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Tipps vom Experten Wie kann ich meinen Hund motivieren?

Katharina von der Leyen 15.04.2010

Es gibt Hunde, für die ist das Lassie-Prinzip absolut kein Lebensmotto: Sie wollen es ihrem Herrn durchaus nicht immer recht machen. Wie lassen sie sich motivieren? Katharina von der Leyen gibt wertvolle Tipps.

Dabei ist es nicht so, dass sie ihren Herrn nicht schätzen, sie haben nur ihre eigenen Pläne. Ein Rückblick: Rassen wie Hüte- oder Schäferhunde haben immer sehr eng mit Menschen zusammengearbeitet und sind in ihrem Tun und Handeln praktisch abhängig von menschlicher Führung. Andere Rassen dagegen wurden jahrhundertelang auf Unabhängigkeit und Eigenverantwortung gezüchtet: Dackel, Terrier oder Windhunde sollten ihre Aufgaben allein lösen, weil sie während der Jagd häufig von ihrem Menschen getrennt wurden und sich auf ihr eigenes Urteil verlassen mussten.

Wie kann ich meinen Hund motivieren
Wie stark sich ein Hund am Menschen orientiert, hängt auch von seiner Rasseherkunft ab © Cara Slifka Photo /Stocksy

Sie sind phantastische Arbeitshunde, aber das tägliche Zivilleben gestaltet sich mit ihnen oft anstrengend. Unser Urteil, unsere Vorstellungen oder Kommandos sind noch lange kein Gesetz für sie. Unabhängige Hunde ordnen sich nicht unbedingt in die Regeln und Strukturen der sozialen Rangordnung ein, die wir vorgegeben haben. Für die meisten ist das Leben mit einem Beamten nun mal leichter als mit einem Künstler. Ein Schäferhund ohne unsere Führung verzweifelt, ein Jack Russell ohne unsere Führung hat mehr Termine als der Außenminister.

Hauptsache unabhängig

Das Problem mit dem unabhängigen Hund ist nicht, ihn dazu zu bringen, die Kommandos zu verstehen, sondern sich für die Kommandos zu interessieren. Die meisten Hunde, die schwer zu erziehen sind, verstehen genau, was wir von ihnen wollen, es ist nur eben momentan nicht das, was sie wollen. Um diese Hunde zu motivieren, muss etwas für sie dabei herausspringen. Der Hund muss das Gefühl haben, dass Erziehung ein sensationelles Spiel ist, bei dem er unglaublich viel Spaß haben oder etwas bekommen wird. Diese Hunde sind eine Herausforderung für jeden Besitzer, denn er muss sich wirklich etwas einfallen lassen. Unabhängige Hunde arbeiten nicht für Mindestlohn.

Dann gibt es noch Hunde mit extrem entspanntem Temperament wie Englische Bulldoggen, Chow-Chows oder Afghanen. Auch sie können schwer motivierbar sein, was das Leben mit ihnen beschaulich macht, weil es in gefälliger Geschwindigkeit stattfindet, für Action sind Menschen zuständig.

Um Hunde zu motivieren, die grundsätzlich wenig Lust haben, sich etwas sagen zu lassen, muss man sich etwas ausdenken. Machen Sie sich klar: Ihr Hund gehört zu der Sorte Angestellter, der gut für einen Chef mit attraktivem Bonusprogramm arbeitet. Unter angenehmen Arbeitsbedingungen wie kurze Trainingseinheiten, geeignete Ausrüstung und klare Zielsetzungen wird Ihr Hund zu einem zuverlässigen Begleiter werden. Ohne Bonus keine Chance.

Überzeugungshilfen

Bestechung. Unabhängige Hunde verlangen Gehaltsschecks in Form von Hurra, Spaß und großartigen Keksen. Wenn Ihr Hund schwer bestechlich ist, versuchen Sie es mit Wiener Würstchen und Käse, in winzige Stückchen geschnipselt. Er soll nicht gefüttert werden, sondern belohnt. Aber denken Sie daran: Erst arbeiten, dann den Keks.

Wow: Spielsachen! Kaufen Sie ein neues Spielzeug und machen Sie sich damit interessant. Bauen Sie seine Begehrlichkeit auf, ohne dem Hund das Spielzeug zu geben. Lassen Sie ihn eine Übung machen, etwa „Sitz! Bleib!“. Zur Belohnung darf er dann das Spiel … ansehen! Vielleicht darf er auch kurz damit spielen – aber erst in ein paar Tagen. Selbstverständlich bleibt das Spielzeug auch dann noch Ihres. Beachten Sie dabei, dass Sie Spaß verbreiten. Übereifer, Genörgel und Perfektionismus führt bei unabhängigen Hunden zum Abschalten.

Gutes Timing

Wenn Sie zu häufig mit Ihrem unabhängigen Hund üben, wird er sich langweilen. Er wird entweder aufhören mitzumachen oder sich eine interessante Variante ausdenken, die alles durcheinander bringt. Sobald Sie merken, dass Ihr Hund sich beim Trainieren langweilt, spielen Sie ein bisschen Ball mit ihm, damit er wieder den Ist-das-hier-aber-lustig-Gang einlegt.

Üüüüberraschung! Solange Ihr Hund eine neue Aufgabe erlernt, sollten Sie jeden Schritt, der in die neue Richtung führt, belohnen. Sobald er verstanden hat, was Sie von ihm wollen, Sie also „nur“ noch üben, belohnen Sie ihn nur jedes dritte oder vierte Mal. Er wird sich mehr anstrengen, um sich die Belohnungen zu verdienen. Sobald Ihr Hund die Aufgabe beherrscht, gibt es keine Belohnung mehr. Nach vier Jahren kann man erwarten, dass er „Sitz!“ ohne Keks macht.

Beachten Sie ihn beim Gassigehen. Beantworten Sie die Aufmerksamkeit, die Ihr Hund Ihnen gibt. Lassen Sie ihn wissen, dass es Sie erfreut, wenn er Sie beachtet. Gehen Sie schnell, sagen Sie seinen Namen, sobald er hochguckt, wechseln Sie ein bisschen die Richtung, machen Sie einen Schritt zur Seite, wenn er Ihnen folgt: Loben Sie ihn fröhlich oder geben ihm eine winzige Belohnung, ohne das Tempo zu unterbrechen.

Klare Ansagen

Seien Sie kurz und gerecht. Wenn man beobachtet, wie Hunde einander strafen, sind das nur kurze Momente lang, in denen sie einander scharf und deutlich zeigen, dass der andere gerade eine Grenze übertreten hat. Gleich im Anschluss sind sie wieder Freunde. Seien Sie nie nachtragend. Flüstern Sie. Machen Sie es anders als sonst: Werden Sie ganz leise, damit Ihr Hund Ihnen besser zuhört. Wenn Sie schreien oder laut sind, muss er das nämlich nicht. Machen Sie den Affen. Ein vergnügtes Gesicht, enthusiastische Bewegungen und eine heitere Stimme werden Ihren Hund aus seiner Lethargie holen. Ehrlich gesagt: Nur wenn Ihre Nachbarn das Gefühl haben, Sie seien völlig bescheuert, machen Sie bei Ihrer Hundeerziehung alles richtig.

Und wenn nichts hilft …

Eine Kombination aus großem Hurra, Belohnung und dem richtigen Arbeitstempo wird auch den unabhängigsten Hund davon überzeugen, dass es kein großes Opfer ist, mit Ihnen zu kooperieren. Um ihm bei der Einsicht entgegenzukommen, stellen Sie sich immer wieder folgende Fragen:

1. Wer ist hier der Boss?

Ein Hund, der den Kommandos seines Herrn nicht folgt, ist nicht doof. Er hat beschlossen, ihn zu ignorieren, weil er ihn nicht ernst nimmt. So hart es klingt: Unabhängige Hunde hören nicht auf Fußvolk. Übernehmen Sie also die Führungsposition und entlasten Sie Ihren Hund damit. In einer menschlichen Welt sind Sie nunmal der kompetentere Anführer.

2. Bin ich spannend für ihn?

Machen Sie Ihren Hund neugierig und bewegen Sie sich schnell und zügig. Wenn er beim Training mit Ihnen nichts verpassen will, muss er so auf Sie achten.

3. Hat er die Chance, mir zu entwischen?

Verwenden Sie eine dünne Vier-Meter-Trainingsleine, damit sie Ihren Hund im Griff behalten, falls er sich ablenken lässt oder keine Lust mehr hat.

4. Kann man diesen Streit nicht vermeiden?

Wenn zum Beispiel tägliches Bürsten zum Kraftakt wird, bringen Sie Ihren Hund mit seinem verfilzten Fell zum Hundefrisör. Anschließend können Sie ihn sanft und angenehm pflegen und Ihre Beziehung zu Ihrem Hund verbessern. Wenn Sie sich mit einem starken Willen auseinandersetzen müssen, sollten Sie sich nicht auch noch mit dem störrischen Hund über Kleinigkeiten streiten.

5. Sollte ich cool bleiben?

Achten Sie darauf, dass Sie vor lauter Glück Ihren Hund nicht kontinuierlich loben. Permanentes Lob sagt dem Hund nämlich nicht, was er eigentlich richtig gemacht hat.

6. Was mag mein Hund wirklich?

Manche Hunde interessieren sich nicht für Futterbelohnungen. Variieren Sie mit Leberwurst, Käse, Lachspaste oder Würstchen – es ist noch kein Hund geboren worden, der wirklich bei allem kalt blieb. Wenn Ihr Hund allerdings für sein Spielzeug seine Seele verkauft, machen Sie eben daraus seine Belohnung und räumen Sie es anschließend wieder weg.

7. Versteht er, was ich von ihm will?

Nur weil Ihr Hund eine Übung ein- oder zweimal richtig gemacht hat, bedeutet dies nicht, dass er sie wirklich beherrscht. Zögern Sie nicht, im Training auch noch einmal zurückzuspulen. Manchmal unterstellen wir unseren Hunden, dass sie etwas absichtlich nicht machen, dabei verstehen sie einfach nicht, was wir von ihnen erwarten. Also gehen Sie mit ihm ruhig zurück an den Anfang und belohnen Sie jeden kleinen Schritt in Richtung Erfolg.

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