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Hilfsmittel Training mit der Schleppleine

Katharina von der Leyen 27.10.2011

Weil Hundenasen äußerst gut funktionieren, kommt es vor, dass Vierbeiner vom Weg abkommen und den Düften der Natur folgen. Überzeugende Dienste leistet das Training mit der Schleppleine, schwören Experten.

Schleppleine: am langen Arm erziehen

Die Grundregeln des „Komm“ sollte der Hund bereits kennen – „Komm!“ rufen und wenn das Hündchen angewackelt kommt, folgt „Hurra! Eine Belohnung!“, bevor man in einer möglichst ruhigen Umgebung mit wenig Ablenkungen zu üben beginnt. Anfangs arbeitet man mit der Schleppleine in der Hand, verkürzt auf etwa vier Meter (unbedingt mit Handschuhen arbeiten!). Wenn Sie später mit der ganz langen Schleppleine arbeiten, sollten Sie diese nicht mehr in die Hand nehmen, weil man einen größeren Hund schlicht nicht halten kann.

Schleppleine: Vorsicht, Schürfwunden!

Mit welcher Wucht ein Hund in die Schleppleine rennt, lässt sich mathematisch verdeutlichen: Wenn ein 30 Kilo schwerer Hund beim Verfolgen von Wild mit 30 Stundenkilometern die Leine spannt, ergibt sich eine Zugkraft von 70,7 Kilopond. Diesen Ruck hält kein Mensch aus, ohne Brandwunden an den Fingern zu erleiden oder zu stürzen. Ist der Mensch selbst in Bewegung, kann das Doppelte erreicht werden.

Der Hund schnüffelt also herum und kümmert sich wenig um seinen Menschen, bis er plötzlich „Bello, hier lang!“ hört und der Mensch die Richtung wechselt. Wenn Bello gleich mitkommt, wird er im Weitergehen gelobt, bekommt vielleicht sogar einen Keks, und dann wird der Richtungswechsel gleich noch mal geübt. Sobald der Hund seinen Menschen ansieht – also zu seinem Menschen Kontakt aufnimmt -, wird er wieder gelobt. „Jedes Mal, wenn der Hund mich überholt, wechsle ich sofort die Richtung“, so Peggau. Nach ganz kurzer Zeit wird der Hund sehr viel besser darauf achten, wo sein Mensch eigentlich hinläuft. Dann kann man die Schleppleine weiter verlängern.

Kommt aber ein Moment, in dem der Hund nicht gleich reagiert, weil er beispielsweise zu konzentriert an einer Stelle schnüffelt oder wie festgewachsen stehenbleibt, weil er einen anderen Hund nahen sieht, wird ohne erhobene Stimme wieder gerufen, während gleichzeitig ein Leinenimpuls erfolgt. Dieser Impuls sollte sehr sanft sein! Es bedeutet eben nicht, dass man an der Schleppleine ruckt, zerrt oder reißt, sondern sie kurz aufnimmt und leicht „schüttelt“, so dass der Hund die Bewegung der Schleppleine spürt. Für ihn soll das Gefühl irritierend sein, damit er abgelenkt wird vom Objekt seines Interesses.

Wenn das ganz gut klappt, fangen wir an, den Richtungswechsel ohne Ankündigung zu üben: Wir gehen nach links, machen unvermutet kehrt, ändern erneut die Richtung und gehen nach rechts. Der Hund wird sich in der Folge schnell auf seinen Menschen konzentrieren. Täte er das nicht, würde er ständig hinterherhoppeln – das macht ihm keinen Spaß. Wichtig bei der Übung: Es ist niemals unangenehm, wenn der Hund sich seinem Menschen zuwendet. An dieser Stelle wird er immer gelobt. Bei konsequenter Durchführung dieser Übung suchen die meisten Vierbeiner mit der Zeit von ganz allein den Blickkontakt mit ihren Besitzern, sobald ihnen ein verlockender Außenreiz begegnet.

Während der gesamten Trainingsperiode, in der man mit der Schleppleine noch arbeitet, geht man auf wirklich jedem Spaziergang mit dem Hund an dieser Leine – richtigen Freilauf gibt es nicht, bis der Rückruf zuverlässig klappt. Und keine Sorge: Ihr Hund kann trotzdem spielen. Er wird sich mit der Zeit so an die Schleppleine gewöhnen, dass er sie kaum noch spürt. Nur wenn Sie feststellen, dass das Training mit der Schleppleine gefährlich nach Fesselungsmanövern aussieht, leinen Sie die Leine zum Spielen ab.

Hat man allerdings einen Hund, der aus der Erregung heraus unerwünschtes Verhalten zeigt, Jogger, Fahrradfahrer oder gar Wild jagt, ist es meist unmöglich, ihn durch ein „Nein!“ davon abzubringen. Mithilfe der Schleppleine kann man den Hund sehr wirkungsvoll daran erinnern, was man mit dem „Nein“ meinte: An dieser Stelle setzt die „anonyme Korrektur“ ein. Dem Hund wird erst per Ansprache („Nein!“, „Komm hierher!“) die Möglichkeit gegeben, sich an uns zu orientieren. Dann tritt man auf die Schleppleine, um den Hund zu stoppen.

„Das Verhalten wird somit von außen abgebrochen, aber der Hund verbindet die Korrektur mit der Schleppleine nicht unmittelbar mit seinem Menschen“, erklärt Frank Peggau. „Hunde sind Spezialisten im Lesen von Körpersprache, aber für gewöhnlich arbeiten wir beim Training nicht mit den Füßen. Der Hund läuft los, ich sage Hier!, der Hund kümmert sich nicht, ich stelle den Fuß auf die Leine, der Hund läuft in das Stopp und wundert sich. Sofort hocke ich mich hin, rufe noch einmal Hier!, lobe ihn, wenn er gleich kommt. Entschließt er sich dagegen, zupfe ich an der Schleppleine.“ Dabei wird nie gezogen, eher impulsartig geruckelt – es geht hier nämlich nicht um Strafe oder Körperkraft!

 

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