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Ratgeber Hilfe für aggressive Hunde

Katharina von der Leyen 15.04.2010

Man macht sich wenig beliebt mit einem Hund, der seine Artgenossen mobbt, jagt, bedroht oder sich gar auf sie stürzt. Doch verzweifeln muss der Hundefreund nicht – denn Katharina von der Leyen kennt neun Tipps, wie man aus einem Raufer einen lieben Kameraden macht.

Die gute Nachricht: Die meisten aggressiven Hunde sind gar keine geborenen Raufer, sondern erst dazu erzogen worden. Und das nicht von bösen Besitzern, sondern meist von sehr freundlichen oder unsicheren Hundehaltern, die jeden fremden Hund von weitem wahrnehmen und ihren Hund meist zu verkehrsarmen Zeiten und an der Leine spazieren führen. Denn man weiß ja: Rüden beißen einander grundsätzlich und Hündinnen mögen ihresgleichen auch nicht – und wenn die sich in die Haare bekommen, ist das schlimm.

Hilfe für aggressive Hunde
Die meisten Raufer werden erst zu solchen erzogen - der Weg zurück erfordert Konsequenz, Geduld und Zeit © Stocksy

Das ist schlichtweg falsch. Egal, was Sie gehört haben: Auf jeder Hundewiese, in jedem Park spielen und kommunizieren Hunde jeden Geschlechts überwiegend sehr vergnügt miteinander. Sie beriechen einander, zeigen ein bisschen Dominanzgehabe und spielen. Es sind meistens auch gar nicht die dominanten Hunde, die sich zu Raufern entwickeln, sondern viel häufiger die weniger selbstsicheren, die den anderen mit den Zähnen etwas beweisen müssen – weil sie sich von ihren Besitzern nicht genügend beschützt fühlen.

So wird ein Hund zum Raufer

Die Erziehung zum Beißer geht normalerweise so: Der Hund wird hauptsächlich an der Leine geführt. Und zwar schon als Welpe, damit er nicht wegläuft. Kommt ein anderer Hund, wird die Leine möglichst kurz und straff gehalten, während der fremde Hund vom Herrn mit großer Anspannung beobachtet wird. Der angeleinte Hund kann nun weder aus dem Weg noch schnell weiter gehen, sondern ist dem gespannten Arm seines Herrn ausgeliefert. Wenn er sich also fürchtet, bleibt ihm nichts anderes übrig, als seinem Stress mit Knurren und Zähnefletschen Ausdruck zu verleihen. Nicht nur das: Jetzt wird er von seinem Herrn noch besänftigt: „Gaaaanz ruhig, ist ja alles guuuut!“, und dazu wird er noch gestreichelt. Weil Hunde nur den Tonfall, nicht die Worte verstehen, denkt der Zähnefletscher, es würde für sein Drohverhalten gelobt.

Wiederholt sich das, hat das Hündchen Folgendes gelernt: „Wenn ein anderer Hund kommt, wird’s aufregend: Mein Herr wird nervös, wenn ich aber knurre und geifere, haut der andere Hund wieder ab.“ Ein super Rezept, um einen Raufer heranzuziehen, wirkt bei absolut jedem Hund. Um Ihren wieder umzuerziehen, brauchen Sie Nerven und so viel Selbstvertrauen, dass es für zwei reicht: Ihr Hund zeigt deshalb Aggression, weil er das Gefühl hat, Sie könnten nicht auf sich selbst aufpassen, und er müsse Sie beschützen. Wenn Sie selbst ängstlich oder aggressiv sind, überträgt sich das auf ihn. Strahlen Sie also Sicherheit und damit Führungsqualität aus, damit Ihr Hund spürt, er kann sich auf Sie verlassen und entspannen.

1. Markieren zügeln

Lassen Sie ihn nicht überall und andauernd markieren. Es ist kein Grundrecht, andauernd Besitzrechte zu demonstrieren. Damit grenzen Sie übersteigertes Revierverhalten ein. Normales Pieseln ist keine Dominanzdemonstration, permanentes Markieren schon.

2. Ruhe bewahren

Schreien Sie Ihren aggressiven oder bellenden Hund nicht an, schlagen Sie ihn sowieso nicht, nehmen Sie nicht die Leine kurz oder bleiben angesichts des fremden Hundes stocksteif stehen. Schreien und dergleichen macht Hunde nur noch aggressiver. Lassen Sie Ihren Hund Sitz machen, möglichst mit dem Rücken zu dem Hund, der ihn aufregt, gehen Sie mehrere Achten, lassen Sie ihn Platz machen, sprechen Sie fröhlich mit ihm, beschäftigen Sie ihn.

3. Folgsam sein

Lassen Sie Ihren Hund nie mit Tatütata auf andere Hunde losstürmen. Er soll bei Ihnen bleiben, bis Sie zum Beispiel eine Hundegruppe im Park erreicht haben. Dann darf er mit einem beiläufigen „Okay“ dazu.

4. Still schweigen

Erlauben Sie ihm nicht, fremde Hunde hinterm Zaun anzubrüllen, auch wenn die brüllen: Gehen Sie ruhig am Zaun vorbei, sprechen Sie gutgelaunt mit Ihrem Hund. Er soll nicht zum anderen schauen.

5. Herrenlos sein

Ist Ihr Hund von der Leine und Sie treffen auf einen erklärten Feind Ihres Hundes, machen Sie kehrt und gehen Sie zügig und ohne sichtbare Nervosität in die andere Richtung, um nicht in das fremde Territorium einzudringen und Ihrem Hund keinerlei vermeintliche Rückendeckung zu geben. Wenn Sie ausreichend Abstand gewonnen haben, geben Sie Ihrem Hund außerdem die Möglichkeit, dem anderen zu signalisieren: „Tut mir leid, aber ich kann gerade nicht – ich muss hinter meinem Herrn her, wir haben Termine.“

6. Auf Nummer sicher gehen

Wenn Sie eher unsicher sind oder Ihr Hund inzwischen ein sehr ausgeprägtes Aggressionsverhalten zeigt, legen Sie ihm einen Maulkorb an. Kümmern Sie sich nicht darum, was andere Leute denken oder sagen könnten. Tatsache ist, dass Ihr Hund mit einem Maulkorb niemanden verletzen kann. Das wird auch zu Ihrer Entspannung beitragen, während Sie trotzdem ein konsequentes Programm mit ihm beginnen: Sitz, Platz und Fuß im Angesicht anderer Hunde. Sie müssen bereits zu Hause anfangen, das Maulkorbtragen mit Ihrem Hund zu üben, und zwar in aller Ruhe. Legen Sie Kekse in den Maulkorb, schmieren Sie ein bisschen Erdnussbutter hinein, lassen Sie ihn nur kurz aufgeschnallt. Sprechen Sie in einem Hurra-Tonfall mit ihm und loben Sie ihn, wenn Ihr Hund den Maulkorb auf hat. Wenn er Theater macht, ignorieren Sie es, tun Sie so, als ob nichts wäre.

7. Kontakt testen

Verabreden Sie sich mit einem anderen Rüden, den Ihr Hund auf dem Kieker hat, der aber seinerseits nicht aggressiv ist. Er soll in Sichtweite Sitz oder Platz machen. Spazieren Sie mit Ihrem Hund an der durchhängenden Leine herum, seien Sie unerhört entspannt und achten Sie auf die Körpersprache Ihres Hundes: Macht er sich steif, geht er mit verkürzten Schritten? Pfeffern Sie ihm ein strenges „Nein!“ an den Kopf. Gehen Sie schnurstracks in eine andere Richtung. Er darf sich nicht nach dem anderen Hund umsehen, sondern soll auf Sie achten. Gehen Sie dafür zügig um Bäume herum, halten Sie Ihren Hund in Aktion, spazieren Sie wieder in Sichtweite des anderen Hundes, diesmal etwas näher, gute zwanzig Meter entfernt. Jedes geringste Interesse am anderen Hund wird sofort mit einem „Nein!“ korrigiert.

Sie gehen eine Acht, lassen ihn Sitz machen, gehen wieder auf den Hund zu, wieder „Nein!“ usw. Machen Sie das in dieser Weise an mehreren Tagen hintereinander, damit Ihr Hund „abstumpft“ und lernt, an dem anderen nicht interessiert zu sein. Sobald Ihr Hund beim Anblick des anderen entspannt bleibt, gehen Sie gemeinsam spazieren, nebeneinander, aber so, dass Ihrer im Zweifelsfall nicht rückfällig werden und den anderen packen kann. Unterhalten Sie sich über irgendetwas, nur nicht über die Hunde. Es hilft. Und wenn es bei dem einen Hund hilft, schaffen Sie das Programm auch bei anderen „Feinden“. Natürlich dauert das eine Weile: Es hat auch gedauert, bis Ihr Hund zum Raufer wurde, das lässt sich also nicht innerhalb einer Woche abstellen. Aber es wird.

8. Sportlich werden

Wenn Ihr Hund vor allem knurrt oder droht, weil er ängstlich oder schüchtern ist, müssen Sie ihn zu mehr Selbstvertrauen erziehen: Geben Sie ihm Aufgaben, bringen Sie ihm Kunststücke bei, machen Sie mit ihm Agility in einer Hundeschule, damit er wunderbare Erfolgserlebnisse mit Ihnen hat. Sobald er aggressives Verhalten zeigt, muss er ruhig und beharrlich korrigiert werden, ohne weiteren Stress zu erzeugen.

9. Experten fragen

Zu einem echten Problem wird es, wenn es zwischen Ihren zusammenlebenden Hunden zu echter Feindschaft gekommen ist. Die Hundehalter glauben meist, dass dies aus heiterem Himmel eingetreten ist. Das ist immer ein Irrtum. Sie ist stattdessen ein sicheres Zeichen für schon lange schwelende Dominanzprobleme, die der Mensch nicht rechtzeitig erkannt hat und der immer wieder die wahre Rangordnung der Hunde ignorierte. Meist hat der Mensch den Hund, den er zuerst hatte, als Anführer behandelt und nicht mitbekommen, dass in der Zwischenzeit der jüngere, stärkere Hund die Oberhand übernommen hatte. Wenn Hunde in einem Haushalt so weit sind, dass sie sich „nicht mehr riechen“ können, klärt vielleicht ein Hundepsychologe die andauernde Feindschaft. Wenn nicht, muss einer der Rüden in ein neues Zuhause umziehen.

Dr. Roschlau

2016.10.30 um 16:35 Uhr

Gute Tipps-nur bei einem Riesenschnauzer ist das alles nicht so leicht durchzubringen. Unserer ist der Meinung, dass er sich mit gleichartigen Kollegen messen will...

Abc

2016.10.04 um 14:26 Uhr

Ich habe mit meinem Rüden auch Probleme.... Bei uns ist es ebenfalls...so denke ich...durch mein Fehlverhalten entstanden als er Welpe war. Ich habe ihn meist hoch genommen wenn andere Hunde auf ihn zu kamen und er sie anbellte. Oder aber unsere ältere Hündin hat für ihn alles geklärt. Hinzu kam das zu einem späteren Zeitpunkt ein 2.Rüde dazu kam der sehr dominant war das es zum Schluss übelst Beisserei zwischen den beiden entstand und wir den letzteren wieder abgaben. Leider akzeptiert unser Rüde bis heute keinen weiteren Rüden. Ich hoffe sehr das sich das legen wird wenn ich eure Tipps ausprobiert habe

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