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Tipps fürs Training Wie gewöhne ich meinen Hund an die Hundeleine?

Katharina von der Leyen 14.04.2010

Wie leine ich meinen Hund nach dem Freilauf an, ohne dass er mich oder die Leine als Spielverderber einstuft und beim nächsten Mal nur zögerlich reagiert? Katharina von der Leyen gibt wertvolle Tipps für ein entspanntes Anleinen.

Die Leine scheint Menschen und Hunden wenig Spaß zu machen. Das sehen wir an den Hunden, die nach dem Rufen ganz fröhlich angelaufen kommen, wenn sie gerufen werden, aber dann, wenige Meter vor ihrem Herrn, stehen bleiben und mit Zweifel im Blick partout nicht näher kommen wollen. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die sich meistens mischen.

Gewöhnung an die Hundeleine
Viele Hundebesitzer wissen nicht, dass es in den meisten Großstädten gesetzlich verboten ist, Hunde ohne Leine laufen zu lassen © plainpicture/Goto-Foto/Nick Gurney

Schluss mit lustig

Der einfachste Grund: Der Hund hat gelernt, dass der Spaß vorbei ist, wenn er zu seinem Herrn kommt, dass das Spiel unterbrochen wird, man nach Hause gehen muss oder bestraft wird.

Der Mensch selbst empfindet die Leine als Freiheitsberaubung. Schließlich haben wir immer davon geträumt, mit unserem Hund zu spazieren, einvernehmlich, Seite an Seite. Nie kam in diesem Traum eine Leine vor.

Die Wirklichkeit sieht ganz anders aus: In den meisten Großstädten ist es per Gesetz verboten, die Hunde ohne Leine laufen zu lassen, sowieso ist der Straßenverkehr oft so stark, dass man selbst als erwachsener Mensch mit einer gewissen Übersicht kaum schadlos durchkommt, geschweige denn als Hund, der gern mal seinem Instinkt oder einem unvorhergesehenen Reiz folgt.

Der verlängerte Arm

Tatsächlich muss der Mensch erst einmal lernen, die Leine als verlängerten Arm zu betrachten, als Wegweiser sozusagen, als freundliche Begrenzung, weil der Hund die Situation nicht so gut einschätzen kann wie wir. Der Hund wird nicht in seiner Persönlichkeitsentfaltung beschränkt, nur weil er an der Leine geführt wird. Stattdessen wird er beschützt, so wie man ein Kind an der Hand führt, wenn es unübersichtlich wird. Setzen wir die Leine aber nur dann ein, wenn eine ungewisse Situation folgt, wird es dem Hund schwerfallen, die Leine als etwas Normales oder Positives zu begreifen.

Die Ursprungsfunktion Schutz

Ein Rückblick: Junge Hunde leinen wir an, wenn wir die sichere Wohnung oder den Garten verlassen, um uns in unsicheres Gelände zu wagen – auf den ersten Spaziergängen, die für einen neuen oder jungen Hund zwar spannend, aber auch voller Stressmomente sind. Wir leinen an, wenn wir von weitem einen fremden Hund sehen, der uns nicht geheuer vorkommt. Wir leinen an, wenn eine Gruppe schnatternder Schulkinder auf uns zukommt. Der Hund hat verstanden Leine heißt, jetzt wird es stressig.

Später, wenn das mit dem Gehorsam einigermaßen klappt, leinen die meisten von uns ihren Hund an, um ihn bei irgendetwas zu unterbrechen: Wenn er mit einem anderen Hund spielt und nicht kommen will, obwohl wir weitergehen wollen, weil er etwas fressen will, was er nicht soll, oder weil er zum Beispiel vor einem Geschäft warten soll. Der Trick ist jetzt, die Leine einerseits öfter, andererseits seltener anzuwenden.

Das Prinzip Frust

Das nächste Problem ist hausgemacht: Fifi wird in dem Augenblick von der Leine gelassen, in dem er die Hundewiese betritt, und von da an sich selbst überlassen. Der Hund tobt am Strand oder mit anderen Hunden, amüsiert sich mit Grillabfällen und lernt, dass diese lustigen Sachen nichts mit uns zu tun haben. Im Gegenteil: Es ist immer der Mensch, der sich als Spielverderber betätigt, wenn er den Hund ruft. Wenn der Hund gehorcht, wird er prompt angeleint und muss weiter.

Aus der Sicht des Hundes macht es also wenig Sinn, gehorsam zu sein – stattdessen verlängert er mit seinem Getrödel die leinenfreie Spielzeit. Wenn er nicht kommt, ruft ihn sein Herr mit wachsender Frustration, und wenn Fifi endlich herangeeiert kommt, wird er nicht nur angeleint, sondern auch noch angeschnauzt, also mehr „bestraft“. Rufen wir ihn das nächste Mal, wird es noch länger dauern, bis er kommt, denn der Spaß ist nicht nur vorbei, wenn er gehorcht, er wird oft auch zurechtgewiesen. Der Mensch hat seinem Hund also beigebracht: Bloß nicht kommen, wenn er ruft!

Die neue Verführung

Zeigen Sie Ihrem Hund wieder, dass die Leine nicht das Ende aller Vergnügungen bedeutet. Leinen Sie ihn an, wenn Sie vor dem Fernseher mit ihm schmusen, leinen Sie ihn an, um etwas zu spielen, bei dem er sich nicht verletzen kann, wenn er dabei angeleint ist. Leinen Sie ihn kurz an, wenn Sie in den Garten gehen. Leinen Sie ihn an, um ihn anschließend zu füttern, sagen Sie „Komm!“, während Sie mit ihm zum Futterplatz gehen und geben Sie ihm sein Futter, während die Leine am Halsband bleibt.

Werden Sie Teil seines Vergnügungsbedürfnisses, damit Ihr Hund merkt, dass es meistens noch lustiger wird, wenn er kommt, sobald Sie ihn rufen. Gehen Sie in einen Teil des Parks, in dem möglichst wenig andere Hunde und Ablenkungen auf Ihren Freund warten. Nehmen Sie ihn an eine 2,50 oder 3 Meter lange Leine, lassen Sie die Leine lang, wechseln Sie die Richtung, sagen Sie „Komm!“ und holen einen sensationellen neuen Ball oder ein anderes Spielzeug aus der Tasche.

Lassen Sie nicht zu, dass Ihr Hund Sie ignoriert: Wenn er sich nicht um Sie kümmert, nehmen Sie die Leine, sagen Sie vergnügt „Komm!“ und gehen Sie in die andere Richtung, um dort möglichst gleich etwas anderes zu machen, ihn zum Beispiel über einen Baumstamm balancieren zu lassen.

Geschmack durch Konsequenz

Es wird eine Weile dauern, bis Ihr Hund versteht, dass Sie viel interessanter sind als alles andere. Es werden viele, viele Wiederholungen nötig sein, bis Ihr Hund versteht, dass der Spaß kein Ende hat, wenn er kommt, wenn er gerufen oder gar angeleint wird. In fortgeschrittenem Stadium leinen Sie ihn verstärkt an und ab, immer noch möglichst ohne Ablenkungen. Leinen Sie ihn schnell an, wenn Sie mit ihm Ball spielen wollen und ihm erst einmal den Ball vor die Nase halten und sich interessant machen. Bevor das Spiel losgeht, leinen Sie ihn natürlich wieder ab.

Wenn Ihr Hund mit anderen Hunden spielt, lassen Sie ihn so lange spielen, bis Sie erste Ermüdungserscheinungen bemerken, rufen Sie ihn dann zu sich, loben Sie ihn und lassen Sie ihn wieder los zum Herumtoben, damit Ihr Hund nicht den Eindruck bekommt, das Spiel sei unweigerlich vorbei, wenn er zu Ihnen kommt. Und dann gehen Sie. Rufen Sie Ihren Hund, und wenn Sie sicher sind, dass er Sie gehört hat, gehen Sie los. Wenn er dann zu Ihnen kommt, loben Sie ihn gehörig, und leinen Sie ihn nach weiteren fünf Metern Spazierweg an. Voilà! Ihr Hund hat das (schon langweilig werdende) Spiel selbst unterbrochen, um zu kommen. Und Sie waren nicht der Spielverderber. Gratulation!

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