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Schluss mit Machtspielen Konsequente Hundeerziehung

Kate Kitchenham 28.06.2010

Viele wünschen sich eine Beziehung zu ihrem Hund, die ohne Zwänge funktioniert. Doch was tun, wenn Bello nicht so will wie wir? Hundetrainer Michael Grewe über Macht und Ohnmacht in der Hundeerziehung.

Kennen Sie diesen peinlichen Moment, wenn der Hund einen vorbeilaufenden Jogger fixiert, wir ihn rufen und er nicht kommt? Ruckartig bleiben Spaziergänger stehen, andere Läufer beobachten verunsichert die Szene, Mütter schütteln den Kopf. Hilflosigkeit, Scham, Wut mischen sich zum unguten Gefühl, weil wir von unserem eigenen Hund bloßgestellt wurden. „Ohnmacht ist ein gemeines Erlebnis“, weiß auch Michael Grewe, Inhaber von Canis, dem Zentrum für Kynologie. „Jeder Hundehalter macht mehrmals in seinem Leben diese ernüchternde Erfahrung: Auf der Bühne der Öffentlichkeit fühlen wir uns mitsamt unserer Vision einer innigen, treuen Beziehung vom eigenen Hund verraten.“

Schluss mit Machtspielen: konsequente Hundeerziehung
Konsequenz und Geradlinigkeit sind in der Hundeerziehung unerlässlich © Stocksy

Macht macht nicht einsam

Wie haben wir uns das schön vorgestellt: Wir wollen mit unserem vierbeinigen Freund durch dick und dünn marschieren, sein treuer Blick folgt uns, er kommt fröhlich gerannt, wenn wir rufen, und tröstet uns in einsamen Momenten. Wir haben viele Erwartungen, wenn wir uns einen Welpen ins Haus holen oder einen ausgewachsenen Hund aus einem traurigen Schicksal erlösen. Wir wollen der Kreatur unsere bedingungslose Liebe schenken und versuchen, ihm das Leben so angenehm wie möglich zu gestalten. „Hundebesitzer suchen deshalb häufig nach sanften, vor allem gewaltfreien Erziehungsmethoden, die Konflikte mit dem Hund verhindern sollen.“

Geradlinigkeit im Auftreten

Konfliktsituationen gibt es im Alltag aber zuhauf: Der Hund möchte Rehe jagen, wir sind dagegen. Er entdeckt eine neue Buddelecke im Garten, in der wir vorgestern Blumenzwiebeln gesetzt haben. Das Brötchen in der Hand des Kleinkindes schwebt vor ihm auf Nasenhöhe und er sieht nicht ein, warum er dieses Angebot ausschlagen sollte. „In diesen Situationen zeigt sich, inwieweit wir tatsächlich für den Hund eine ernst zu nehmende Persönlichkeit darstellen oder ob er nur aufgrund seines grundsätzlich freundlichen sozialen Wesens hin und wieder auf uns hört“, so Michael Grewe.

Gefährlich kann es für Bello und unsere Mitmenschen werden, wenn wir uns für unseren Hund jedes Mal in Luft auflösen, sobald etwas Aufregendes passiert. Das Problem, so Grewe: „Hunde sehen nicht nur niedlich aus und sind schön kuschelig, sondern haben auch viele eigene Interessen. Sie möchten quer über die Picknickwiese zum Grill rennen, der neuen Nachbarin die Nase unter den Rock schieben oder einem Kind das Eis aus den Mundwinkeln lecken.“ Dieses Erkundungsverhalten müssen wir steuern können: „Es geht besonders darum, dass unser Hund für diese Gesellschaft keine Belästigung oder Gefahr darstellt. Weil wir verantwortlich sind für die Auswirkung des Verhaltens unseres Tieres müssen wir uns mit Macht und Ohnmacht gezwungenermaßen auseinandersetzen. Auch wenn uns die Begrifflichkeiten vielleicht nicht gefallen.“ Denn mit Wörtern wie Macht, Gehorsam oder Autorität haben viele Menschen ein Problem. „Ich nutze sie bewusst“, sagt Grewe. „Gemeint ist nicht die Form von Macht oder Autorität, die Unterdrückung verherrlicht. Gemeint ist eine Autorität, die sich aus einer besonderen Geradlinigkeit unseres Auftretens gegenüber dem Hund ergibt, indem wir klare Grenzen setzen, zum anderen aber auch unseren Hund fördern und ihm Freiräume schaffen.“

Michael Grewes Meinung zur Machtfrage ist von dieser Position aus eindeutig: „Sind wir nicht in der Lage, solch eine souveräne Machtwirkung auf unseren Hund zu haben, entsteht zwangsläufig Ohnmacht in der Beziehung zum Hund.“ Die Gretchenfrage aller Hundehalter lautet deshalb: Wie können wir für unseren Hund zu dieser verlässlichen Autorität werden, deren Regeln und Gesetze befolgt werden, ohne dass wir um seine Liebe fürchten müssen?  Für Michael Grewe stehen Autorität und Liebe nicht im Widerspruch: „Wer immer nur lieb ist, läuft Gefahr, vom Hund nicht ernst genommen zu werden. Das Problem ist aber meistens: Viele Halter scheuen sich davor, ihren Hund situativ zu dominieren.“

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