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Bewegung Das passende Fitnessprogramm für Ihren Hund

13.12.2011

Alt oder jung, faul oder fit – wie können unterschiedliche Hunde Sport treiben, ohne dass Knochen und Kondition an ihre Grenzen kommen? Tierarzt Dr. Volker Wienrich und Hundetrainer Michael Grewe über Fitness für Hunde.

Das passende Fitnessprogramm für Ihren Hund
© plainpicture/CI2

Fitness für Hunde: Welpen

In der ersten Zeit schlafen Hundebabys noch viel und haben kurze, intensive Wachphasen. „Das richtige Maß an Bewegung bestimmen die Welpen selbst“, rät Tierarzt Dr. Wienrich. „Wenn es genug ist, dann hören sie schlagartig auf zu spielen oder zu toben und schlafen.“

Hundetrainer Michael Grewe sieht das ähnlich: „Der Welpe zeigt uns durch seine geistigen und körperlichen Fähigkeiten, was er schon kann. Wichtig ist, dass wir uns nicht nur auf ein Spiel beschränken, ansonsten wird die Bewegung zu einseitig und wir fördern damit stereotype Verhaltensweisen.“

Wichtiger für den kleinen Kerl ist deshalb, auf Entdeckungstour zu gehen. „Je nach Alter können diese Ausflüge zwischen zehn und zwanzig Minuten dauern. Sie sind sehr wertvoll für die soziale Prägung“, so Dr. Wienrich.

Fitness für Hunde: Junghunde

Die Beine werden länger, der Übermut wächst auch: Junge Hunde lieben es, ihre körperlichen Möglichkeiten in wilden Manövern auszutesten. Hundehalter wollen aber noch die Gelenke der Tiere schonen. Was ist also in dieser Entwicklungsphase erlaubt, was verboten?

„Für Hunde mit genetischer Vorbelastung zu Ellenbogengelenksdysplasie kann zum Beispiel Springen aus großer Höhe und Ausrutschen auf glatten Böden mit Verletzungen am Ellenbogengelenk enden – Rabenschnabel- oder Gelenkfortsatz sind häufige Bruchstellen.“

Mit Spaziergängen allein wird man dem Bewegungsdrang von Junghunden aber nicht mehr gerecht. Doch überfordern Sie Ihren Hund nicht mit einer zu schnellen Gangart: „Die natürliche Bewegungsart des Hundes ist der Trab. Leichtes Traben ist daher für die Gesunderhaltung von Gelenken, Bändern, Sehnen und Muskeln am günstigsten.“ Doch wie können Hundehalter ihren Jungspund beim Spielen kontrollieren? „Beim Spiel mit anderen Hunden oder Menschen weicht der junge Hund aus und legt sich hin, wenn es genug ist“, beruhigt Wienrich.

Fitness für Hunde: Halbstarke

Für diese Altersgruppe ist ein schonender Einstieg in die Fitness wichtig, das bedeutet: „Man sollte das Trainingsprogramm langsam starten“, empfiehlt der Tierarzt. Aber was ist, wenn der Hund unkonzentriert wirkt und sich immer weniger für uns zu interessieren scheint? „Die Ursache sind die Hormone“, erklärt Michael Grewe. „Bei Pubertätsstress sollten wir unsere Linie beibehalten, auf dem Grundgehorsam bestehen. Wenn wir uns in diesen wilden Zeiten treu bleiben, können wir für den Hund der Orientierungspfosten sein, nach dem er sich vertrauensvoll richtet.“

Fitness für Hunde: hyperaktive Hunde

Sie kriegen nie genug: jagen den Ball, springen zum Frisbee, rennen mit anderen um die Wette. Aber wie viel Bewegung ist zu viel für einen erwachsenen Hund? „Es gibt für gesunde erwachsene Hunde kein Zuviel an Bewegung. Unnötige starke Sprungbelastungen sollten jedoch immer vermieden werden, da sie zu Unfallverletzungen an Sehnen, Bändern und Gelenken führen können“, so Dr. Wienrich.

Hundetrainer Michael Grewe warnt bei hyperaktiven Hunden vor zu viel Bewegungsanreizen: „Ich würde mich immer zuerst fragen, was der Grund für die Hyperaktivität des Hundes ist. Natürlich gibt es temperamentvolle Rassen. Bei diesen Charakteren rate ich dazu, Ruhe reinzubringen.“ Das Problem: Lässt man Hunde zum Beispiel monoton den Ball jagen, so führt das auch zur Veränderung im Hormonhaushalt. „Hier schüttet das Gehirn während des Jagens das Hormon Dopamin aus, das den Hund in einen rauschartigen Zustand versetzt. Mit der Zeit wird der Hund süchtig nach diesem Kick, er wird zum Balljunkie.“ Grewe empfiehlt deshalb abwechslungsreiche Spiele für hyperaktive Hunde, „mal einen langen Spaziergang, mal eine Radtour, mal den Hund einen Gegenstand suchen lassen – möglichst viele Sinne sollten angesprochen werden, statt sich nur auf ein Lieblingsspiel zu konzentrieren.“

Fitness für Hunde im Alltag

Fitness stärken: Spazieren gehen

Versteckspiele machen den Gassigang abwechslungsreicher. Der Hund wird abgelegt, Herrchen oder Frauchen verstecken sich und rufen von dort ab. Auch umgestürzte Bäume können zum Überspringen oder Balancieren genutzt werden, um Tannen kann man Slaloms laufen. Hunde können auch lernen, Gegenstände wiederzufinden – indem wir zum Beispiel unterwegs „aus Versehen“ einen Handschuh verlieren.

Fitness stärken: Joggen & Radfahren

„Trab ist die natürliche Gangart des Hundes und gelenkschonend“, so Tierarzt Wienrich. „Die Devise lautet: So wenig Asphalt wie möglich, der Hund sollte auf dem Seitenstreifen laufen.“ Für Bellos mit Kondition: „Aus dem Traben den Hund absetzen oder ablegen, dann darf er in einem Sprint wieder aufholen – das macht Spaß und trainiert Konzentration und Gehorsam.“ Aber auch hier gilt: „Immer schauen, ob der Hund noch konzentriert ist und nicht zu hektisch wird“, so Grewe.

Fitness stärken: Ball spielen

Damit ist nicht das monotone Werfen-und-bringen-Spiel gemeint, sondern Varianten, die für Abwechslung sorgen und die Aufmerksamkeit fördern: „Denkbar ist, dass der Hund erst auf Zuruf zum Ball laufen darf und vorher sitzen bleiben muss. Oder der Ball wird so geworfen, dass der Hund zwar die Richtung erahnen kann, aber nicht sieht, wo der Ball gelandet ist. Das trainiert seine Nase.“ Die Größe des Balls ist zu beachten: „Er sollte nicht zu klein sein, weil die Gefahr besteht, dass er im Rachen des Hunds stecken bleibt, was lebensbedrohlich werden kann“, warnt Tierarzt Wienrich.

Fitness stärken: Apportieren

Gefragt ist Koordination und Konzentration: Der Hund muss lernen zu warten, zu suchen, zu bringen und das Fundstück so lange zu halten, bis er es loslassen darf. „Eine hohe Kunst, die meist intensiv trainiert werden muss.“ Das macht vielen Spaß und bringt körperliche und geistige Fitness.

Fitness stärken: Schwimmen

Im Wasser können Hunde schonend Muskelmasse aufbauen und ihre Fitness stärken – „das ist besonders für Übergewichtige oder auch Gelenkpatienten geeignet“, so Dr. Wienrich. Manche Tierphysiotherapeuten haben Wasserlaufbänder in ihrer Praxis, für Freiluftschwimmer gibt es Wasserdummies, die apportiert werden können, oder Mensch und Hund ziehen gemeinsam Bahnen im See.

Fitness für Hunde: ruhige Hunde

Wer für Hunderassen wie Molosser oder Englische Bulldoggen schwärmt, könnte manchmal Schwierigkeiten haben, seinen Vierbeiner zu sportlichen Leistungen zu animieren. Aber ist etwas mehr Gelassenheit nicht auch bei Hunden eine erstrebenswerte Eigenschaft?

Hundetrainer Michael Grewe schätzt den in sich ruhenden Hund: „Der sieht manchmal nicht so sportlich aus, aber diese Typen arbeiten dafür oft konzentrierter und zuverlässiger, zum Beispiel beim Verfolgen einer gelegten Spur.“ Für Hunde mit gemütlichem Temperament empfiehlt er den „althergebrachten Spaziergang. Der wird heute verkannt, bietet aber viele Möglichkeiten, sich zu bewegen. Das kann eine hochgradige Kunst der Beschäftigung sein“.

Fitness für Hunde: mollige Hunde

Rund fünfzig Prozent aller Hunde in Mitteleuropa haben mittlerweile zu viele Pfunde auf den Rippen. Das Problem: „Übergewicht schadet den Gelenken, der Wirbelsäule, dem Herzen und dem ganzen Organismus“, so Wienrichs deutliches Urteil. Übergewichtige Hunde müssen schonend bewegt werden, denn jedes Kilo belastet durch die Hebelkräfte die Gelenke um ein Vielfaches zusätzlich. „Ideal ist regelmäßiges Schwimmen: Es wird Energie verbraucht, die Muskeln werden gekräftigt und die Gelenke geschont.“

Beide Experten empfehlen regelmäßige Bewegung: bei starkem Übergewicht meist im Schritt, Dauer und Tempo sollten sich langsam steigern. Unvermeidlich ist laut Wienrich die Diät. „Ziel ist die Reduktion der Energieaufnahme. Es funktioniert aber nicht, wenn man nur die Menge des gewohnten Futters reduziert. Der Hund hat dann ständig Hunger, und in weniger steckt nicht nur weniger Energie, sondern auch weniger Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente, alles Nährstoffe, die der übergewichtige Hund aber weiterhin in normaler Konzentration braucht.“ Deshalb sollte dem Fülligen parallel zu Bewegungsanreizen ein spezielles Diätfutter mit reduziertem Energiegehalt angeboten werden. „Die Gewichtsabnahme sollte bei 0,5 bis 2 Prozent pro Woche liegen, bezogen auf das zu Beginn der Diät festgestellte Gewicht“, so der Tierarzt.

Fitness für Hunde: Senioren

„Alter ist keine Krankheit“, findet Trainer Michael Grewe. Dennoch werden viele Hunde ab einem bestimmten Alter vor Herausforderungen oft verschont. „Dabei brauchen auch sie immer mal wieder neue Erlebnisse, Eindrücke und Erfahrungen.“

Aber ab wann ist ein Hund eigentlich alt? „Das ist hauptsächlich von seiner Größe abhängig“, erklärt Tierarzt Dr. Wienrich, „kleine Hunde mit etwa zwölf Jahren, mittelgroße Tiere mit rund acht Jahren, sehr große schon mit sechs bis sieben Jahren.“ Der Tierarzt rät zu täglicher Bewegung, „damit die Muskulatur erhalten bleibt. Gern auch im Trab oder in ruhigerem Tempo ausgedehnt und lange, je nach der körperlichen Verfassung des Hundes.“

Auch wichtig für alternde Hunde ist das Gehirnjogging für die geistige Fitness. „Körper und Geist müssen fit gehalten werden, umso länger haben wir etwas von unserem alten Freund“, meint der Hundetrainer Michael Grewe. Er empfiehlt deshalb, nicht monoton dieselben Wege zu laufen. „Wechselnder Untergrund regt beispielsweise die Sinne an. Es ist ein Unterschied, ob die Pfoten nur noch harten Asphalt zu spüren bekommen oder auch mal im Matsch versinken, durch Unterholz schleichen oder durch einen kalten Bach laufen können.“ Ansonsten gilt: „Alles kann wie bisher weitergemacht werden, nur etwas angepasst an die Lust und die Möglichkeiten.“

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