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Welpenschule Kleine Hunde erziehen

Astrid Nestler 05.01.2012

Wer kleine Hunde erzieht, weiß, wie schwer das sein kann. Aus Angst, ihnen könne etwas zustoßen, werden sie einfach auf den Arm genommen. DOGS erklärt, worauf es bei der Erziehung kleiner Hunde ankommt.

Mal angenommen, die Welt stünde für einen Tag Kopf. Die Besitzer von Rottweilern, Schäferhunden, Malamutes, Doggen und Dobermännern sind dauerverzückt, rufen „Ei, wie putzig er ist!“ und „Oh, wie süß!“, wenn ihr Tier Frauchens Schoß bewacht. Sie finden, er sei „mutig, der große Kerl“, wenn er zähnefletschend in der Flexileine hängt. Halter von Yorkshireterriern, Papillons und Pinschern verlangen hingegen striktes Beifußlaufen oder schicken ihr Tier auf Entfernung ins Platz, wenn ihnen ein Radfahrer entgegenkommt. Und wehe, er knurrt!

Kleine Hunde erziehen
"Oh, wie süß!" Kleine Hunde werden schnell verniedlicht, haben aber die gleichen Bedürfnisse wie andere Hunde auch © Rachel McKenna

Vielleicht würde ein solcher Tausch helfen, ein Mittelmaß zu finden, die einen nicht zu sehr zu verzärteln und die anderen weniger zu kommandieren. Dass große Hunde meist bessere Manieren haben als kleine Hunde, ist verständlich und wesentlich angenehmer als umgekehrt. Klar ist auch, dass ein kleiner Hund keine Extrawürste braucht, stattdessen einen Halter, der sich nicht so leicht um den Finger wickeln lässt. Natürlich sehen wir bei einem Zwergdackel vieles gelassener als bei einem Riesenschnauzer. Bloß tut das den Hunden nicht immer gut. Sie lernen schnell, uns Zweibeiner zu manipulieren oder gar zu tyrannisieren.

Was bei großen Hunden Pflicht ist, nicht zu jagen, allezeit abrufbar und leinenführig zu sein, ist beim Kleinhund eher die Kür. Aber die Anstrengung in der Erziehung lohnt, vor allem für das Tier. Denn auch kleine Hunde laufen lieber frei als an der Flexileine. Doch der Hemmschuh ist der Mensch, der vor lauter Entzücken über die Niedlichkeit des Hundes die Disziplin vergisst.

„Meine Kollegin Iris Franzke und ich haben momentan zwei fast gleich alte Welpen“, erzählt Petra Führmann, Leiterin der Hundeschule Aschaffenburg und Mitautorin des Ratgebers „Kleine Hunde – Große Freude“. „Iris hat eine kleine Hündin aus meinem letzten Chihuahuawurf und ich habe einen Langhaarschäferhund. Wenn Bente, die Chihuahuahündin, im Welpenkurs ein simples Platz zeigt, sagen alle bewundernd Ah und Super. Bei meinem Schäferhund ruft das keineswegs die gleiche Begeisterung hervor. Bei ihm ist das ja normal. Dies zeigt sehr anschaulich, dass kleine Hunde einfach nicht ernst genommen werden. Schlimm wird es, wenn das auch bedeutet, dass sie nicht genügend Auslauf bekommen und nur herumgetragen werden“, so die Erziehungsexpertin.

Kleine Hunde sind keineswegs dümmer als große und Arbeitshunderassen wie Terrier, Dackel oder Pinscher sogar schwerer zu erziehen als reine Begleithunde. „Gerade die Schoßhunde bringen viel Lerneifer und eine große Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit, oft mehr als so mancher Labrador, Ridgeback oder Beagle“, weiß Petra Führmann. Doch selbst sie ist vor dem Charme der Minis nicht gefeit und gibt offen zu, ihre Zwerge gern zu verwöhnen.

Kleine Hunde nicht über einen Kamm scheren

Die Übergänge zwischen Verwöhnen und Rücksichtnahme sind fließend. „Natürlich gelten für alle Hunde die gleichen Lerngesetze, und damit ist auch die Art und Weise, wie man ihnen sinnvollerweise etwas beibringt, die gleiche“, erklärt Führmann. „Gerade bei den Kleinsthunden sind die Ansprüche der Halter aber andere. Meine Chihuahuas müssen keinesfalls in einer Pfütze Platz machen, von meinem Schäferhund erwarte ich das durchaus.“

Aber unabhängig davon, ob er in einer Pfütze liegen muss oder auf einem Kissen ruhen darf, wer seinem Mops, Malteser, Papillon, Toy- oder Zwergpudel eine Erziehung zuteil werden lassen will, hat es schwerer als der Besitzer eines größeren Tiers. Er muss nicht nur gegen die Versuchung ankämpfen, das niedliche Wesen ständig zu verzärteln, sondern muss außerdem viel Körpereinsatz zeigen. Kleinhundehalter müssen sich häufiger bücken, noch besser: in die Hocke gehen, um ihren Vierbeiner richtig zu bestätigen. „Mit den herkömmlichen Methoden ist es oft schwieriger, bei den Minis ein Platz zu trainieren, weil es etwas schwerer hervorzulocken ist“, sagt Petra Führmann. „Sie mit Futter ins Platz zu lotsen, klappt oft nicht, weil es den kleinen Hunden nicht so schnell unbequem wird, sich zu bücken“, erklärt sie und empfiehlt für die Ausbildung der Zwerge daher einen Klicker. „Durch das Klicken kann man punktgenau bestätigen, statt ständig vor ihnen auf die Knie zu sinken.“

Menschen, die kleine Hunde haben, tun sich erfahrungsgemäß schwerer, den Hund auch einmal selbstständig irgendetwas machen zu lassen, weil sie besorgter um ihr Tier sind. Zu Recht, denn „das größte Problem bei den Kleinen ist die Sozialisierung mit Artgenossen“, weiß die Hofer Trainerin Edith Blechschmidt aus eigener Erfahrung. Beim Spielen kann es leicht passieren, dass der Stöpsel als Beute betrachtet wird oder zumindest als bequemes Mobbingopfer. Zahlreiche Kleinhundebesitzer trauen sich daher nicht, ihren Zwerg mit anderen toben zu lassen, nicht einmal mit anderen Zwergen.

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