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Gesundheit Achtung, Zeckenzeit

Dr. Brigitte Glöwing 20.04.2016

Mittel gegen Blutsauger gibt es einige. Aber welche schützen Hunde am wirksamsten? Wann und wie oft sollte die Abwehr gegeben werden?  Die aktuellen Empfehlungen der Tiermediziner

Die Angriffslust der Zecken hängt von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ab. Sinken die Temperaturen unter sechs Grad, ziehen sich die Blutsauger ins Unterholz zurück. Steigen die Temperaturen zwischendurch wieder an, wie in diesem Winter, dann bekommt der Holzbock sogar rund um Weihnachten Appetit. Die eingewanderte Auwaldzecke scheint trotz ihrer südlichen Herkunft noch unempfindlicher gegenüber Kälte zu sein als andere Spinnentiere. Sie ist schon bei Temperaturen rund um den Gefrierpunkt bei einer Blutmahlzeit beobachtet worden.

Früher galt: Zeckenzeit ist von April bis Oktober. Heute ist das überholt. Die offizielle Zeckensaison beginnt schon im März und endet erst im November. Auch an milden Tagen mitten im Winter können Zecken aktiv werden. Im Frühling (März bis Juni) und im Herbst (September bis November) sind die Biester besonders angriffslustig, dann sollte auf jeden Fall auf Zeckenschutz geachtet werden. In den Aktivitätsphasen wandern die hungrigen Zecken bei hoher Luftfeuchtigkeit an den Pflanzen hoch, bis auf eine Höhe von ungefähr achtzig Zentimetern, und warten auf einen geeigneten Wirt. Im Hochsommer wird es den Parasiten dann allerdings zu trocken und sie ziehen sich an einen feuchten, kühlen Ort zurück, meist warten sie unter feuchtem Laub oder im hohen Gras auf Regen. Auch starken Wind mögen Zecken nicht besonders.

Im Hochsommer wird es den Zecken zu trocken und sie ziehen sich an einen feuchten, kühlen Ort zurück

Dr. Brigitte Glöwing

Zeckenforscher beobachten in den letzten Jahren einen Anstieg der Zeckenzahlen. Das liegt zum einen an den milderen Temperaturen im Winter, aber auch an einem für die Zecken reich gedeckten Tisch. Denn es leben immer mehr Wildtiere in unseren Wäldern. Rehe, Hirsche und Wildschweine finden viel Futter auf den schier endlosen Mais- und Rapsfeldern, die als Energiepflanzen unser Land überziehen. Für Zecken sind die Großsäuger ein gefundenes Fressen. Nur die Entwicklungsstadien der Zecken, die wenige Millimeter großen Larven und Nymphen, haben sich auf kleine Nager spezialisiert, die erwachsenen Blutsauger bevorzugen große Säugetiere oder den Menschen. Hunde werden übrigens von Zecken- aller Altersklassen angefallen. Nicht nur die Zahl der heimischen Zecken hat sich verändert, auch die Zeckenarten, die wir heute auf unseren Hunden finden, sind mehr geworden. Neue Arten wie die buntgemusterte Auwaldzecke breiten sich aus. Diese sogenannte Buntzecke, die vor allem offene Flusslandschaften bewohnt, wurde wahrscheinlich bereits vor mehreren Jahrzehnten durch Zugvögel eingeschleppt, war aber bisher nur vereinzelt anzutreffen. Sie kam ursprünglich nur in Italien, Österreich und Ungarn vor, heute finden Zeckenforscher und Tierärzte regelmäßig Exemplare im Süden Deutschlands, häufig aber auch weiter nördlich, in Berlin und Brandenburg.

Das Problem mit den Spinnentieren: Auwaldzecken können die für den Hund gefährliche Babesiose übertragen. Vereinzelt kommt eine weitere problematische Zecke vor, die Braune Hundezecke. Sie stammt aus tropischen und subtropischen Regionen und wird regelmäßig von Hunden als Reisesouvenir aus der Mittelmeerregion mitgebracht, ohne dass es bemerkt wird. Zwar kann diese Zecke in Deutschland im Winter nur in beheizten Räumen überleben, sorgt aber bei einem Massenbefall in einem Zwinger oder in einer Hundepension für große Probleme. Auch die Braune Hundezecke ist in der Lage, Krankheiten wie die Babesiose zu übertragen.

Wie wichtig ist also Zeckenschutz und wie häufig sollte man seinen Hund behandeln? Zu bedenken ist nämlich auch, dass Zeckenmittel giftige Substanzen darstellen, die den Hundepatienten, aber auch Mensch und Umwelt belasten. Es hängt vom Infektionsrisiko des individuellen Hundes ab, antworten die Experten von ESCCAP, der europäischen Vereinigung der Veterinärparasitologen.

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