabe zu erklären.

„Es ist ein tolles Gefühl, wenn Mensch und Hund im Einklang sind“

Stimmt das Band zwischen Mensch und Tier, hören beide einander aufmerksam zu, dann ist dieses Training auch Nahrung für die Seele. „Es ist ein tolles Gefühl, wenn Mensch und Hund im Einklang sind“, schwärmt Inge Büttner-Vogt. „Dann arbeitet der Hund um zu gefallen, nicht für das Futter. Das sind die Momente, in denen man der Hundeseele nahe kommt, wie der Schöpfer Adam auf dem Gemälde in der Sixtinischen Kapelle.“ Doch ohne den nötigen Respekt ist diese Harmonie unmöglich. Daher darf nicht der Hund entscheiden, wie eine Übung aussehen soll, sondern die Trainerin rät sich durchzusetzen, liebevoll, aber konsequent. „Seien Sie ruhig ein bisschen stur und bestehen Sie auf der Perfektion, zu der Ihr Hund fähig ist“, empfiehlt sie. „Denn nur wenn er Sie ernst nimmt, spielt und arbeitet er mit Ihnen gemeinsam. Die meisten Hunde gucken nur bis zur Leckerchentasche statt ihrem Menschen in die Augen. Erst wenn der Hund seinen Menschen wahrnimmt, über die Leckerchentasche  hinausguckt, kann man ihn wirklich erreichen.“

Ist diese Balance aus Respekt und Vertrauen hergestellt, entsteht ein emotionales Band, das den Unterschied zwischen einem gut erzogenen und einem „gebildeten“ Hund ausmacht. „Ein erzogener Hund ist dressiert“, erklärt Inge Büttner-Vogt. Er kennt viele Hörzeichen. „Der gebildete Hund hat dazu eine emotionale Einsicht, gewachsen aus der ständigen Kommunikation mit seinem Menschen. Wenn in der Küche der Sonntagsbraten herunterfällt, setzt sich der gebildete Hund hin und sieht Sie mitleidig an. Ein dressierter Hund kann  sich nicht unbedingt in Alltagssituationen gut benehmen.“

Doch aller Anfang ist schwer. Daher sei es durchaus legitim, sich zu Beginn des Trainings noch der Leckerchen zu bedienen.  Überhaupt, findet Inge Büttner-Vogt ganz undogmatisch, sei es besser, mit Futter zu arbeiten, als gar nichts mit dem Hund zu tun. „Ein bis dato schwaches Frauchen braucht erst mal eine Art Gehalt, zum Beispiel Leberwurst, damit sie den Hund zur Mitarbeit gewinnen kann. Mit diesem Gehalt kann sie ihn zum Baumstamm bringen und motivieren, darüber zu balancieren“, erklärt die Trainerin pragmatisch. „Je mehr die Halter dazulernen und ihre Defizite ausgleichen, desto eher kann man das Futter wieder ausschleichen.“

Hundecoach Inge Büttner-Vogt
© Robertino Nikolo

Inge Büttner-Vogt hat 35 Jahre lang für das ZDF gearbeitet, überwiegend in der Personaldisposition. Ab 1998 machte sie zuerst nebenberuflich, später hauptberuflich Familienhunde und ihre Besitzer fit für den Alltag. Sie selbst ist durch eine Freundin auf den Hund gekommen. Die vererbte ihr nicht nur Haus und Garten, sondern auch sechs Airdaleterrier. Mit ihrem Altdeutschen Hütehund Shadow, einem therapeutischen Schulbegleithund, besucht sie ehrenamtlich Altersheime und Schulen. Näheres im Internet: www.hundimedia.de.

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