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12 goldene Regeln Auslauf für den Hund

15.04.2010

Leinenlos und vogelfrei durch die Natur: Der Traum vieler Hundehalter ist der Freilauf der eigenen Vierbeiner. Hundeexperte Martin Rütter nennt zwölf wertvolle Regeln, die jedem Hund einen sicheren Auslauf ermöglichen.

Endlose Spaziergänge durch unberührte Natur mit einem treuen Begleiter, der einem auf Schritt und Tritt folgt, leinenlos, vogelfrei, wie im Paradies – Hundehalter hegen diesen Traum, lange bevor sie sich einen Vierbeiner anschaffen. Das Problem: Hunde träumen anders, verwechseln Freilauf gern mit Weglauf. Hundeexperte Martin Rütter kennt das Dilemma, aber auch die Regeln, die jedem Hund einen sicheren Auslauf ermöglichen.

Für Reiter liegt das Glück der Erde auf dem Rücken der Pferde. Und für Hundehalter? Worin besteht unser Glück? Fragt man Herrchen und Frauchen, wird oft das Beobachten des besten Freundes beim Toben und Rennen genannt. Es bereitet offenbar Freude, Vierbeiner, die gerade hoch konzentriert ihre Schnupperspuren verfolgen, mit Blicken zu begleiten. Hunde, die anhalten, weiterlaufen, wieder innehalten oder mit einem kurzen Sprint zum nächsten Busch hechten. Warum? Vielleicht, weil unsere Hunde nur den Augenblick kennen, das Leben im Hier und Jetzt – und weil genau das uns Menschen oft so schwer fällt.

Auslauf für den Hund
Entspannter Freilauf: Der Traum vieler Hundehalter kann erfolgreich trainiert werden © plainpicture/Briljans/Stefan Berg

Kommt man aber auf die gleiche Situation mit einem angeleinten Hund zu sprechen, ist von Glück kaum noch die Rede. Offenbar vergeht vielen Hundeleuten der Spaß, wenn das eigene Tempo auf das des Hundes eingestellt werden muss oder wenn der Hund auf seinen Laufdrang verzichten muss, damit Mensch halbwegs vorankommt.
Warum ich Ihnen davon erzähle? Weil beide Situationen ganz offensichtlich unsere Assoziation mit der Hundeleine widerspiegeln. Kaum ein Hundehalter versteht die Leine als etwas Grundgutes, als eine Art verlängerten Arm, den man, wie bei einem kleinen Kind, zum Schutz vor den Gefahren des Lebens reicht. Das angelegte Halsband aus Nylon oder Leder ist wohl eher das notwendige Übel in Zeiten von Leinenzwang und Hundeverordnungen. Dabei hat die Leine durchaus Vorteile. Richtig eingesetzt, hilft sie beim Training zum sicheren Freilauf des eigenen Hundes. Wenn Sie darüber hinaus die folgenden Regeln beherzigen, die dieses Training erfordert, kommen Sie und vielleicht auch Ihr freiheitsliebender Hund dem Traum vom Glück ein ganzes Stück näher.

Regel 1: Regeln akzeptieren

Der Freilauf von Hunden ist nicht überall gestattet. Beherzigen Sie die Gesetze, Rücksicht auf Mitmenschen bleibt oberstes Gebot. Auch wenn es längst selbstverständlich ist: Benutzen Sie Kotbeutel, um seine Hinterlassenschaften aufzusammeln. Selbst wenn Ihr frei laufender Hund dafür unter einen Busch gekrochen ist: kriechen Sie hinterher! Anwohner werden es danken, wenn sie unbelästigt am Straßenrand entlang gehen können.

Regel 2: Gedanken entkrusten

Machen Sie Schluss mit dem Gram über die Leine. Natürlich ist es schön, wenn der Hund in einem gewissen Rahmen leinenlos durchs Leben laufen darf. Leider ist das jedoch nicht zu jeder Zeit und an jedem Ort möglich. Manche Hunde müssen (!) zudem – etwa aufgrund von unerwünschtem Jagdverhalten oder aggressivem Verhalten gegenüber Artgenossen oder Menschen – dauerhaft an der Leine geführt werden. Sind diese Hunde ein Leben lang zu bedauern?

Regel 3: Sich gut verkaufen

Oft läuft der Spaziergang folgendermaßen ab: Mensch fährt mit dem Hund zum Auslaufgebiet. Bis der Abstand zu gefährlichen Straßen groß genug ist, bleibt der Hund an der Leine. Dann aber macht es Klick und der Hund darf loslaufen. Nun beginnt der Spaß für den Hund, er kann herumrennen und viele spannende Dinge erleben. Vielleicht startet der Mensch sogar ein tolles Apportierspiel mit seinem Hund. Wenn es wieder Richtung Auto geht, ist alles vorbei, Herrchen oder Frauchen winkt mit der Leine und jeder Hund versteht diese Sprache: Leine heißt, Schluss mit lustig, ab nach Hause. Die Folge: Der Hund wird in Zukunft immer schlechter zum Menschen zurückkommen.

Rütters Freilauf-Training: Um diesen Negativkreislauf zu unterbinden, sollte der Hund genau das Gegenteil erfahren. Es hilft, bereits im Welpenalter die Leine positiv zu verstärken. Starten Sie dafür im Haus: Nehmen Sie die Leine demonstrativ in die Hand, rufen Sie Ihren Hund und leinen Sie ihn an. Es folgt ein tolles Tobe- oder Schmusespiel. Das gleiche verlagern Sie dann nach draußen. Spielen Sie mit Ihrem Hund auf Spaziergängen und auch dann, wenn er angeleint ist. Hierzu eignet sich eine lange Leine, die sogenannte Schleppleine, da sie dem Hund einen größeren Radius gibt, um zumindest in einem begrenzten Freiraum mal am Wegesrand zu schnüffeln und sich in seinem eigenem Tempo zu bewegen. Diese Leine ist zudem das ideale Hilfsmittel für Hunde, die dauerhaft an der Leine geführt werden müssen, da man mit ihr auch kleinere Apportier- und Suchübungen und Fährtentraining unternehmen kann.

Achtung: Ein an der Schleppleine geführter Hund muss ein Geschirr tragen, da sonst die Verletzungsgefahr zu groß wäre, wenn der Hund doch einmal völlig ungebremst in die Leine rennt. Stauchungen und Verletzungen an der Wirbelsäule sind dann schon fast vorprogrammiert. Um dieses Risiko zu verringern, sollten Sie zudem die Schleppleine immer aktiv führen, sie also immer an das Lauftempo und den Abstand Ihres Hundes anpassen. Ist der Hund nahe bei Ihnen, wickeln Sie das überschüssige Ende der Leine in Schlaufen auf, entfernt er sich wieder, lassen Sie genau so viel Leine ab, dass die nicht auf Spannung kommt, aber auch nicht locker über den Boden schleift. Übrigens: Weil eine rasant durch die Finger gleitende Leine leicht zu Verbrennungen der Hände führen kann, sollte man beim Führen an der Schleppleine immer Handschuhe tragen!

Regel 4: Halt geben

Stimmt die Beziehung zwischen Mensch und Hund, hat die Leine für den Hund aber noch eine ganz andere Bedeutung. Sie wird zur Verbindung mit demjenigen, dem man vertraut und an dem man sich orientiert, bietet dem Hund somit Schutz und Führung. Ist der Hund an der Leine, kann er sicher sein, dass ihm nichts passiert.

Rütters Freilauf-Training: Werden Sie aktiv, wenn ihr Hund von anderen Artgenossen bedrängt wird. Verscheuchen Sie Aufdringlinge zur Not, verbal (andere Menschen) oder mit Gesten (andere Hunde). Akzeptieren Sie, wenn Ihr Vierbeiner nicht von fremden Menschen gestreichelt werden möchte, solange er angeleint ist. Er ist in seiner Kommunikationsfähigkeit eingeschränkt, kann seine Körpersprache nicht so einsetzen wie ein frei laufendes Wesen. Zudem wird er in seiner Handlung begrenzt, kann nicht einfach ausweichen und der Situation aus dem Weg gehen. Und dann bleibt oft nichts anderes übrig als der schnappende Angriff nach vorn.
Sorgt der Mensch für seinen Hund, kann ihm die Leine Sicherheit in Situationen geben, die er frei laufend nicht bewältigt hätte. Beispiel: Traut sich Ihr Hund nicht über eine Brücke, kann es helfen, ihn anzuleinen. Dabei sollten Sie ihn niemals zwingen und an der Leine über das Hindernis ziehen. Das Gegenteil würde bewirkt werden, der Hund verlöre das Vertrauen zu Ihnen.

Regel 5: Signale setzen

Bevor der Hund frei laufen darf, ist es unabdingbar, dass er alle Grundsignale sicher beherrscht, damit Sie jederzeit Einfluss nehmen können. Unvorhersehbare Situationen, ein Jogger, Radfahrer, rennende Kinder oder aber ein Reh am Waldrand, dürfen den Hund nicht zum Hinterherlaufen mobilisieren. Er muss vielmehr von Ihnen jederzeit sicher zurückgerufen werden können.

Rütters Freilauf-Training: Üben Sie das Signal „Hier“ zunächst ohne Ablenkung durch äußere Reize im eigenen Garten oder in der Wohnung. Sprechen Sie Ihren Hund an und locken Sie ihn zu sich. Sobald er kurz vor Ihnen angekommen ist, geben Sie das Signal, auf das er später einmal kommen soll. Bei Ihnen angekommen, bekommt er eine Belohnung. Das Signal, zum Beispiel „Komm“, können Sie im Lauf des Trainings immer früher geben. Hat der Hund die Handlung mit dem Signal verknüpft, können Sie es Schritt für Schritt in reizstärkeren Situationen einsetzen, um Ihren Hund zu sich zu rufen. Ein weiteres für den Freilauf nützliches Signal ist ein „Stopp“ auf Entfernung. Beispiel: Muss der Hund auf dem Rückweg zum Menschen einen Weg überqueren, kann dies gefährlich werden, weil gerade ein Radfahrer den Weg entlangfährt. Trainieren Sie das Stopp zunächst nahe bei sich und steigern Sie dann Schritt für Schritt die Entfernung.

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