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Zutaten Dosendeutsch: Was steckt im Hundefutter?

Dr. B. Glöwing, J. Peschel-Paetzold, K. von der Leyen 06.03.2015

Die Botschaft ist überall gleich: „Unser gutes Futter hält Ihren Hund gesund!“ Doch beim Studieren des Kleingedruckten auf den Etiketten der Fertignahrungsindustrie versteht man meistens nur Bahnhof. Was steckt wirklich in Bellos Futter?

Was bedeutet „Alleinfuttermittel“?

Ein Alleinfuttermittel muss so zusammengesetzt sein, dass es den täglichen Nährstoffbedarf eines Hundes an Vitaminen, Spurenelementen, Mineralien, Fettsäuren und Aminosäuren vollständig deckt. Es muss alles darin enthalten sein, so dass der Hund im Laufe seines Lebens weder Mangelerscheinungen noch Vergiftungen zeigt.

Rohasche

Vermutlich der am meisten falsch verstandene Wert auf dem Etikett. Futtermittelkontrolleure ermitteln ihn, indem sie das Futter veraschen, das heißt, auf 550 Grad erhitzen und anschließend verbrennen. Die übriggebliebene Asche wird dann gewogen. Eine solche Behandlung überleben nur anorganische Substanzen im Futter, also Spurenelemente und Mineralien. Weist ein Futter einen überhöhten Gehalt an Rohasche auf, spricht dies für eine übermäßige Beimengung von billigen Knochenmehlprodukten. Der Richtwert für Rohasche sollte bei unter 10 Prozent für alle Trockennahrungen und bei unter 2 Prozent für Feuchtnahrung liegen.

Dosendeutsch: Was steckt im Hundefutter?
Welche Zutaten verstecken sind im Hundefutter? © iStockphoto

Rohprotein

Ein gutes Trockenfutter sollte zwischen 20 und 25 Prozent Rohprotein enthalten. Dosenfutter enthält auf den ersten Blick immer weniger Rohprotein als Trockenfutter. Das hat mit dem höheren Wasseranteil zu tun. Rechnet man das Wasser aus der Dose, wird deutlich, dass Dosen oft mehr Rohprotein enthalten als Trockennahrung. Der Gehalt an Rohprotein in einer Dose sollte 5,5 Prozent nicht unterschreiten.

Rohfett

Es gibt den Energiegehalt des Futters an. Ein energiereiches Trockenfutter hat beispielsweise über 15 Prozent Rohfett, was genau richtig für die Arbeiter unter den Hunden wäre: Schlittenhunde, Rettungshunde, Polizeihunde. Für alle Normalsterblichen reichen 10 bis 12 Prozent im Trockenfutter und etwa 1 Prozent in der Dose. Doch auch hier gilt: Die Angaben für Rohfett lassen offen, von welcher Qualität die Fettquellen sind. Zum Beispiel, wie viele und welche essenziellen Fettsäuren vorhanden sind und ob das Fett für den Hund gut aufzuschließen ist oder nicht.

Rohfaser

So nennen sich unverdauliche pflanzliche Faserstoffe im Futter, zum Beispiel Zellulose. Ein gewisser Anteil ist ernährungsphysiologisch wichtig, weil solche Ballaststoffe die Darmtätigkeit anregen und den Kot formen. Im Trockenfutter ist ein Rohfaseranteil von 2 bis 3 Prozent ideal, im Dosenfutter 0,5 Prozent. Zu viel Rohfaser führt zu Blähungen und riesigen Hundehaufen, da ein Großteil des Futters nicht verdaut werden kann.

Kalzium und Phosphor

Die Gehalte an Kalzium und Phosphor müssen bei Futter für heranwachsende Tiere angegeben werden. Das Verhältnis der beiden Mineralstoffe sollte bei 1 bis 1,5 zu 1 (Kalzium zu Phosphor) liegen. Ein zu hoher Gehalt an Phosphor kann bei empfindlichen Hunden zu Harnsteinbildung führen. Alle anderen Mineralien können unter dem Begriff „Mineralstoffe“ zusammengefasst werden und müssen nicht einzeln deklariert werden.

Fleisch und tierische Nebenprodukte

Das kann hochwertiges Muskelfleisch wie auch minderwertiger Schlachtabfall sein. Wobei gerade die Nebenprodukte vom Schlachten wie Leber, Herz und Innereien für den Hund keineswegs „minderwertig“ sind, sondern lebenswichtige Nährstoffe enthalten. „Minderwertige Schlachtabfälle“ ist Fleisch, das Menschen nicht essen sollen, für Hunde aber weder gesundheitsschädlich noch bedenklich ist, wie grüner Pansen, Lefzen, Stichfleisch oder Brühlunge. Die so genannten „tierischen Nebenerzeugnisse“ fallen bei der Schlachtung von gesunden Tieren an. Dies sind Teile des Schlachttiers, die für den menschlichen Verzehr nicht vorgesehen sind wie Innereien, Knochen, Blut, Hufe, Haar und Schnäbel – wobei wichtig ist zu bedenken: Nur weil etwas theoretisch in Hundefutter verarbeitet werden dürfte, heißt es nicht, dass es tatsächlich Verwendung findet.

Es macht wenig Sinn, derlei schwerverdauliche Stoffe in einem Hundefutter zu verarbeiten, denn sie würden beim Hund starke Blähungen und gewaltige Kotmengen verursachen, was dem Verbraucher zweifellos missfallen würde und er nicht geneigt wäre, das Futter wieder zu kaufen. Der Hersteller hat also ein Interesse daran, ein gutverdauliches Futter herzustellen – und sei es nur, um seine Miete zu bezahlen. Wären Ohren, Horn, Haare etc. nicht eigens im Futtermittelgesetz erlaubt, wäre es auch verboten, sie als „Kauartikel“ zu verkaufen. Auch überlagerte Lebensmittel dürfen ins Hundefutter. „Überlagert“ bedeutet, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum für den menschlichen Verzehr abgelaufen ist – aber nicht, dass das Fleisch bereits gammelt. Durch den Erhitzungsprozess werden sowieso jegliche Keime im Fleisch abgetötet.

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