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Rudelverhalten Rivalität unter Hunden

Katharina von der Leyen 14.04.2010

Wer mit mehreren Hunden zusammenlebt, hat wahrscheinlich schon erlebt, dass es unter den Vierbeinern zu einer Art „Eifersucht“ kommen kann. Katharina von der Leyen erklärt, wie man mit Thronkämpfen in Hunderudeln umgeht.

Hunde, die in einem Rudel leben, streiten sich um Knochen, Futternäpfe, Schlafplätze oder Ihre Aufmerksamkeit. Besonders dominante Rassen wie beispielsweise Dobermänner, Lhasa-Apsos oder Weimaraner zeigen häufig mehr Rivalität. Auch Geschwister aus dem gleichen Wurf können in einem Haushalt extrem problematisch werden.

Rivalität unter Hunden
Rivalität im Rudel: Wenn sich der Mensch in die Rangordnung der Hunde einmischt, können Thronkämpfe die Folge sein © Jen Grantham /Stocksy

Rivalität unter Hunden tritt normalerweise deshalb auf, weil der Mensch sich unklar verhält und das Verhältnis der Hunde untereinander stört. Unter ihnen gibt es nämlich weder Demokratie noch Gleichberechtigung. Dafür gibt es immer einen Anführer- und einen untergeordneten Hund. Der Mensch muss die Rangordnung seiner Hunde anerkennen – auch wenn ihm das vielleicht nicht passt.

Wichtig ist auch, dass wir verstehen: Es gibt unter Hunden keine Eifersucht im menschlichen Sinne, genauso wenig, wie es bei Hunden verletzte Gefühle gibt. Menschliche Eifersucht ist eine sehr komplexe Gefühlsregung, zu der eine Menge Grübelei und widersprüchliche Gedanken gehören. Hunde haben diese Fähigkeiten nicht. Bei dem, was wir bei Hunden als Eifersucht bezeichnen, geht es in Wirklichkeit um Konkurrenz oder das Klarmachen der Rangordnung. Wenn Sie das verinnerlicht haben, ist das größte Problem bereits gelöst.

Wie Hunde ticken

Sagen wir, Sie haben zwei Hunde, Fido und Sam, wobei Sam der dominantere ist. Sie streicheln gerade Fido, als Sam dazukommt, mit aufgestellten Ohren und wedelndem Schwanz – und offenbar auch gestreichelt werden möchte. Das wäre Konkurrenz. Sie haben zwei Hände, also können Sie beide gleichzeitig streicheln. Das Klarmachen der Rangordnung sieht anders aus: Sie streicheln gerade Fido, da kommt Sam anspaziert und sieht gar nicht entspannt aus: Brust raus, Ohren aufgestellt, und die Rute bewegt sich, wenn überhaupt, nur sehr langsam. Er versucht, sich zwischen Sie und Fido zu drängen. Damit will er sagen, dass es ihm nicht passt, dass Fido so nahe bei Ihnen sitzt. Fido wird versuchen, sich möglichst schnell höflich zu entfernen. Lassen Sie ihn gehen. Denn er weiß, was er tut. Er ist deshalb nicht bedauernswert, Rudel funktionieren eben so.

Was Einmischen auslöst

Die meisten Menschen mischen sich an diesem Punkt aber ein und sagen: „Fido, Schätzchen, bleib‘ bei mir!“ und zu Sam sagen Sie: „Was fällt dir ein, Sam, ich habe Fido zuerst gestreichelt!“ Mit Ihrem Tonfall haben Sie gerade Fido gelobt und Sam geschimpft – und seine Position als dominanten Hund angegriffen. Der arme Fido wird für dieses Fehlverhalten später von Sam bestraft werden, und das weiß er auch schon. Sie bringen also durch dieses Verhalten beide Hunde in Konflikt, Sie haben den einen in seiner natürlichen Rolle geschwächt, den anderen dadurch aber nicht stärker gemacht, sondern in die Defensive gebracht.

Wenn Sam und Fido in Streit geraten, neigt der Mensch dazu, sich sofort Fido, dem „schwächeren“ Hund zuzuwenden. Also dem, der Beschwichtigungsverhalten zeigt. „Oje, Fido, hat Sam dir weh getan?“ sagt der Mensch in tröstendem, liebevollen Tonfall. „Was fällt dir ein, Sam?“ pfeift er den anderen Hund dagegen an. Schon wieder wird Sams Position als dominanter Hund schwer angegriffen. Beide Hunde glauben jetzt, der Mensch möchte, dass Fido die dominante Position übernimmt, und denken sich: „Verdammt, jetzt müssen wir uns schon wieder hauen!“, weil sie ja die Rangordnung so herstellen müssen, wie der Mensch sich in seiner Nähe wünscht. Dabei verstehen sich die beiden Hunde wahrscheinlich bestens, wenn keiner da ist.

Wenn Krawalle entstehen

Wenn diese Art der Auseinandersetzungs-Kämpfe erst angefangen hat, wird es gefährlich, weil das kleinste Missverständnis als Provokation bewertet wird: Die Türklingel schellt, beide Hunde rennen zur Tür – ein Kampf kann entstehen (wer ist der Erste?). Sie bellen im Garten gemeinsam irgendwas an – ein Kampf kann entstehen (wer bellt furchterregender?). Sie kommen ins Zimmer – ein Kampf kann entstehen (wen sieht der Mensch zuerst an?). Solche Reiz-Kämpfe haben nichts mehr mit Show-Kämpfen zu tun – die gewöhnlich nach drei Minuten vorbei sind und nur furchtbar klingen – und es gibt keine Rudel-Etikette mehr: Hier geht es jetzt wirklich darum, einander weh zu tun. In einem funktionierenden Rudel passiert derlei nicht: Auch unsere domestizierten Hunde, die wir gewöhnlich für unser besseres Selbst halten, sind Rudeltiere, die sich an strenge Rudel-Etikette halten: Innerhalb eines Rudels verletzt oder tötet man einander nicht, weil alle Rudelmitglieder fürs Überleben (die Jagd) gebraucht werden. Wenn jemand verletzt oder getötet wird, wird das Rudel dadurch geschwächt.

Hierarchien akzeptieren

Halter sollten die Rangordnung Ihrer Hunde akzeptieren. Sie können nicht entscheiden, welcher Hund der dominantere ist. Bleiben Sie objektiv, auch wenn das manchmal schwer ist: Sie haben vielleicht einen Hund lieber, oder er ist der Ältere, oder es passt Ihnen nicht, dass ihr Mops dominanter ist als Ihr Dobermann: Was auch immer die Umstände sind – es liegt nicht in Ihrer Hand, welcher Hund der Anführer ist. Achten Sie darauf, welcher Hund zuerst durch die Tür geht, wenn Sie nach draußen gehen, wer geht gewöhnlich ein, zwei Schritte voraus, wenn sie zusammen durch den Garten oder durch die Wohnung gehen? Wenn ein Hund vor dem anderen stehen bleibt, sieht einer der beiden ein bisschen zur Seite und guckt woanders hin (das ist meistens der untergeordnete Hund)?

Dominanz mit kleinen Gesten unterstreichen

Wenn Sie sich sicher sind, welcher Hund der Anführer ist, zeigen Sie, dass Sie seine Position anerkennen, ohne eine große Nummer daraus zu machen: Stellen Sie immer zuerst sein Futter auf den Boden, dann erst das des anderen Hundes. Geben Sie zuerst ihm den Gutenacht-Keks oder den Kauknochen. Begrüßen Sie den Anführerhund zuerst. Leinen Sie ihn als ersten an, wenn Sie nach draußen gehen. Wenn Sie Sam „bevorrechtigt“ behandeln, zeigen Sie, dass Sie seinen Rang akzeptieren, und er muss dem anderen nicht dauernd seine Position beweisen. Ganz selten gibt es Hunde, die echte Tyrannen sind oder wirklich schlechte gesellschaftliche Umgangsformen haben. Noch seltener gibt es Hunde, die sich jederzeit mit jedem anderen Hund ohne besonderen Grund prügeln. Solche Hunde sind meist ganz unproblematisch, wenn sie bei jemandem als Einzelhund leben dürfen.

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