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Hundetraining Allein bleiben: So lernt es mein Hund

Astrid Nestler 03.02.2015

Ohne seinen Menschen allein zu bleiben ist für den Hund als Rudeltier ein bedrohlicher Zustand. Damit er lernt, die Situation stressfrei zu ertragen, hilft es, das Alleinbleiben häufig und schrittweise zu trainieren.

Warum geht es dennoch häufig schief?

Trainerin Petra Führmann vermutet, dass viele Hundehalter es einfach nicht aushalten, wenn der Hund so traurig guckt, wenn sie die Tür vor seiner Nase schließen. Die Folge: Da es sich so unangenehm für sie anfühlt, wird es nicht oft genug geübt, sodass der Hund nicht lernen kann, allein zu bleiben.

Vorhandene Trennungsangst therapieren

Wenn sich Trennungsangst etabliert hat, wird das Training langwieriger. Über sehr viele sehr kurze Wiederholungen soll der Hund lernen, ohne seinen Menschen auszukommen. „Sehr viel, weil sich das Langzeitgedächtnis für das Gefühl ‚Alleinsein ist kein Drama‘ bei einer hohen Wiederholungsrate am schnellsten herausbildet. Sehr kurz, weil man den Hund im Training nicht überfordern soll“, erklärt Dr. Schöning und warnt, bei jeder Trainingssequenz an die Grenze der Belastbarkeit zu gehen. Trennungstraining bedeute, deutlich unter dieser Grenze zu bleiben, damit stärkere Stresszustände gar nicht erst entstehen, so die Verhaltenstherapeutin. Unter Umständen reicht es daher schon, die Zimmertür zu schließen, um sie gleich wieder zu öffnen. Schafft der Hund es nach einigen Trainingseinheiten, eine halbe Minute entspannt allein in einem Zimmer zu bleiben, steigert man langsam die Dauer. „Erst wenn Sie von einem Zimmer in das andere laufen oder die Tür hinter sich für mindestens zehn Minuten schließen können und Ihr Hund entspannt zurückbleibt, sollten Sie an das Verlassen der Wohnung denken“, empfiehlt der Hundeexperte Martin Rütter. Auch dabei ist es sinnvoll, in kleinsten Schritten zu beginnen.

Bei bestehender Trennungsangst sollten außerdem Rituale, die als Reizauslöser dienen, unterbrochen werden. Klassischerweise sind solche Auslöser das Anziehen von Jacke oder Schuhen und das Aufnehmen des Schlüssels. Verhaltenstherapeuten empfehlen, über einige Wochen etliche Male am Tag den Schlüssel in die Hand zu nehmen und die Jacke anzuziehen, ohne daraufhin das Haus zu verlassen. Dadurch geriete der Hund jedes Mal in eine Erwartungshaltung, die aber nicht bestätigt und dadurch irgendwann neutralisiert würde. Wichtig sei, das Tier weder anzusprechen noch zu belohnen, um nicht eine erneute Erwartungshaltung zu erzeugen.

Allein bleiben: im Auto für den Hund oft unproblematisch

Warum klappt das Warten im Auto oft problemlos? Anscheinend macht der Mensch unterwegs mit dem Auto automatisch vieles richtig. Zum Beispiel kommt der Hund dann eher in die Box, schon allein der Sicherheit wegen. Der Mensch schließt ohne große Verabschiedung die Heckklappe und fährt los. Er kann auch während der Fahrt nicht ständig im Kofferraum nachgucken, wie es dem Hund geht, selbst wenn der mal winselt oder bellt. Hin und wieder hält der Fahrer an, steigt aus, zum Bäcker oder zur Post, ohne sich vorher ausgiebig vom Hund zu verabschieden oder ihn bei seiner Rückkehr groß zu begrüßen. Somit ist eine natürliche Alltäglichkeit gegeben, und die meisten Hunde lernen recht schnell, sich im Auto richtig zu verhalten.

Ganz anders in der Wohnung. „Die meisten Menschen lassen einen neuen Hund in den ersten Wochen nach der Übernahme zu Hause nicht gern allein“, weiß Barbara Schöning, Fachtierärztin für Verhaltenskunde. „Der Neuzugang soll sich ja einleben und seine Familie kennenlernen. Damit kann aber schon der Weg in ein Trennungsproblem geebnet werden.

Trennungsangst beim Hund vorbeugen

Was tun, damit Trennungsangst erst gar nicht entsteht? Gerade am Anfang sei es wichtig, dem Hund durch deutlich, aber liebevoll aufgestellte Spielregeln zu vermitteln, dass der Mensch nicht immer zur Verfügung steht, erklärt die Tierärztin weiter. „Er ist hin und wieder weg, ohne dass dies ein Drama bedeutet.“

Hundetrainer empfehlen, bereits mit dem Welpen das Alleinsein zu üben, und zwar so: Nach einer kurzen Eingewöhnungszeit von etwa einer Woche geht man ohne Verabschiedung, mitleidige Worte oder gar Trostleckerli mindestens dreimal täglich den Müll hinausbringen, den Briefkasten leeren oder die Wäsche aufhängen. Das macht man am besten, wenn der Kleine müde und satt ist und ohnehin kurz davor einzuschlafen. Der Welpe sollte das Kommen und Gehen der Bezugspersonen als Teil seines Alltags erleben. Das geht leicht, wenn er in den letzten Minuten vor Verlassen des Zimmers ohnehin nicht beachtet wurde. So wird ihm der Unterschied weniger auffallen.

Nach einigen Tagen werden bestimmte Rituale eingebaut: „Bevor Sie hinausgehen, ziehen Sie sich die Jacke an, wechseln die Schuhe oder klappern mit den Autoschlüsseln. So lernt der Hund, dass diese Signale nicht unbedingt bedeuten, dass er die Wohnung mit Ihnen verlassen darf“, empfiehlt Petra Führmann. Nimmt der Welpe dies gelassen hin, kann man dazu übergehen, ihn nicht auf jeden kleinen Gang nach draußen, zum Beispiel zum Bäcker, mitzunehmen. „Bei fleißigem Üben kann der Hund mit etwa einem halben Jahr bereits drei bis vier Stunden allein bleiben“, weiß die Trainerin aus Erfahrung. Mehr als vier bis fünf Stunden ohne eine Bezugsperson sollten jedoch auch einem erwachsenen Hund nicht zugemutet werden.

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