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Ratgeber Was tun gegen Zerstörungswut beim Hund?

Martin Rütter 15.04.2010

Es gibt Hunde, die kommen auf lustige Einfälle: Tapeten abreißen, Filzstifte verputzen, das Körbchen auffressen. Auch die Hündin Dina hatte solche Ideen. Bis Experte Martin Rütter ihre wahre Not erkannte und das Training begann.

Ein Fall für den Hundeprofi
Name: Dina
Rasse: Beagle-Labrador-Mix
Alter: 1,5 Jahre
Problem: kleiner Zerstörer
Rütters Strategie: Den Hund mehr fordern

Wenn Dina allein gelassen wird und ihr Frauchen bei der Arbeit ist, frisst die Mischlingshündin alles auf, was sie kriegen kann. Das kann der Müll sein oder alles, was auf der Arbeitsfläche der Küche liegt. Auch die Mäntel und Jacken an der Garderobe scheinen ihr zu schmecken oder die Filzstifte, die auf dem Schreibtisch liegen, mit dem Ergebnis, dass die Fliesen, ihre Zunge und Zähne blau gefärbt waren. Dina beißt das Telefon tot, wenn es klingelt, und hat inzwischen fünf Hundekörbchen auf dem Gewissen. Sie hat Kerzen samt Docht verputzt, die Kabel in Frauchens Wohnung sowieso. Sogar der tiefgefrorene Brotlaib auf dem Küchentisch war eine Herausforderung für Dinas Gebiss. Weil die Hündin auch Holzfiguren im Ganzen herunterschluckt, ist sie Dauerpatientin beim Tierarzt.

Was tun gegen Zerstörungswut beim Hund?
Wenn der Vierbeiner alles zerstört, dann sollte gehandelt werden © plainpicture/Helge Sauber

Der Fall Dina ist ein Klassiker. Immer wieder kommen Menschen zu mir, weil ihr Hund das Mobiliar zerstört, den Mülleimer plündert oder alles zerkaut, was in der Wohnung liegt, sobald er allein gelassen wird. Leider wird sehr häufig zunächst an der Symptomatik gearbeitet, meist ohne Erfolg. Um so wichtiger ist es, immer die Ursache eines Problems zu analysieren. Bei Dina war das Zerstören, das Mülleimer plündern weder gesteigerter Hunger noch Trennungsangst, erst recht nicht „Zerstörungswut“. Sie war schlichtweg unterfordert – übrigens in etwa 95 Prozent meiner „Felle“ der Auslöser für dieses Verhalten. Häufig haben die Hunde zu wenig Bewegung. Noch viel häufiger bekommen sie zu wenig geistige Beschäftigung.

Ein Training musste her

Bei Dina war es leider die besondere Variante aus beidem. Der Beagle-Labrador-Mix ist eine temperamentvolle junge Hündin, die überdurchschnittlich bewegungsaktiv und überdurchschnittlich lernbegierig ist. Die Folge: Ihr Frauchen, Frau Odendahl, traute sich draußen nur selten, Dina frei laufen zu lassen, weil sie ihren Hund „nicht gut genug unter Kontrolle hat“. Abgesehen davon hatte sie mit ihrer Hündin bisher noch nichts Kreatives, Geistiges und Forderndes trainiert. Mein erster Gedanke war: Es wird gut ein halbes Jahr dauern, bis Hündin Dina so sicher abrufbar ist, dass man sie getrost frei laufen lassen kann. Also wollte ich die Hündin so schnell wie möglich an das Fahrradfahren gewöhnen, quasi als Erste-Hilfe-Maßnahme. Zum einen lernt Dina etwas Neues, sprich: Sie muss sich auch mal geistig anstrengen. Zum anderen kann Frauchen ihre Hündin angeleint körperlich auslasten. Aber genau hier begann eigentlich schon das nächste Problem. Frau Odendahl hatte vor einiger Zeit schon einmal mit Dina den Versuch unternommen, Fahrrad zu fahren. Der Ausflug endete wegen einer zu stürmischen Dina mit körperlichen Verletzungen und der Angst beim Frauchen, diesen Versuch ein zweites Mal zu wagen. Also hieß es für mich, mit Dina und ihrem Frauchen in sehr kleinen Trainingsschritten vorzugehen. Dabei sollte die Sicherheit von Frau Odendahl natürlich an erster Stelle stehen.

Tipps vom Hundeprofi

Schritt 1

Es bot sich an, dem Hund von Anfang an beizubringen, auf der rechten Seite zu bleiben. Der Grund: Wenn man sich mit einem Hund im Straßenverkehr bewegt, ist es schlichtweg für alle weniger gefährlich, den Hund an der zum Verkehr abgewandten Seite zu führen. Ich empfahl Frau Odendahl, die Leine nie um das eigene Handgelenk zu wickeln. Bei einer spontanen und temperamentvollen Hündin wie Dina muss sie jeden Moment damit rechnen, dass ihr Hund einem Reiz folgt und spontan losrennt.

Schritt 2

Um Dina das Begleiten von Fahrrädern beizubringen, war es nötig, zunächst die Leinenführigkeit ohne Fahrrad zu üben und sie auf ein Signal zu konditionieren. Dina wurde innerhalb von Minuten beigebracht, dass ein Blick von ihr zu Frauchen, wenn dieses ein Schnalzgeräusch macht, sofort zu einem Leckerchen führt.

Schritt 3

Jetzt gingen wir mit Dina und Fahrrad spazieren. Frau Odendahl schob dafür das Fahrrad auf ihrer linken Seite, während sie Dina an der Leine zu ihrer Rechten gehen ließ. Vorteil: Der Mensch kann durch eine Lenkbewegung des vorderen Rades seinem Hund den Weg abschneiden, sobald der über einüberholen nachdenkt.

Schritt 4

Das Fahrrad wird wie ein Roller benutzt: ein Fuß auf das Pedal stellen und mit dem anderen Schwung geben. So erreicht Frauchen ein zügigeres Tempo, kann aber abspringen, wenn es die Situation erfordert. Was Dina darüber denkt? Aus Hundesicht ist Rollern das Gleiche wie Radfahren.

Schritt 5

Jetzt können erste kurze Radfahreinheiten beginnen. Bei täglichem Training kommt die Sicherheit ganz von selbst.

Die Freude kehrt zurück

Und heute? Aus Dina ist ein freudiger Hund geworden, der kontrollierbar am Rad mitläuft. Sie ist nicht mehr frustriert und gelangweilt, lässt die Wohnung heil und schläft abends zufrieden und entspannt ein.

Was Hundehalter am häufigsten falsch machen

Leider ist es im Hundetraining immer noch weit verbreitet, sich keine Gedanken über die Ursachen eines Problems zu machen, sondern nur stumpf die Symptome zu dämpfen. Nicht selten wird bei einem Hund wie Dina mit einer „anonymen Strafe“ gearbeitet.

Folgende Vorgehensweisen sind leider üblich:

Unheil 1: Sprühimpulsgeräte

Der Hund bekommt ein Sprühimpulsgerät umgehängt und die Wohnung wird mit einer Kamera präpariert, so dass man den Hund beobachten kann, während er allein ist. Die Menschen warten dann darauf, dass der Hund das „Fehlverhalten“ zeigt. In diesem Moment wird der Sprühimpuls über eine Fernsteuerung ausgelöst, der Hund bekommt einen Schreck eingejagt und wird zukünftig den Gegenstand meiden, an dem er gerade gekaut hat.

Unheil 2: Schepperdose

Ein Gegenstand wird mit einer Schnur an einer Klapperdose auf einer Anhöhung (Tisch, Stuhl) platziert. In dem Moment, in dem der Hund sein Objekt der Begierde von A nach B transportiert, um es zu zerkauen, scheppert die Dose, der Hund bekommt einen Schreck und meidet in Zukunft diesen Gegenstand.

Risiko 1: Irreversible Angst

Beide Varianten führen tatsächlich dazu, dass der Hund seine mutmaßliche Zerstörungswut einstellt. Allerdings hat hierdurch ausschließlich der Mensch ein Problem weniger. Der Hund hat eines mehr: Es lässt sich nämlich feststellen, dass etwa achtzig Prozent der Hunde, die mit anonymen Strafen traktiert wurden, in den Tagen nach der Schreckbehandlung eine Angst vorm Alleinbleiben entwickeln.

Risiko 2: Bleibende Unsicherheit

Hunde verbinden das Schreckerlebnis meist nicht ausschließlich nur mit der Handlung, die sie eben vollzogen haben – um es gleich zu vergessen. Im Gegenteil: Derart bestrafte Hunde registrieren auch, dass eine Sanktion stets erfolgt, sobald sie allein gelassen wurden. Auf diese Weise erleben sie, dass eine elementar wichtige Sache für einen Hund, einen sicheren Rückzugsort zu haben, verloren gegangen ist.

Helena detzel

2016.12.09 um 21:51 Uhr

hallo hr rütter ich und mein freund sind in eine andere wohnung gezogen und seit dem wenn er alleine ist macht er die vorhänge kaputt und zerkratzt die türen ... schuhe lässt er in ruhe ... er bekommt eig meiner meinung nach genung auslauf .. warum macht er das ... in der alten wohnung hat er das noch nie gemacht ... was kann ich tun das es nicht mehr vorkommt

Sylvia Müller

2016.12.04 um 21:15 Uhr

Meine Nola 1 1/2 Jahre, frisst nur bei mir zu Hause, wenn ich zur Arbeit bin, von der Arbeitsfläche u. Holz vor dem Ofen. Beim Hundesitter, richtet sie nichts an. Was ist bei mir falsch? Anmerken will ich noch, dass ich einen großen Garten habe, in dem sie herumtoben kann.

Claudia Beige

2016.11.16 um 16:38 Uhr

Hallo, wir haben seid ca. 10 Monaten einen neuen Hund aus dem Heim der ca. 5 Jahre alt ist. Ein Mischling von Pointer , Podenco und Labrador ein sehr lieber Hund aber seid einiger Zeit ca.1 Monat fing er an Zeitung zu zerreissen und Kissenbezüge die Reißverschlüsse zu zerstören und jetzt hat er sich spezialisiert auf Kunstoff Fernbedienung vom Fernseher und diverse Kunstoff Dosen und seid ca. 4 Tage die Schuhe zu bearbeiten mit seinen guten Zähnen. Wir sind ratlos !!! Wenn wir aus dem Haus gehen stellen wir das Radio an und geben Ihn Kauknochen zum Kauen und diverse Hundespielsachen mit Caffeeknochen aber nix da immer ein Chaos beim heim kommen.

Nadine Habbel

2016.11.11 um 06:09 Uhr

Mein Labrador rüde wird 9 Monate alt mir seit 3monaten auch alles kaputt Möbel, alles was rum liegt und jetzt fängt er auch noch mit den Wänden an. Das alles natürlich nur wenn wir nicht zuhause sind. Das hat er vorher nicht gemacht. Davor könnte er alleine bleiben ohne etwas kaputt zu machen Seit kurzem trainiere ich mit ihm und der schleppleine mit Hundepfeife und Ball. Fürs Fahrrad fahren und nebenher laufen ist er leider noch zu jung.

Harbord

2016.11.10 um 17:10 Uhr

Hallo unsere sechs monate alte hündin lea macht alles kaputt wenn sie alleine ist wenn wir zum einkaufen gehen ,sie macht schuhe fernbedinungen us w kaputt wir sind in einer stunde wieder zu hause und dann das volle kaos wir gehen mit ihr aber viel spazieren lassen sie freilaufen spielen mit dem stock und ball verstecken auch leckereien und trozdem macht alles kaputt

HertfeldetLilija

2016.11.07 um 15:15 Uhr

Mein Hund ist Dcshek rassel gemischt große 1,5jare Hallo Herr Rüter ich möchte bei ihnen fragen was kann ich tun wenn ich weg bin gehe zu einem Termin bin ungefähr 3 Stunde nicht da er tut alles knabbern Möbel Teppich alle Spielzeuge werden zerkleinert ich weiß nicht was ich machen soll

Krug

2016.11.02 um 13:03 Uhr

Hallo, das Problem habe ich auch mit meiner Hündin. Sie biss als erstes die Kabel durch und macht sich jetzt an die Holzstühle rann. Sie war ein Strassenhund und machte sich auch über den Müll her. Sie muss 3 Stunden allein bleiben,da ich arbeiten muss. Bevor ich zur Arbeit gehe,lege ich ihr den gefüllten Futterball und 2 Kauknochen hin und mache die Wohnung erstmal Hundesicher.Das heisst:Das ich erst mal alles wegräume,wo sie dran gehen könnte. Also wenn ich rausgehe,bellt sie nicht mehr,weil sie ja abgelenkt ist durch den Futterball usw.Ich stell auch das Radio an,bevor ich gehe,das sie noch was Musik hat. Wenn ich wiederkomme,dann hat sie den Kauknochen gefressen und der Futterball ist leer. Und ich räume wieder alles rein. So geht das von Montag-Freitag. Nur seid gestern habe ich gesehen,das sie die Holzstühle anknabbert. Ich dachte sie hätte es gelernt nicht an die Sachen zu gehen,wir haben sie jetzt über ein halbes Jahr. Das ist nicht schön,sie muss doch auch mal lernen allein zu bleiben. Mit freundlichen Grüssen: Frau Krug

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