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Nassfutter Was wird deklariert?

Katharina von der Leyen 18.08.2016

Dr. Julia Fritz, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik, erklärt die Zusammensetzung von Hundefutter und was von Amts wegen überprüft wird

Was heißt Alleinfuttermittel?

Alleinfuttermittel bezeichnet die Art des Futtermittels. Es gibt außerdem­ Einzel-, Ergänzungs- oder Mineralfuttermittel. Das ist unter anderem auch, was Stiftung Warentest in 30 Nassfutter-Sorten überprüfte und in seiner Märzausgabe des Jahres 2015 auswertete. Ob Alleinfutter­ für Hunde oder nicht, wird an verschie­denen Stellen im Futtermittelgesetz definiert. Ein Alleinfutter verlangt demnach eine Rezeptur, die den kompletten täglichen Nährstoffbedarf eines Hundes deckt und ihm im Lauf seines Lebens keine Mangelerscheinungen und Vergiftungen zufügt. Deckt das Alleinfutter den Nährstoffbedarf eines Hundes nicht ausreichend, muss es mit entsprechenden Zutaten ergänzt werden, um die rechtmäßige Bezeichnung „Alleinfuttermittel“ zu behalten. So will es das Gesetz, dessen Sinn und Zweck es ist, Gefahren für Tier und Mensch auszuschließen.

Bei manch einem Kürzel, das auf der Dose eines Nass­futters zu lesen ist, versteht der Hundehalter nur Bahnhof. Seriöse Her­steller­ geben verständlich über Nährstoffe und Energiebedarf Auskunft.
Bei manch einem Kürzel, das auf der Dose eines Nass­futters zu lesen ist, versteht der Hundehalter nur Bahnhof. Seriöse Her­steller­ geben verständlich über Nährstoffe und Energiebedarf Auskunft. © Christiane Eckhardt

Aber der Bedarf variiert doch?

Stimmt! Aber soweit nicht anders ausgewiesen, muss der Nährstoffbedarf eines Futters für alle Hunde passen, also auch für Welpen und deren erhöhte Kalziumbedürfnisse. Bezeichnet die Dose allerdings ein „Alleinfuttermittel für ausgewachsene Hunde“, genügt es, nur dem Bedarf erwachsener Hunde zu entsprechen. Das ist rechtlich korrekt. Ein „Einzelfuttermittel“ dagegen besteht aus nur einer einzigen Zutat und reicht für die tägliche Ration von Hunden nur in Ergänzung mit anderen Futtermitteln aus. Hiermit kann eine reine Rindfleischdose gemeint sein – auch ein Ochsenziemer ist ein Einzelfuttermittel. Sobald in einer Hundenahrung auch nur zwei verschiedene Zutaten enthalten sind, handelt es sich um ein sogenanntes „Ergänzungsfuttermittel“.

Was ist mit Zusatzstoffen?

Vielen Hundehaltern sind Zusatzstoffe suspekt, aber man sollte nicht alle gleich pauschal beurteilen, denn es gibt durchaus lebensnotwendige. In der Zusatzstoff-Verordnung werden beispielsweise die zootechnischen Zusatzstoffe genannt, die verdaulichkeits­fördernd wirken und die Darmflora stabilisieren. Für Hundefutter sind die technologischen Zusatzstoffe, etwa Konservierungs­stoffe, Antioxidantien und Geliermittel, relevant sowie die sensorischen Zusatzstoffe wie Farb- und Aromastoffe und die lebenswichtigen ernährungsphysiologischen Zusatzstoffe. Zu ihnen zählen alle Vitamine und Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Eisen, Mangan, Jod, Selen, die Vitamine A, D, E sowie die B-Vitamine. Fehlen sie in der Nahrung, wird es gefährlich. In der Zusatzstoff-Verordnung werden die Zusatzstoffe in verschiedene Gruppen eingeteilt. Beides, also Zusatzstoffe und ihre Funktionsgruppe, muss auf der Dose deklariert werden. Die Zusammensetzung des Futters muss in absteigender Reihenfolge genannt werden, die Zutat,­ von der am meisten enthalten ist, wird zuerst gelistet. Mineralstoffe wie Kalzium, Phosphor, Natrium, Magne­sium und Ka­lium fallen nicht unter die Zusatzstoffe und müssen nicht gesondert aufgelistet werden. Es genügt die Bezeichung „Mineralstoffe“.

Am Beispiel erklärt

Deklariert ein Futter 50 Prozent Biorind (Herz, Zunge, Lunge, Kehlkopf), Biobuchweizen, Bioapfel, Biobirne und Bioleinöl, ist man erst einmal zufrieden. Die tierärztliche Ernährungs­beraterin Dr. Julia Fritz guckt genauer hin: Aufgepasst zum Beispiel bei „Kehlkopf“! Er gehört nicht ins Hundefutter, weil er zu nah an der Schilddrüse liegt, die immer noch aktive Schilddrüsenhormone enthält, was Hunden große Probleme bereiten kann. Es wäre so ähnlich, als würde man ihnen Schilddrüsen­tabletten füttern. In der Dose ist kein Vitamin A enthalten, weil die Leber darin fehlt, und höchstens eine minimale Menge von Vitamin D. Außerdem fehlt die Jodquelle. Vitamin E und Linolsäure könnten knapp sein, denn Leinöl enthält vor allem Alpha-Linol­säure und nur ganz wenig Linolsäure – die der Hund für den Glanz des Fells braucht. Auch Kupfer und Zink dürften sehr knapp sein. Wenn keine Mineralstoffe zugeführt werden, fehlt sehr wahrscheinlich auch Kalzium, denn die Gehalte im Kehlkopf reichen sicher nicht aus. Phosphor, Natrium, Kalium und Eiweiß dürften aber ausreichend enthalten sein, ebenso Mangan. Ein Alleinfutter ist es nicht, bei Zugabe fehlender Nährstoffe aber sicher ein gutes Hundefutter.

Was sind K3-Materialien?

Der Gesetzestext zu den K3-Stoffen ist für Laien schwer verständlich. Wenn man ihn einfach so liest, klingt es, als wären alle K3-Stoffe Abfall und Gift. Was man aber wissen sollte: Grundsätzlich wird jede Sorte Fleisch in der Sekunde, in der es an einen Hunde­futterhersteller adressiert wird, automatisch zu K3-Mate­rial, selbst wenn es sich um frisches Kalbsschnitzel handelt. Wichtig zu wissen: Nur weil bestimmte Stoffe theoretisch erlaubt sind, bedeutet­ das nicht, dass sie tatsächlich auch Verwendung finden. „Minderwertiges Fleisch“ ist Fleisch, das nicht für den mensch­lichen Verzehr geeignet ist, Gammelfleisch ist es damit nicht. Vielmehr kann Stichfleisch, Brühlunge oder grüner Pansen damit gemeint sein, womit kein Hund ein Problem hätte. Ohren, Horn oder Schnauzen sind ebenfalls K3-Material und dürfen als „Heimtierfuttermittel“ verwendet werden, also als Kauartikel. Es heißt nicht, dass man sie in Dosen rührt. Täte man es, würde der Hund mit Blähungen und riesigen Kothaufen reagieren, und der Hundehalter wäre kein Kunde des Futters mehr. Bei sogenanntem überlagerten Fleisch ist das Haltbarkeits­datum bei der Zubereitung bereits abgelaufen. Das kann man eklig finden, keine Frage, aber sollte man es wegwerfen? Obwohl man seinen Hund davon ernähren könnte, ohne ihm gesundheitlichen Schaden zuzufügen? Immerhin hat dafür ein anderes Tier sein Leben­ gelassen. Die meisten Hunde haben sowieso ein anderes Verständnis davon, wann Fleisch gut schmeckt – man denke an die Knochen, die erst einmal ausgiebig für Wochen in irgendeinem Blumenbeet reifen sollen. Wenn aber nicht ganz frisches Fleisch in der Nassfutterdose sterilisiert wird, sind wenigstens die Keime tot.

Welche Zutaten sind wichtig?

Es ist sehr schwer, allein über die verwendeten Rohstoffe eines Futtermittels den kompletten Nährstoffbedarf eines Hundes zu decken. Ein Hund hat einen viel höheren Bedarf als der Mensch, er braucht allein das Dreifache an Kalzium. Ein ganz einfacher Test ist es, wenn der Tierbesitzer prüft, ob eine jodreiche Zutat in dem Futter enthalten ist: Alles, was aus dem Meer kommt wie Fisch oder Seealgen (außer Lachsöl), enthält Jod. Wenn derlei nicht in der Dose enthalten ist, muss Jod über einen Zusatzstoff, meist mit Kaliumjodid, ergänzt werden. Dass Fleisch ausreichend Jod ent­hielte, wie einige behaupten, ist schlicht falsch. Misstrauisch werden sollten Hundebesitzer, wenn damit geworben wird, dass es sich um Alleinfutter handelt, aber keine Zusatzstoffe deklariert werden, also auch keine Vitamine und Spurenelemente. Hier kann etwas nicht stimmen. Entweder handelt es sich nicht um ein Alleinfutter für Hunde, oder es sind dem Futter doch Zusatzstoffe beigemischt, der Hersteller gibt sie nur nicht an.

Womit geworben wird

Mit natürlichen Zutaten von höchster Qualität und Lebensmitteltauglichkeit

Der Begriff Lebensmitteltauglichkeit ist Werbung mit Selbstverständlichkeiten. Fleisch, das in Hundefutter verwendet wird, ist immer auch für den Menschen zum Verzehr geeignet – es liegt an uns Menschen, welchen Teil wir essen wollen und welchen nicht.

Ausschließlich aus Bestandteilen der Zutatenliste zusammengesetzt

Ein solches Versprechen ist ebenfalls eine Selbstverständlichkeit, es gilt für jedes Futter.

Kalt abgefüllt zum bestmöglichen Nährstoff­erhalt

Jede Nassfutterdose wird kalt befüllt und anschließend gekocht. Das eigens hervorzuheben ist Täuschung der Verbraucher.

Ohne Tier- und Knochenmehle

Tiermehle wären das komplette­ Schlachttier, inklusive Haaren und Ohren etc. Das darf theoretisch verwendet werden. Es gibt aber ein Abkommen der Haustiernahrungsindustrie, es nicht zu tun. Das ganze, gemahlene Tier wird bei uns nicht für Hunde­futter verwendet. Fleisch- und Knochenmehl werden dagegen verwendet.

Ohne künstliche Zusätze

Bei dieser Deklaration fehlen dem Futter auch die Vitamine und Spurenelemente, die zur Nährstoffdeckung nötig wären, zum Beispiel Jod, Vitamin A und D.

Ohne Tierversuche

Zu den „Tierversuchen“ der Futtermittelindustrie zählen Verdaulichkeitstest: Mindestens sechs Hunde bekommen dafür das zu testende Futter eine Woche lang gefüttert – und nichts anderes. Ihr Kot wird dafür gesammelt, untersucht­ und analysiert. Dieser Test fehlt also. Andere auf Tierversuche basierende Bedarfszahlen gelten allerdings für alle Hersteller­ – man ließ sie aber lieber von anderen machen.

Ohne synthetische Vitamine

Hier handelt es sich dem­nach nicht um Alleinfuttermittel, denn die meisten Vi­ta­mine und Spurenelemente, die für den Hund notwendig sind, werden zumindest zum Teil beim Erhitzungsprozess zer­­stört. Sie müssen also zugesetzt werden, es geht nicht anders.

Wendt, Liese-Lotte

2016.12.03 um 16:19 Uhr

Gibt es eine Institution die sich um falsche Deklaration kümmert? Bei Buddy`s Cuisine Ds-Futter Lammliebe steht vorn auf der 800g-Dose Lamm als Fleischinhalt. Hinten im kleingedruckten ist der Hauptinhalt mit Huhn deklariert. Das empfinde ich als echten Betrug. Gibt es denn keine Kontrollstelle für derartige Betrügereien? Vielleicht können Sie mir eine Adresse übermitteln. Danke. MfG L-L Wendt

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