DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

TRAINING Risiko Agility

Jesko Wilke 30.06.2016

32 Prozent aller Hunde verletzen sich im Hürdenparcours. Sind die Hindernisse zu hoch? Treibt falscher Ehrgeiz die Besitzer? Neueste Forschungen geben Anlass zum Umdenken.

Das Problem
„Während beim ,nor­malen‘ Sprung ein großer Teil der Energie direkt nach dem Aufkommen der Vorderpfoten in die Vorwärtsbewegung umgewandelt wird, muss beim Hürdenkurvensprung die gesamte Kraft abgebremst und aufgefangen werden“, erläutert Katja Söhnel den Versuchsablauf, der das Kern­thema ihrer Masterarbeit darstellt. „Dabei treten bei Bruno enorme Belastungen an Gelenken, Sehnen, Bändern und Muskeln auf. Bisher liegen nur sehr wenige Studien zur Bio­mechanik dieser Sportart vor, und die ­Meinungen über die Vorteile und Gefahren von Agility gehen weit auseinander. Daher halten wir es für sinnvoll und nötig, die ­Belastungen genauer zu untersuchen.“

In den kommenden drei Jahren wird Söhnel ihre Forschung zu Agility-typischen Belastungssituationen im Rahmen ihrer Doktorarbeit fortführen. Als Doktorvater steht ihr Professor Martin Fischer zur Seite.

„Obwohl die gemessenen Kräfte ein Viel­faches des Körpergewichts ausmachen, werden die Kontaktflächen von Schulter­gelenks­pfanne und Oberarmkopf nicht voll­ständig zur Deckung gebracht“, ergänzt der Direktor des Instituts für Spezielle Zoologie und Evolutionsbiologie an der Universität Jena. „Das heißt, es findet keine erkennbare Überbelastung der Gelenke statt. Proble­ma­tischer sind die Kräfte für das Weichteil­ge­we­be, das den größten Teil der Energie aufnehmen muss. An Bändern, Sehnen und Muskeln treten häufig Verletzungen wie Deh­nungen, Stauchungen und Zerrungen auf.“

Um die Belastung im Hunde­körper zu erkennen, senden Kameras aktiv Infrarotlicht aus, das von am Hundekörper angebrachten Markern reflektiert und mithilfe einer speziellen Software interpretiert wird.

Fischer weiß: „Je höher die Hürde und je schwerer der Hund, desto stärker wird die Belastung. Hinzu kommt, dass größere Hunde in Relation zu kleineren Hunden über eine geringere Muskelkraft verfügen. Das Agility-Reglement sieht jedoch vor, dass größere Hunde über höhere Hürden springen. Eine Forderung, die an ihrem ­biologisch determinierten Leistungsver­mögen vorbeigeht und möglicherweise zu dem hohen Verletzungsrisiko beiträgt.“

Christa Bremer begrüßt das For­schungs­­projekt aus­drücklich. Durch die Präsen­­tation ist klar geworden, dass sich etwas ­ändern muss. „Wir werden die neuen ­Erkenntnisse in unseren Gremien disku­tieren und über­legen, wie wir die Belastung reduzieren kön­nen“, sagt die Vizepräsidentin des VDH. „Unsere vorrangige Aufgabe als Verband ­besteht schließlich darin, die Hunde gesund zu halten.“

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X