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Hundetraining Allein bleiben: So lernt es mein Hund

Astrid Nestler 03.02.2015

Ohne seinen Menschen allein zu bleiben ist für den Hund als Rudeltier ein bedrohlicher Zustand. Damit er lernt, die Situation stressfrei zu ertragen, hilft es, das Alleinbleiben häufig und schrittweise zu trainieren.

Trennungsangst, Kontrollverlust oder einfach nur Langeweile?

Nicht alle Hunde, die allein gelassen randalieren, haben tatsächlich Angst. Möglich ist auch, dass der Vierbeiner schlichtweg unterfordert ist und aus Langeweile „umdekoriert“. Der Hund war vielleicht nur zu lang sich selbst überlassen und hat sich Beschäftigung gesucht. Oft wird Trennungsangst verwechselt mit der Angst vor Kontrollverlust. Alleingelassen leidet mancher Hund darunter, eine Bezugsperson nicht auf Schritt und Tritt zu kontrollieren. Aber wie erkennt man den Unterschied zwischen einem Kontrollfreak und einem Hund mit echter Trennungsangst? Helfen kann ein genereller Blick auf die jeweilige Mensch-Hund-Beziehung. Laut Martin Rütter zeigen Hunde, die unter Kontrollverlust leiden, auch im täglichen Zusammenleben eher kontrollierendes Verhalten. Sie sind im Alltag oft diejenigen, die die Entscheidungen treffen, und begrenzen ihre Besitzer häufig räumlich durch Umkreisen, eine T-Stellung, Sich-in-den-Weg-Legen oder Vergleichbares.

Trainer Jan Nijboer sieht das ähnlich. „Bei Hunden, die im Haus ihre Menschen auf Schritt und Tritt verfolgen und nicht gern allein bleiben, draußen aber stets Besseres zu tun haben, als sich in der Nähe ihrer Bezugspersonen aufzuhalten, handelt es sich in den allermeisten Fällen absolut nicht um Hunde mit Trennungsängsten.“

Um sicherzugehen, empfiehlt Petra Führmann, den Hund mit einer Videokamera zu filmen, so sei meistens leicht festzustellen, ob er Angst hat oder empört ist. Einen guten Hinweis bietet außerdem das Begrüßungsverhalten des Hundes bei Rückkehr seines Menschen. Kontrollfreaks geben sich eher rüpelhaft. Sie rempeln und springen ungestüm am Menschen hoch. Sie erwecken den Eindruck, ihn für sein Entfernen maßregeln zu wollen. Dabei machen sie sich eher groß, um imposant zu wirken, und haben die Ohren nach vorn gerichtet. Ein Hund mit echter Trennungsangst verhält sich in so einer Situation eher demütig. Er zeigt Beschwichtigungssignale, legt die Ohren nach hinten und macht sich klein. Falls er am Menschen hochspringt, geschieht dies vielfach in der Absicht, beschwichtigend dessen Mund, Gesicht und Ohren zu lecken.

Helfen dem Hund Medikamente?

Psychopharmaka gibt es auch für Haustiere. Je nach Schwere und Symptomatik der Angst vor dem Alleinsein raten manche Tierärzte dazu, das Trennungstraining zum Beispiel mit einem D.A.P.-Zerstäuber für die Steckdose zu unterstützen. Das Kürzel steht für „dog appeasing pheromone“ und soll in Stresssituationen beruhigen. Die Psychopille „Selgian“ erhöht angeblich die Lern- und Konzentrationsfähigkeit unter Stress, auch „Clomicalm“ ist ein Antidepressivum für Ängstliche. „Auf keinen Fall können die Medikamente eine Verhaltenstherapie ersetzen, sie können aber den Einstieg in ein Trennungstraining erleichtern“, so Tierärztin Dr. Barbara Schöning. Desensibilisierung gegen Stressoren und ein Training, das die zu enge Mensch-Hund-Bindung lockert, sei der richtige Weg aus dem Dilemma.

Trennungsangst – eine Frage des Charakters?

Studien belegen inzwischen, dass pessimistische Hunde eher verzweifeln, wenn sie allein gelassen werden, als optimistische. Tatsächlich stellte man fest, dass es Hunde mit einer positiven und solche mit einer eher negativen Erwartungshaltung gibt. Somit wäre die Trennungsangst kein solitäres Problem, sondern eines von mehreren Symptomen, das auf einen unsicheren Charakter hinweist. Unsicherheiten sind gut zu therapieren, indem man dem Hund hilft, ein gesundes Selbstbewusstsein zu entwickeln. Hierzu kann ein Training beitragen, das möglichst oft Erfolgserlebnisse beschert. Kompetenz macht stark. Dazu gehört aber auch, dass der Hund nicht ständig in Watte gepackt wird, sondern auf sich gestellt Erfahrungen machen darf.

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