DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Hundeerziehung Durchsetzungsfähig sein – so schaffen es Hundehalter

Astrid Nestler 30.05.2011

Die Theorie klingt einfach: Erfolg hat, wer konsequent bleibt. Doch wenn der beste Freund seinen Charme spielen lässt, geraten gute Vorsätze oft in den Hintergrund. Über das schwierigste Kapitel in der Erziehung von Hunden: das angemessene Grenzen setzen.

„Dass falsche oder unerwünschte Verhaltensweisen keine Konsequenzen nach sich ziehen, ist ein im gesamten Tierreich unbekanntes Phänomen. Dort wird sanktioniert, zunächst freundlich, aber auch sehr eindeutig, wenn es sein muss“, sagt Hundetrainer Michael Grewe. Im Menschenreich ist das häufig anders. Zwar geht es auch hier in Sachen Hundeerziehung im Wesentlichen um zwei Verhaltensmuster: „Ich will das nicht, also lass es sein“ und „Damit bin ich einverstanden, das machst du gut“. Aber eben nur theoretisch. Allzu oft macht unser Gefühl gegenüber Hunden dem konsequenten Handeln einen Strich durch die Rechnung. Das schiefe Köpfchen, der treue Blick, das leise Fiepen machen es nicht leicht, ein gesundes Gleichgewicht zwischen Ja und Nein zu finden.

grenzen-setzen-erziehung
Konsequent sein oder nachgeben? Wenn der beste Freund seine Grenzen testet, fällt es manchmal schwer, standhaft zu bleiben © picture alliance/dpa

Schließlich wollen wir unserem treuen Freund ebenfalls ein treuer Freund sein, der Gutes gibt und über manche Unzulänglichkeit gelassen hinwegsieht. Das Problem ist nur: Es gelingt nicht immer. Denn Bello kommt nicht zuverlässig zurück, wenn wir ihn rufen. Er lungert am Tisch nach Futter, er zieht an der Leine und springt – wenn auch nur aus Freude – fremde Menschen an. Das wiederum bringt uns in Rage und schürt innerlich den Wunsch, auch einmal Nein zu sagen. Fragt sich nur, wie?

„Die meisten Schwierigkeiten und Konflikte entstehen, weil der Mensch nicht in der Lage ist, Nein zu sagen, obwohl er es möchte. Er kann sich nicht abgrenzen, sich nicht deutlich genug ausdrücken“, behauptet der dänische Familientherapeut Jesper Juul. An dem, was einfach klingt, scheiden sich die Geister. Selbst in der Literatur findet man wenig Eindeutiges. Es gibt zwar zahlreiche Leitfäden über erzieherischen Hundesport wie Dogdance, Flyball oder Obedience, aber kaum einer verrät, wie man sich dem Hund gegenüber durchsetzt, wenn er das, was ihm beigebracht wurde, nicht ausführen will – trotz Einsatz von Leckerlis, Streicheleinheiten und anderen Verführungsstrategien. Oder sind gerade diese das Problem? Was vielfach fehlt, ist die klare Ansage, das Nein in der Hundeerziehung. Die Folge: Viele Halter resignieren, weil es ihnen nicht gelingt, unerwünschtes Verhalten abzustellen und sie immer seltener Konflikte mit dem Hund gewinnen. Letztlich tolerieren sie nach vielen vergeblichen Erziehungsversuchen, dass der Hund mehr oder weniger macht, was er will, und passen sich ihm an.

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X