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Verhalten Wie sehen Hunde Kinder – und was bedeutet Kindern ein Hund?

Heike Dorn 12.05.2016

In Deutschland leben rund 15 Prozent aller Kinder mit einem Hund. Den richtigen Umgang mit ihrem vierbeinigen Kumpel müssen sie erst lernen. Und auch Hunde brauchen Regeln für das Verhalten gegenüber Kindern.

Das Kind aus Sicht des Hundes

Hunde erleben Kinder unterschiedlich, je nachdem in welchem Alter diese sich befinden. Natürlich lässt sich kein genaues Alter als Grenze ausmachen, entscheidend ist vielmehr der Entwicklungsstand des Kindes. Experten unterscheiden aus der Erlebnisperspektive des Hundes drei Altersstufen:

Baby- und Kleinkindalter

Kleine Kinder werden vom Hund als Welpen des Menschenrudels angesehen. Durch ihre tollpatschige Art, sich zu bewegen, vermitteln sie dem Hund, dass es sich hier um ein Lebewesen handelt, das noch der Pflege, Versorgung und Erziehung bedarf. Kleine Kinder dürfen sich bei einem gut sozialisierten Hund häufig viel erlauben: eine feste Umarmung, ein Klettern über den Hund oder wildes Herumtollen wird meist erduldet.

Wie sehen Hunde Kinder – und was bedeutet Kindern ein Hund?
In vielen jungen Familien gehört ein Hund mit dazu © Meaghan Curry/ Stocksy

Genau hier liegt aber die Gefahr, denn „Welpen“ müssen aus Sicht des Hundes erzogen werden. Wird es dem Hund zu viel oder meint er, dass das Kind eine Erziehungslektion benötigt, wird er zu hündischen Maßnahmen greifen, also etwa den Schnauzgriff oder Nackenstoß anwenden, was beim Kind durchaus zu Verletzungen führen kann.

WICHTIG: Eltern müssen dem Hund unmissverständlich klarmachen, dass er keine erzieherische Funktion übernehmen darf. Jede Reaktion des Hundes muss sofort korrigiert werden. Andererseits müssen Eltern Kinder daran hindern, den Hund zu bedrängen. Nur so kann dieser erkennen, dass Eltern aktiv die Erziehung übernehmen und  ihn aus der Verantwortung entlassen.

Als Schulkind

In diesem Alter sind Kinder häufig Spielkameraden und werden vom Hund als „Kumpel“ wahrgenommen. Problematisch kann es werden, wenn sich das Kind als Hundetrainer sieht und am Tier Korrekturen vornimmt, weil es die Maßnahmen von den Eltern kennt. Mancher Hund wird sich das von einem Schulkind nicht gefallen lassen. Eltern sollten hier entschlossen eingreifen.

Als Teenager

Mit der Geschlechtsreife (um 14 Jahre) wird das Kind zum gleichwertigen Rudelmitglied. Auch hier ist die Wahrnehmung des Hundes entscheidend. Verhält sich der Teenager dem Hund gegenüber konsequent und kompetent, kann er sein Verhalten richtig deuten und reagiert aus Hundesicht richtig, wird er vom ihm ernst genommen. Es kann aber zu vermehrten Spannungen kommen, weil der Jugendliche aus Hundesicht zum Konkurrenten innerhalb des „Rudels“ wird.

WICHTIG: Dass ein Hund den Teenager ernst nimmt, heißt noch lange nicht, dass er sich ihm unterordnet. Im Hunderudel muss sich jeder seine Position erkämpfen. Eltern müssen hier Grenzen setzen!

Der Hund aus Sicht des Kindes

Die meisten Kinder lieben Tiere, vor allem diejenigen, die sie streicheln und mit denen sie spielen können. Weil auch Eltern diese Vorzüge schätzen, leben rund 15 Prozent aller Kinder in Deutschland mit einem Hund im Haushalt. Wer dazu zählt, kann sich glücklich schätzen, denn verschiedene Untersuchungen an europäischen Universitäten bewiesen unabhängig voneinander den positiven Einfluss von Hunden auf Kinder.

Gemeinsam durch dick und dünn

Für viele Kinder bedeutet ein Hund eine spielerische, fröhliche Ablenkung, die ihnen helfen kann,  Gefühle der Einsamkeit und Verlassenheit zu überwinden. Ein Hund lacht nicht über Missgeschicke. Er kritisiert nicht. Er stellt keine Fragen. Mit dem Hund können Kinder sogar Krisen in der Familie besser bewältigen, weil einer da ist, dem man seine Sorgen anvertrauen kann. Kinder mit Hund können sich besser in andere hineinversetzen und gehen mit sich und der Umwelt verantwortungsvoller um. Letzteres ergab eine Studie unter der Leitung von Professorin Elisabeth S. Paul an der Universität von Cambridge (England).

„Das ist aber ein schöner Hund. Ist das deiner?“

Jugendliche, die in Großstädten leben und einen Hund besitzen, haben mehr Freude am Leben und sind weniger gefährdet, kriminell oder drogenabhängig zu werden. Professor Reinhold Bergler vom Psychologischen Institut der Uni Bonn fand heraus, dass Jugendliche, die in gestörten oder unvollständigen Familien mit einem Hund aufwachsen, mehr Interesse an Freizeitaktivitäten wie Sport, Musik, Veranstaltungen und Jugendzentren haben als solche, die ohne Hund auskommen müssen.

Hunde machen Kinder stark

Junge Menschen, die ein enges Verhältnis zu einem Haustier haben, lernen nach einer niederländischen Studie besser und schneller: „Sie sind im Schnitt intelligenter und seltener depressiv“, sagt die Leiterin der Untersuchung, Nienke Endenburg von der Universität Utrecht. Ob das Kind ein stärkeres Selbstbewusstsein entwickelt als Kinder, die ohne Haustier aufwachsen, hänge davon ab, wie viel das Tier dem Kind bedeute und wie intensiv das Kind sich um das Tier kümmere.

Stubenhocker haben keinen Hund

Der Kontakt mit Hunden fördert die kindliche Wahrnehmung und ihre Sensibilität. Mit dem Hund spazieren zu gehen, die Natur zu erfahren und sich Zeit dafür zu nehmen, sein Fell zu kraulen, so eine Studie der Universität Besançon unter Leitung von Professor Hubert Montagner, macht Kinder umgänglicher und weniger aggressiv.

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