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Vegane Ernährung Karotten statt Knochen

Andrea Mertes 10.10.2017

Wer selbst vegetarisch oder vegan isst, will auch dem Hund kein totes Tier servieren. Aber geht vegane Hundeernährung? DOGS bat Fachtierärztin Ellen Kienzle um eine Analyse

Was heißt vegane Hundeernährung?

Weder Fleisch noch Knochen, Eier oder Milchprodukte werden gefüttert.­ Auf dem Speiseplan stehen stattdessen Reis, Kartoffeln, Linsen, Buchweizen, Hirse, Quinoa, Karotten, Zucchini, Äpfel, Birnen, Beeren sowie weiteres Obst und Gemüse, Nüsse, Samen und hochwertige Öle – als Fertigfutter oder hausgemachte Kost. All das klingt gut und lecker – aus Menschensicht. Doch vegane Ernährung lässt sich nicht einfach vom Zwei- auf den Vierbeiner übertragen. So ist der Proteinbedarf des Hundes mehr als doppelt so groß wie der des Menschen, Kalzium verwerten Vierbeiner schlechter als wir, weshalb ihr Bedarf den unseren um das Dreifache übersteigt.

© Javier Brosch/ Fotolia

Welche Zutaten sind wichtig?

Es ist sehr schwer bis unmöglich, allein über die Rohstoffe eine Ernährungsempfehlung für den veganen Hundenapf zu geben. Das liegt zum einen am Individuum selbst – ein Lawinensuchhund braucht mehr Energie als ein Sofamops –, aber auch an der Zusammenstellung der einzelnen Zutaten, die sich gegenseitig beeinflussen. Wichtig ist eine gute Eiweißquelle, die sich mit tierischem Eiweiß­ vergleichen lässt – dazu zählt etwa Soja. Hinzu kommen stärkehaltige Rohstoffe als Energieträger wie Kartoffeln oder Reis. Daneben braucht es ausreichend Mineralstoffe, Spurenelemente und Vitamine. Wer beim Futter auf tierische Produkte verzichtet, unterschätzt häufig die komplexen Anforderungen, die das mit sich bringt, erklärt Ellen Kienzle, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik am Lehrstuhl für Tierernährung der Ludwig-Maximilians-Universität München. „Ich empfehle jedem Hundehalter dringend, das nur unter fachtierärztlicher Aufsicht zu machen.“

Leben vegane Hunde gesund?

Welche Auswirkungen vegetarische oder vegane Ernährung auf den Hundeorganismus hat, dazu gibt es kaum Untersuchungen. Aufschlussreich ist die Arbeit der Münchner Tierärztin Radka Engelhard.­ In ihrer Dissertation von 1999 untersuchte sie Fütterungstechnik und Rationsverhalten von 78 Hunden und 8 Welpen. Alle Welpen sowie 20 der adulten Hunde wurden vegan ernährt. Laut ihrer Studie war mehr als die Hälfte der Tiere nicht ausreichend mit Proteinen versorgt, bei vielen gab es eine deutliche Unterversorgung von Kalzium, Phosphor und Natrium. Auch im Bereich der Spurenelemente Eisen, Kupfer, Jod, Zink fehlte es den Tieren am Nötigsten, Gleiches war bei den Vitaminen der Fall. Trotz der Fehlversorgungen traten bei den erwachsenen Hunden keine Mangelerscheinungen auf. Anders bei den vegan ernährten Welpen. Sie blieben in ihrer Entwicklung zurück und waren im Alter von acht Wochen nur halb so schwer, wie sie sein sollten.

Am Beispiel erklärt

„Garantiert vegan“ steht auf dem Alleinfuttermittel für erwachsene­ Hunde. In der 400-Gramm-Dose stecken laut Deklaration Bio-Reis, Bio-Karotten und Bio-Sojagranulat, dazu Kalziumkarbonat, Meersalz, Bio-Sonnenblumenöl und Bio-Spirulina. Klingt gesund. Fachtierärztin Ellen Kienzle vermisst vor allem­ ausreichend Vitamine wie das lebenswichtige Vitamin D: „Spirulina ist meines Wissens keine Vitamin-D-Quelle.“ Positiv fällt auf, dass Kalziumkarbonat zugesetzt ist. Hunde brauchen dreimal so viel Kalzium wie der Mensch, der Mineralstoff steckt vor allem­ in Knochen, aber kaum in pflanzlichen Lebensmitteln. Bei veganer Ernährung muss er deshalb unbedingt ergänzt werden. Was noch auffällt: Das Futter ist für einen großen Hund zu wenig. „Ein zwölf Kilo schwerer Haushund benötigt im Mittel 612 Kalorien“, also 500 Gramm Futter, nicht 400. Fazit der Expertin: Als Alleinfutter taugt die Dose nicht.

Was folgt bei Fehlernährung?

Tatsächlich können Hunde über mehrere Jahre falsch ernährt werden, ohne dass negative Folgen sichtbar werden. Hundebesitzer erwähnen­ in diesem Zusammenhang oft auch das Blutbild, das sie von ihrem Liebling haben machen lassen: „Da war alles bestens!“ Doch die Balance der Nährstoffe lässt sich über ein Blutbild nicht nachweisen! Der Grund dafür liegt im Selbsterhaltungstrieb des Körpers: Ein Kalziummangel im Blut wäre lebensbedrohlich. Also wird das Kalzium aus den Knochen mobilisiert, um den Blutspiegel möglichst lang stabil zu halten, bis irgendwann die Knochen brechen. Ähnlich verhält es sich mit anderen Mineralien und Spurenelementen. Haut- und Fellprobleme, Abbau der Muskelmasse, Herzerkrankungen, Entwicklungsstörungen und mehr können Spätfolgen einer Fehlernährung sein, die über Jahre andauert.

Ist veganes Futter artgerecht?

Hunde sind Carni-Omnivoren, von ihrer Art her sind sie Fleischfresser, vom Stoffwechsel her Allesfresser. Sie bevorzugen Fleisch, können aber ohne überleben. Es ist also möglich, einen Hund vegan­ zu ernähren. Ob es artgerecht ist, steht auf einem anderen Blatt. „Meiner Ansicht nach ist mit einer veganen Fütterung die Grenze der Artgerechtigkeit überschritten“, findet Fachtierärztin Ellen Kienzle. Der Hund schielt nun einmal auf Fleisch. Wer Sorge für ein Tier übernimmt, so argumentiert Kienzle, solle auch dessen Bedürfnisse­ respektieren. „Wer kein Fleisch verfüttern will, sollte besser ein Hausschwein oder ein Kaninchen halten.“

Futterberatung für vegane Hunde

„Wie oft am Tag füttern Sie Ihr Tier? Wie lange gehen Sie mit Ihrem Hund täglich raus? Wie viele Leckerlis erhält er am Tag – in Gramm, nicht in der Stückzahl?“ Tierärzte stellen Fragen, wenn sie eine individuelle Rationsberechnung in der Ernährungsberatung durchführen. Dabei wird der Bedarf des Hundes an Energie und Nährstoffen ermittelt, die Rationen werden überprüft und gegebenenfalls angepasst. Bei vegan ernährten Hunden raten Experten zu einer professionellen Berechnung, um eventuelle Nährstoffmängel auszugleichen, egal ob bei Hausgemachtem oder Fertigfutter. Berechnungen bieten unter anderem das Institut für Tierernährung der Tierärzt­lichen Hochschule Hannover (www.tiho-hannover.de), das Institut für Tier­ernährung an der Freien Universität Berlin (www.vetmed.fu-berlin.de) und die Universität München (www.ernaehrung.vetmed.uni-muenchen.de). Die Kosten betragen 100 bis 200 Euro.

Cathrin Weinrich

2017.03.24 um 15:20 Uhr

Hier muss man ganz klar kritisieren. Zuerst einmal ist eine Arbeit von 1999 schon viele Jahre nicht mehr zeitgemäß. Vor fast zwei Jahrzehnten war die Ernährung in der Gesellschaft ein gänzlich anderes Thema und die Verbraucher noch lange nicht so aufgeklärt wie heutzutage. Dies als Beispiel zu nehmen ist komplett verfehlt. Dann lieber darauf verweisen, dass es keine aktuelle Ausarbeitung gibt. Ein weiterer, sehr kritikwürdiger Satz ist der, ob es denn artgerecht sei. Artgerecht ist, wenn ein Lebewesen alle Nährstoffe bekommt. Die Trägermasse ist, analytisch betrachten, absolut irrelevant. Es stimmt auch nicht, dass ein Hund Fleisch vorzieht. Er zieht Geschmack vor. Und Geschmack ist erlernbar und geprägt. Wir kennen genug Hunde, die eben nicht ans barfen gewöhnt sind, die Fleisch nicht mal ansehen und liebend gern die Gurke oder Karotte knabbern. Das Barfen an sich ist aus einer Vielzahl von Gründen zu kritisieren. Sie hätten darauf hinweisen sollen, fairerweise, dass eine Vielzahl von Haltern sich nicht genügend um die Ernährung ihrer Hunde kümmern und bei Mischkosthunden sehr oft Mangelerscheinungen vorkommen. Man muss dann eben auch darauf hinweisen, dass sämtliches Fleisch, dass keine demeter-Qualität aufweist, durch eine Vielzahl an Belastungen (Glyphosat u.a. Pflanzenschutzmittel, Antibiotika etc) verseucht ist und das ein wirklicher Tierfreund nicht nur ein Haustierfreund ist. Ein gesunder, artgerecht lebender Hund bekommt die Möglichkeit draußen rumzuschnüffeln und sich so auch sein B12 zu besorgen. Es ist zudem extrem wichtig ausgewogen zu kochen und auf Vollkorn zu setzen - wie beim Menschen eben auch. Wir sind von der dogs besser recherchierte Artikel gewöhnt. Das hier klingt doch sehr nach vorgefertigter Meinung.

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