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TRAINING Risiko Agility

Jesko Wilke 30.06.2016

32 Prozent aller Hunde verletzen sich im Hürdenparcours. Sind die Hindernisse zu hoch? Treibt falscher Ehrgeiz die Besitzer? Neueste Forschungen geben Anlass zum Umdenken.

Kein leichtes Unterfangen
Die Hun­de­­sportart Agility wird in 37 Nationen auf der ganzen Welt aus­getragen. Will man die FCI-Wett­kampf­ordnung über­arbeiten, ist es mit einem nationalen Alleingang nicht getan. Nur die international zusam­men­gesetzte FCI-Agility-Kommis­sion kann hier Änderungen beschließen.

„Wir wollen weitere für Agility typische Belastungssituationen untersuchen sowie eine Vielzahl von Daten sammeln und auswerten“, sagt Fischer, der sich bei Heel Vet, einem Unternehmen für biologische Heilmittel, für die Unterstützung der Studie ­bedankt. „Auf diese Weise hoffen wir, zuverlässige Antworten auf wichtige Fra­gen zu erhalten.“ Zum Beispiel, ob sich die Höhe der Hindernisse weiter nach der Wider­risthöhe oder nach dem Gewicht der Hunde richten sollte. Oder ob der Winkel der A-Wände ­abgeflacht werden sollte.

Kraftmessplatten zeichnen die Kräfte auf, die beim Sprung über eine Agility-Hürde auf die Gelenke des Hundes einwirken.

Eine konkrete Empfehlung zeichnet sich aufgrund der vor­liegenden Ergebnisse bereits ab: „Laut Regelwerk müssen die Ab­stän­de zwischen den Hürden fünf bis sieben Meter betragen“, so Katja Söhnel. „Meine Untersuchungen zeigen jedoch, dass für die meisten Hunde bei einem Ab­stand von vier Metern die geringsten ­Belastungen auftreten. Es scheint, dass ­dieser etwas geringere Abstand eine Art Komfortzone darstellt.“

Keinesfalls, sagt Fischer, gehe es darum, den Spaß am Agility zu verleiden. „Ich finde es begrüßenswert, wenn Halter sich intensiv mit ihren Schütz­lingen beschäftigen, gebe aber zu be­den­ken: Was uns Spaß macht und Hunden antrai­nier­bar ist, muss weder ­artgerecht noch gesundheitsförderlich sein. Vorsicht halte ich für unbedingt geboten, wenn es darum geht, Hunde zu wie auch im­mer gearteten Leistungen an­zutreiben. Der Leistungsgedanke entspringt der Welt des Menschen, nicht der des Haustiers.“

Hunde richtig in Bewegung bringen

Reichlich Bewegung ist wichtig, um nicht nur die Gelenke des Hundes gesund zu erhalten. Denn nur unter Belastung werden die Gelenkflächen ausreichend durchblutet und ernährt. Einseitige Bewegungsformen wie der Trab neben dem Fahrrad werden den Bedürfnissen des Bewegungsapparates nicht gerecht. Hier gilt: Je vielfältiger die Bewegung, desto besser.

SPIEL MIT ARTGENOSSEN Beim Herumtollen, Sprinten, Jagen und waghalsigen In-der-Kurve-Liegen wird der Bewegungsapparat des Hundes optimal gefordert. Geben Sie ihm so oft wie möglich die Gelegenheit dazu.

FREILAUF Hunde brauchen die freie Bewegung in der Natur: schnuppern, trödeln, rennen, buddeln, markieren. Lange Spaziergänge sind unverzichtbar.

BALL WERFEN Abgesehen davon, dass Hunde zu echten Balljunkies werden können, kann auch das bloße Stoppen gefährlich sein. Abruptes, hartes Abbremsen kann zu starken Belastungen führen. Tipp: Der Hund sollte den Ball vor sich sehen, damit er seine Geschwindigkeit und das Bremsmanöver ­ergo­nomisch abstimmen kann. Als Hilfsmittel für weite Würfe haben sich Ballschleudern bewährt. Stöckchenwerfen ist wegen der Verletzungsgefahr tabu.

RADFAHREN, JOGGEN Eintöniger Trab reicht nicht aus, um den Bewegungsbedürfnissen des Hundes gerecht zu werden. Im Gegenteil: Die monotonen Bewegungen führen auf Dauer zur einseitigen Abnutzung der Gelenke und zu damit einhergehenden Problemen.

FRISBEE Das Apportieren der Scheibe stellt ein besonderes Problem dar. Denn die wilden Sprünge enden oft mit einer Landung auf den Hintergliedmaßen, die mangels wirksamer Dämpfung für die Aufnahme solcher Kräfte denkbar ungeeignet sind. Bei dieser für Hunde vollkommen untypischen Bewegung schlagen die aufzunehmenden Kräfte nahezu unge­mindert auf den Hüftbereich und die Lendenwirbelsäule durch.

EINE ENDE FINDEN Man merkt Hunden eine Überlastung nicht unmittelbar an. Schmerzen und Lahmheit zeigen sich oft erst Stunden später. Es ist daher unsere Aufgabe, das Spiel im richtigen Moment zu beenden

CHRISTA BREMER ist VDH-Vizepräsidentin und zuständig für Agility. Mithilfe ihrer Gremien will sie die Belastungen für Hunde reduzieren.

PROFESSOR DR. MARTIN FISCHER ist Biologe, Experte für das Bewegungssystem von Säugetieren und gehört zum wissenschaftlichen VDH-Beirat.

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