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Ratgeber Wie gewöhne ich meinem Hund Betteln und Stehlen ab?

Katharina von der Leyen 15.04.2010

Für Hunde ist Essen Macht. Wer die Führungsposition in der Hund-Mensch-Beziehung innehaben will, sollte deshalb darauf achten, dass der Liebling weder bettelt noch stiehlt. Wie das gehen kann? Katharina von der Leyen erklärt es.

Fast jeder Hund interessiert sich prinzipiell für das Honigbrot oder die Bratwurst in Ihrer Hand – und wenn er mehr als zwei Mal Erfolg hatte mit seinem steinerweichenden Blick, warum sollte er es dann nicht immer wieder versuchen? Das Gleiche gilt für Hunde, die in der Küche ständig um die Füße ihres Menschen herumlungern. Überlegen Sie mal, wie oft Ihnen zufällig oder absichtlich etwas heruntergefallen ist, wie oft Sie außerhalb der Futterzeit Ihren Hund mit abgesägten Käserinden oder Wurstzipfeln erfreut haben.

Abgewöhnung Betteln und Stehlen
Hunde, die betteln und stehlen, brauchen vor allem ein konsequentes Training © stocksy/ Sara Remington

Er will das Futter, Sie wollen die Macht

Ein Hund, der niemals etwas außerhalb seines Futternapfes zu fressen bekommt, wird das Betteln bald einstellen: Es führt ja zu nichts. Auch ein Hund, der jedes Mal ein „Nein!“ um die Ohren gedonnert bekommt – das Äquivalent für ein ernst gemeintes Knurren -, lässt das Betteln bald sein.

Tatsächlich ist für Hunde Essbares keine Kleinigkeit. Essen ist Macht. Selbst Welpen, die sich noch kaum auf den Beinen halten können, üben untereinander die Sache mit der Machtposition, indem sie sich mit mörderischem Geknurre (soweit man das als Welpe hinbekommt) über irgendetwas Essbarem aufbauen und versuchen, auf diese Weise den Geschwistern Überlegenheit zu demonstrieren.

Wenn Essen Prestige bedeutet, bekommt es auch einen anderen Stellenwert, wenn Sie sein Betteln erfüllen: Sie ordnen sich Ihrem Hund unter. Er fordert, Sie geben nach. Wer hier die Führungsposition innehat, ist klar: Sie nicht.

Gelegenheit macht Diebe

Hunde, die betteln, stehlen auch häufig. Das ist übrigens ein natürliches Verhalten: In der Wildnis jagen Hunde, Kojoten und Wölfe ihr Futter, stehlen aber auch alles, was unbewacht herumliegt: Gelegenheit macht schließlich Diebe. Um Ihrem Hund das Stehlen abzugewöhnen, fangen Sie am besten mit dem Welpen an, aber auch bei erwachsenen Hunden wirken diese Übungen noch – das Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ gilt nur für Menschen.

Stibitzen verboten!

Spielen Sie mit ihm im Garten oder im Park, lassen Sie Hundekuchen herumliegen, und sobald Ihr Hund auch nur daran denkt, die Kekse zu fressen, werfen Sie ihm ein tiefes „Nein!“ an den Kopf. Er darf nichts fressen, was er einfach so findet. Wenn Ihr Hund versucht, schneller zu sein als Sie, nehmen Sie ihn an die Leine, gehen Sie direkt auf den Keks zu oder am Keks vorbei – sobald Ihr Hund den Hals lang macht, sagen Sie streng: „Nein!“, und gehen sofort und schnell in die andere Richtung. Um dann wieder zu dem Keks oder einem anderen wohlplatzierten Hundekuchen zu gehen – von vorn, bis es klappt und Ihr Hund den Keks nicht mehr ansieht.

Mit sturer Konsequenz zum Ziel

Üben Sie am niedrigen Wohnzimmertisch, auf den Sie einen Teller mit Käse oder Würstchen stellen. Sobald Ihr Hund die Würstchen auch nur ansieht, bekommt er ein furchtbares „Nein!“ hinterhergeworfen: Warten Sie nicht, bis er sich dem Teller bereits genähert oder gar schon einmal darübergeleckt hat. Timing ist alles. Bei den meisten Hunden reicht ein strenges „Nein“ aus. Lassen Sie ihn in der Nähe des Tisches „Platz“ machen und loben Sie ihn, wenn er sich trotz Würstchen in seiner Nähe entspannt. Üben Sie einige Tage hintereinander, bis Ihr Hund verstanden hat, dass das „Nein!“ immer gilt: Es ist Ihr Würstchen, nicht seines, Ihr Käsekuchen, Ihr Weihnachtsbraten, Ihr Marzipanbrot.

Verbote gelten auch bei Ihrer Abwesenheit

Sobald er begreift, dass Essen auf dem Tisch ihn nichts angeht, müssen Sie kreativer werden: Verlassen Sie den Raum, aber schleichen Sie sich zurück, sodass Sie Ihren Hund durch den Türspalt sehen können. Sobald er den Teller ansieht: „Nein!“ Sollte er gar aufstehen, um sich die Sache genauer anzusehen, bespritzen Sie ihn entweder mit einer gut zielenden Wasserpistole (wenn Sie allerdings Pudel oder Retriever haben, nützt das nichts: Die empfinden Wasser nicht als Strafe) oder werfen Sie ihm ohne Ankündigung scheppernde Trainingsdisks neben die Pfoten. Er soll sich erschrecken. Es muss schließlich möglich sein, aufs Klo zu gehen, ohne dass Sie bei Ihrer Rückkehr Ihren Herzenshund mit allen vieren in der Schwarzwälder Kirschtorte vorfinden.

Riechen Sie jeden Braten früher als Ihr Hund

Ein stehlender Hund darf keine Gelegenheit bekommen, sich selbst zu belohnen: Lassen Sie ihn nicht allein in der Küche mit Essen in der Pfanne, auf der Anrichte, auf dem Tisch oder Katzenfutter auf dem Boden. Räumen Sie Lebensmittel irgendwohin, wo Ihr Hund nicht drankommt. Behalten Sie Ihren Hund im Auge, damit Sie ihn rechtzeitig – vor dem Stehlen – korrigieren können. Schaffen Sie sich ein Babygitter an, wenn es nicht anders geht, üben Sie ein zuverlässiges „Platz! – Bleib!“, bis es Ihnen zu den Ohren herauskommt: Ein Hund, der abliegt, wenn Sie den Raum verlassen, kann nicht stehlen.

Und überhaupt ist das „Platz!“ und „Bleib!“ das wunderbarste Kommando von allen, um Ihrem Hund Selbstdisziplin beizubringen und die Tatsache, dass in Ihrem Haushalt nun mal Ihre Regeln gelten.

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