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Welpenschule Das ideale Übungsumfeld

Kate Kitchenham 23.08.2010

Mit ein, zwei Kommandos ist es nicht getan: Damit die Erziehung erfolgreich ist, muss auch das Umfeld stimmen. Experte Michael Grewe erklärt, welche Tricks aus Halbstarken und Welpen alltagstaugliche Hunde machen.

Frischgebackene Hundehalter verbringen oft viel Zeit damit, über die beste Erziehungsmethode für ihren neuen Schützling nachzudenken. Viele vergessen dabei, dass außer dem Trainingsprogramm, das auf Hund und Halter individuell abgestimmt ist, auch das Übungsumfeld stimmen muss. Erziehung gelingt nicht überall. Michael Grewe, Leiter von Canis, dem Zentrum für Kynologie, rät: „Die ideale Umgebung sollte zum Lernstand des Hundes passen. Ein zehn Wochen alter Welpe hat Schwierigkeiten, sich auf der Hundewiese zu konzentrieren, für einen Ausgewachsenen kann genau das eine wichtige Trainingseinheit sein.“

Ideales Übungsumfeld
Das Übungsumfeld sollte zum Trainingsstand des Hundes passen. Potentielle Ablenkung ist anfangs möglichst gering zu halten. © Stocksy

Lernen in zwei Phasen

Um zu verstehen, wie und wann jedes Tier am besten begreift, ist es wichtig, die zwei Phasen des hündischen Lernens zu kennen. „Gute Hundetrainer unterscheiden das formale und das soziale Lernen“, erklärt Grewe. „Beim formalen Lernen geht es darum, dem Hund die Basiseinheiten jeder Hundeerziehung, also im Wesentlichen die Kommandos Sitz, Platz, Bleib, Kommen und Fuß beizubringen.“ Klappt das gut und schnell, sollten Hundehalter zur zweiten Phase des Lernens übergehen: „Beim sozialen Lernen werden die Erziehungseinheiten nämlich unter zunehmender und später großer Ablenkung für mehr Sicherheit im Alltag trainiert“. Aber was heißt das für die Halter und die Ausbildung mit ihrem Hund?

Die ideale Übungssituation für Welpen & wenig Trainierte

Reizlose Umgebung

„Jede neue Übung wird zunächst am besten in den eigenen vier Wänden trainiert, idealerweise genau dann, wenn die Kinder in der Schule sind und kein Nachbarshund kläfft.“ Die Ablenkung sollte anfangs möglichst gering gehalten werden, damit sich der Hund voll auf den Lernstoff konzentrieren kann. Wird im Freien mit dem Hund geübt, sollte das Tier besonders zu Beginn der Erziehung nur dann gerufen werden, wenn es sowieso schon auf dem Weg zu uns ist. „Bei Ablenkung sollte man in dieser allerersten Phase auf das Gehorchen komplett verzichten, um Misserfolge zu vermeiden“, rät Grewe.

Kurze & knackige Anweisung geben

Alles Neue sollte nur kurz geübt werden, nach einer erfolgreichen Darbietung muss der Hund sofort gelobt werden, „und zwar bei Welpen hauptsächlich über körperliche Signale, das stärkt nebenbei die Bindung. Welpen mit wenig Interesse an Übungseinheiten können in dieser ersten Phase auch über Futter motiviert werden.“ Ältere Hunde kann man für das Erlernen neuer Tricks anfangs zusätzlich zum körperlichen und stimmlichen Loben mit einem Leckerchen darin bestärken, dass sie etwas richtig gemacht haben – „das Futter als Belohnung sollte aber nach und nach wegfallen, damit der Hund auch zu reagieren lernt, wenn wir ohne Kekse unterwegs sind“, so Grewe.

Alles soll Spaß machen

Was bei Kindern klappt, funktioniert auch bei Welpen. Am erfolgreichsten lernen Jungspunde, wenn Spaß im Spiel ist. Deshalb sollten wir den Ernst der Angelegenheit vor dem Hund bestmöglich verheimlichen und ihn spielerisch erziehen. Zum Beispiel indem wir ihm mitten im Tobespiel ein Seil über den Kopf halten und dabei „Sitz“ sagen. Der erwartungsfrohe Hund wird sich bereitwillig hinsetzen, und wir können die Gelegenheit nutzen, um seine Konzentration kurz zu halten. Dies geschieht mit einem ruhig gesprochenen „Bleib“ in der Sitzposition. Kurz darauf wird der kleine Kerl mit den Worten „Hol’s dir!“ aus der Konzentration erlöst. Hunde lieben diese schnellen Wechsel von Anspannung und Bewegung, wir können diese Vorliebe wunderbar im Training nutzen und üben auf diese Weise gleich drei Kommandos auf einmal: „Sitz“, „Bleib“ und „Hol’s dir!“

Das Gehorchen üben

Frische Lerneinheiten werden am besten in den Alltag eingestreut und damit immer wiederholt, „beispielsweise indem sich der Hund immer vor dem An- oder Ableinen setzen und warten muss, bis Frauchen oder Herrchen ihn freigibt“, rät Trainingsexperte Grewe. So wird das Gelernte in das echte Leben mit hineingenommen: „Der Hund übt Sitz und Bleib und wird durch die ritualisierte Wiederholung den neuen Trick jedes Mal sicherer zeigen.“ Damit er sich dabei nicht langweilt, sollten wir unsere Ansprüche allmählich steigern: „Die Phasen des Liegen- oder Sitzenbleibens werden verlängert, die Strecke beim Fußgehen darf ausgedehnter werden, der Hund muss auch dann zu uns kommen, wenn der beste Kumpel um die Ecke kommt.“

Stimmt die Stimmung?

Das tägliche Übungspensum sollte immer dem Hund und der Verfassung von Frauchen oder Herrchen angepasst sein. „Hunde sind genau wie wir an manchen Tagen unkonzentriert. Oft sind aber auch unsere Ansprüche zu hoch – wir sollten also immer schauen, ob unsere ehrgeizigen Erwartungen vielleicht besser einen Schritt zurückgeschraubt werden sollten und wir den Fortschritt auf bessere Tage verschieben.“

Ein Hund sollte auch nicht mit vollem Magen oder prall gefüllter Blase in die Übungseinheit starten: „Geben Sie Ihrem Vierbeiner vor jeder Trainingseinheit immer ausreichend Gelegenheit sich zu lösen und beginnen Sie erst dann mit dem Training, wenn der Hund entspannt und aufnahmefähig ist“, rät der Hundetrainer Michael Grewe.

Das ideale Übungsumfeld sollte sich nach dem Trainingsstand des Hundes richten. Erfahrene Hundetrainer unterscheiden zwei Lernphasen:

Das formale Lernen
Sitz, Platz, Bleib, Fuß, Komm, beim formalen Lernen wird das Einmaleins der Hundeerziehung trainiert. „Hier ist es sehr wichtig, die Reize zu Beginn jeder neuen Übungseinheit so gering wie möglich zu halten“, rät Trainer Michael Grewe. „Wenn der Hund auf dem Trainingsplatz verstanden hat, worauf es uns ankommt, dass er zum Beispiel sitzen bleiben und warten soll, bis wir ihn heranrufen, kann die Übung auf den Spaziergang verlagert werden.“

Wer sich ausschließlich dem formalen Lernen widmet, wird feststellen, dass der Hund zwar auf dem Platz prächtig funktioniert, trifft man dasselbe Team aber in der Öffentlichkeit, scheint der Hund alles vergessen zu haben. Das Problem: „Diese Hunde haben zwar formal verstanden, was die einzelnen Kommandos bedeuten. Aber nicht, dass diese immer und überall gelten, auch wenn gerade ein Kaninchen vor ihnen aus dem Gebüsch springt.“ Deshalb ist der Formalismus nur die erste Stufe in jeder guten Hundeerziehung.

Das soziale Lernen
Hat der Hund die wesentlichen Grundkommandos verstanden, folgt die entscheidende Regel jeder langfristig erfolgreichen Erziehung: „Die Ansagen von Frauchen und Herrchen gelten in absolut jeder Lebenslage.“ Das bedeutet: Erst wenn der Hund auch unter extremen Bedingungen zuverlässig gehorcht, ist das Training wirklich erfolgreich.

„Leider hören viele Halter mit dem formalen Trainingsabschnitt auf. Sie sind froh und glücklich, dass sie ihrem Hund das Grundbenehmen beibringen konnten. Doch der Hund muss gleich anschließend lernen, diese Übungen auch unter großer Ablenkung und Anspannung entsprechend zu zeigen.“ Dazu sollten Halter bewusst ein Umfeld wählen, das den Hund ablenkt. „Die Situation sollte immer schwieriger werden, je nach Alter und Trainingsstand des Hundes.“

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