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Expertentalk Experten diskutieren: Welche Rassen passen zu Familien?

Johanna Esser 12.05.2016

Den idealen Familienhund zum Kuscheln: Gibt es den? DOGS-Autorin Johanna Esser traf vier Hundeexperten und führte ein spannendes Gespräch darüber, welche Rassen zu Familien passen und was ein Familienhund mitbringen muss.

Die Frage nach dem familienfreundlichen Hund bekomme ich immer häufiger im Rahmen meiner Arbeit als Hundetrainerin gestellt. Wenn die Antwort nur so einfach wäre! Es gibt nämlich weder die eine Familie noch den einen Familienhund. Über welche Eigenschaften sollte ein Hund also verfügen, wenn er sein Leben mit einer Menschenfamilie teilen soll? Immerhin lebt er meist so lang mit seinen Leuten zusammen, wie ein Kind zu Hause wohnt – eine lange Zeit, in der viel passiert.

Ein Familienhund muss viel aushalten können. Er muss emotionale Hochs und Tiefs mit seinen Menschen durchstehen und sich vielen Situationen des Lebens anpassen können. Ein Tier mit schlechten Nerven passt genauso wenig wie ein stumpfer Hund mit einem sprichwörtlich dicken Fell. Ein spezialisierter Hund wie der Pointer oder der Altdeutsche Hütehund passt nicht oder nur dann, wenn mindestens ein Familienmitglied auf seine Spezialität eingehen kann. Für ihn muss geklärt werden, wer im Familienalltag dafür Zeit findet.

Expertentalk: Welche Rassen passen zu Familien?
Alle Experten stehen zur Disskussion bereit © Patrick Ohligschläger

Wenn man es einfach, in einer Faustformel sagen will, gilt: Als Begleiter einer Familie eignen sich alle Vierbeiner, die keine herausstechenden Talente besitzen und somit keiner besonderen Förderung bedürfen. Das sind Hunde, die immer gern dabei und mittendrin sind und sich nicht in einem permanenten Arbeitsauftrag wähnen. Form, Farbe und Größe sind da fast nebensächlich.

Stehen falsche Vorstellungen im Vordergrund, kann aus dem Hund, der eigentlich ein einfacher ist, ein schwer erziehbarer werden. Ein Beispiel: Für mich ist der Pointer ein wunderbarer Familienhund. Er ist bedingungslos freundlich zu Menschen und anderen Hunden, er ist leicht zu erziehen, in der Haltung anspruchslos und zu Hause ein echtes Kuscheltier. Draußen ist er allerdings ein hoch spezialisierter Jagdhund, der sich durch nichts von seiner Leidenschaft abbringen lässt. Eine Familie interessierte sich für einen Welpen aus meinem letzten Wurf und war enttäuscht, als ich ihr diesen versagte.

Nach Schilderung der familiären Lebensumstände war mir klar: Ein Pointer in dieser Familie wäre nach kurzer Zeit zum Problemhund geworden. Ein Spaziergang mit der Hundemutter ließ ihr Unverständnis über meine Sicht verpuffen. Stattdessen war sie verlegen. „Wir wussten ja nicht, dass diese Hunde draußen so explosiv sind, so schnell rennen und immerzu jagen wollen“, gab der Vater zu. „Wir fanden einen Pointer einfach nur schön.“

Fragt sich, wie Experten den passenden Familienhund bewerten und woran sie seine Eignung festmachen? Ich traf mich mit Ute Heberer, Normen Mrozinski, Ina Hildenbrand und Gerd Leder, um mit ihnen über geeignete Familienhunde zu sprechen, und war überrascht, dass sie Rassen empfehlen, die weit ab vom gängigen „Marley und ich“-Klischee rangieren, jenem süßen
blonden Labrador aus einem Kinofilm, den jeder mit ins Bett nehmen oder ins Herz schließen würde. Die Frage des Familienhunds ist kontrovers.

Im Talk

Ute Heberer, 1. Vorsitzende von Tiere in Not Odenwald e.V., bekannt für ihr Engagement für schwierig und aggressive Hunde, www.tiere-in-not-odenwald.de

Normen Mrozinski, Inhaber der Hundeschule Hundezentrum Hochtaunus und Spezialist für Altdeutsche Hütehunde, www.canidas.de

Johanna Esser, Journalistin, Züchterin von English Pointern und DOGS-Talkmasterin, www.johanna-esser.de

Gerd Leder, Hundetrainer, passionierter Hobby-Schafzüchter und Canis-Dozent mit einem geradezu unendlichen Wissen über Hunderassen, www.hundeschule-leder.de

Ina Hildenbrand, Hundetrainerin, aktive Tierschützerin und Buchautorin mit den Hauptinteressen Verhaltensforschung und Verhaltenstherapie, www.ina-hildenbrand.de

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