DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Jagdtrieb abgewöhnen Warum Hunde jagen

Astrid Nestler 21.01.2014

Ein Vogel im Busch, ein Hase im Unterholz, und schon ist er auf und davon. Jagende Hunde sind schwer zu bremsen. Sie stellen ihre Besitzer nicht selten vor eine große Herausforderung. Und die Frage: Warum jagen Hunde überhaupt?

Sieben Schritte, die helfen können, das Jagdverhalten des Hundes besser in den Griff zu bekommen

 

1. Mit der Veranlagung umgehen lernen

Wie weit ein Hund mit Jagdpassion im Freilauf kontrollierbar ist, hängt vor allem von seiner Rasse und seinem Erbgut ab. Ein Jagdterrier ist eben ganz anders veranlagt als ein Magyar Vizsla. Bei manchen Exemplaren hilft weder Schleppleinentraining noch Ablenken oder Reglementieren auf Dauer. Je nach Hund und Fähigkeiten des Halters bleibt unter Umständen nichts anderes übrig, als das Tier im Wald konsequent anzuleinen, und das womöglich ein Leben lang. Jagdliche Passion lässt sich nun mal weder wegprägen noch wegerziehen, sondern höchstens kanalisieren. Dabei helfen konsequentes Training und viel Geduld.

2. Unbedingt Gehorsam einüben

„Nur ein Hund, der sich erst mal hemmen lässt, wenn er einer Wildspur folgen will, lässt sich anschließend auch auf ein Alternativverhalten umlenken“, ist Experte Anton Fichtlmeier überzeugt. Die wichtigste Lektion, die ein Hund mit Jagdpassion demnach lernen sollte, ist ein zuverlässiges Stopp- oder Abbruchsignal. Die Erziehung ist somit eine Art Gegenspieler zur Genetik des Hundes. Das Problem: Ein Abbruchsignal lässt sich zwar einerseits mit viel Lob und Futterbelohnung konditionieren. Wenn dem Hund auf der anderen Seite aber keine negative Konsequenz droht, falls er dennoch jagen geht, hat er die Freiheit, sich jederzeit für den Hasen und gegen Lob oder einen Futterbrocken zu entscheiden. Konkret heißt das: Wenn der Hund nicht von dem unerwünschten Verhalten ablässt, wird er reglementiert. Gegen dieses Vorgehen hegen viele Hundehalter ethische Bedenken. Sie möchten erreichen, dass sich ihr Hund aus freien Stücken für das dargebotene Futter oder eine Alternativbeschäftigung entscheidet und nicht, um eine Strafe zu vermeiden.

3. Seine Selbstbeherrschung üben

Um einem Abbruchsignal überhaupt Folge leisten zu können und notfalls sogar mitten in der Hatz einzuhalten, muss ein Hund nicht nur gehorsam sein, sondern ein großes Maß an Selbstbeherrschung erlernen. Ansonsten hat er keine Chance, seinen Impuls zu kontrollieren. Impulskontrolle ist verbunden mit der Fähigkeit, Frust auszuhalten. Dies muss der Hund stufenweise in Alltagssituationen üben, am besten von klein auf. Ein Hund, der sich zur Begrüßung hinsetzt und darauf wartet, dass er beachtet wird, statt spontan hochzuspringen, hat gelernt, seine Emotionen im Zaum zu halten. Impulskontrolle hat also etwas mit guter Erziehung zu tun. Auch dabei spielt Genetik eine Rolle. „Hunde mit einer starken Veranlagung zu impulsiven Reaktionen entwickeln bei falschem Umgang schneller Problemverhalten als Hunde, die weniger impulsiv geprägt zur Welt kommen. Oft reicht schon ein entsprechender Trigger wie Ballspielen, um das Problem hervorzurufen. Ein frühes Erkennen der Anlagen des Tieres und ein angepasster Umgang sind daher wichtig“, weiß die Trainerin und Biologin Ariane Ullrich. Sie hat einen Ratgeber zum Thema geschrieben mit Übungsvorschlägen und detailliertem Trainingsaufbau („Impulskontrolle: Wie Hunde sich beherrschen lernen“, MenschHund!-Verlag, 24,90 Euro).

4. Der Langeweile vorbeugen

Nicht jeder Hund, der einmal Hasen hetzt, hat deswegen gleich ein Jagdproblem. „Viele jagen schlicht aus Ungehorsam oder Langeweile auf dem Spaziergang. Sie haben nicht verstanden, dass Jagen prinzipiell unerwünscht ist. Dieses ist die einzige Art von Jagdproblem, das man tatsächlich wegtrainieren kann“, erklärt Hundetrainerin Martina Nau (www.hundetraining-nau.de). Sie hat einen Ratgeber zum Thema Jagdverhalten geschrieben und empfiehlt in diesem Fall ein deutliches Nein und genügend Beschäftigung zum Beispiel durch Apportier- oder Suchspiele.

5. Seine Aufmerksamkeit einfordern

Auf einem Spaziergang sollte der Hund stets ansprechbar sein und mit seinen Gedanken nie ganz abschalten dürfen, auch wenn frische Wildspuren verlockend duften. Er darf wahrnehmen, was ist, aber ein Teil seiner Aufmerksamkeit sollte bei seinem Menschen bleiben. Nur so merkt er, wann dieser das Tempo ändert oder ihm ein Signal gibt. „Übungen, dies zu trainieren, sind plötzliche Richtungswechsel, sich verstecken, wenn der Hund unaufmerksam ist, und Spaziergänge an der langen Leine, die sich dabei nie straffen sollte“, rät Hundetrainerin Petra Schmidt (www.hundeschule-plauen.de). Die 54-Jährige arbeitete jahrelang mit Tierheimhunden und berät vorwiegend Welpenbesitzer und Halter von Problemhunden.

6. Die Arbeit im Team fördern

Wer einen Hund hält, darf dessen Bedürfnisse nicht ständig unterdrücken. Das gilt auch für dessen jagdliche Passion. Jeder Hund kann lernen, dass er bekommt, was er möchte, wenn er kontrolliert mit seinem Menschen zusammenarbeitet. Dann darf er zum Beispiel auch mal ein Felldummy apportieren oder einer vorbereiteten Wildschleppe folgen. Kooperationsbereitschaft lässt sich unter anderem mit der Reizangel trainieren. Richtig aufgebaut, erfährt der Hund bei dieser Übung, dass nicht das Hetzen zum Erfolg führt, sondern dass er die Beute erst dann zu packen bekommt, wenn er ruhig stehen bleibt und Blickkontakt zum Hundehalter aufnimmt. Auch die klassische Arbeit mit dem Futterdummy fördert den Teamgeist. Der Hund lernt, Beute nicht für sich zu beanspruchen, sondern seinem Menschen zuzutragen, und wird dafür belohnt. Anleitungen für das Training mithilfe eines Futterdummys bieten zahlreiche Hundeschulen und Ratgeber, unter anderem die des Experten Jan Nijboer (www.natural-dogmanship.de).

7. Den passenden Trainer finden

Hundetraining kann zur Glaubenssache werden. Wie welcher Trainer arbeitet und welche Hilfsmittel er einsetzt, hängt im Wesentlichen von dessen persönlicher Erfahrung und seiner Einstellung zum Hund ab. Bei den einen Trainern liegt der Fokus eher auf Respekt und Gehorsam, die anderen fördern mehr oder weniger ausschließlich die Kooperationsbereitschaft des Hundes und setzen auf Triebumleitung durch alternative Beschäftigungsmodelle. Unerwünschtes Verhalten durch Bestrafung zu hemmen, lehnen einige auch grundsätzlich ab. Schwierig wird es dann, wenn dem Hund durch die Vermeidung eines eindeutigen Neins die Information fehlt, dass sein Verhalten prinzipiell unerwünscht ist. Das kann beim Hund zu Missverständnissen führen. Wichtig ist, dass die gewählten Trainingsmethoden zu den Wertvorstellungen und Handlungsmöglichkeiten des Halters passen. Wer einen jagenden Hund hat, sollte sich daher grundsätzlich fragen: Was bin ich bereit zu tun, um meinen Hund am Jagen zu hindern?

Sonja Schmid

2016.10.26 um 16:31 Uhr

...ja und der Grosspudel als Wasserjagdhund :)

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X