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Training mit dem Hund Longieren – Kommunikation durch Körpersprache

Isabelle Erler 16.04.2015

Beim Longieren mit Hund steht die Körpersprache im Mittelpunkt. DOGS-Autorin Isabelle Erler ließ sich von dem Trainer Sami El Ayachi erklären, wie man beim Longieren über Haltung, Blicke und Bewegung mit seinem Hund kommuniziert.

Zu Beginn des Trainings reichen wenige Minuten Longieren aus

Hunde können im Gegensatz zum Pferd, das problemlos eine halbe Stunde an die Longe genommen werden kann, tatsächlich nur wenige Minuten longiert werden. „Anfangs reichen vielleicht fünf, trainierte Hunde können durchaus zehn Minuten am Stück gehen“, rät Sami. „Diese Minuten strengen Hunde sehr an, weil sie neben der Bewegung ihren Menschen ununterbrochen abscannen. Sie wissen, dass eine Bewegung, die am Ende zwar von den Füßen ausgeführt wird, sich schon in unserem Oberkörper ankündigt.­ Den Hunden entgeht keines unserer körpersprachlichen Signale.“ Zora muss nach ihrer Runde erst einmal ausgiebig trinken, bevor sie sich neben meinem Stuhl zusammenrollt. Keine schlechte Idee, denke auch ich etwas erschöpft.

„Alles beginnt im Kopf“, weiß der Hundetrainer Samy El Ayachi. Die Ausrichtung unseres Körpers, seine Sprache, bewegt den Hund auch ohne Leine und Stimme.
„Alles beginnt im Kopf“, weiß der Hundetrainer Samy El Ayachi. Die Ausrichtung unseres Körpers, seine Sprache, bewegt den Hund auch ohne Leine und Stimme. © Heiner Orth

Dass sich die Kondition aller Beteiligten mit der Zeit verbessert, sieht man bei den Fortgeschrittenen. Vier Monate nach dem Kurs für Anfänger begleite ich vier bereits longiererfahrene Teilnehmerinnen und ihre Hunde in Samis weiterführendem Kurs. Dort weiß man offensichtlich schon gut, was zu tun ist, damit ein Hund leinenlos am Kreis geht. Doch auch hier klappt es besser, wenn Sami die Schritte mit jedem Paar einzeln anleitet: Das Tempo erhöhen, den Oberkörper kurz vorlehnen, bis der Hund das Signal umgesetzt hat, entspannt aufrichten und weitergehen! Und stopp! Jeder Teilnehmer dreht sich entschlossen zur Kreislinie und bleibt fest auf beiden Füßen stehen. Während der Hund danach außen am Kreis läuft, soll die Distanz nun zu ihm erhöht werden. Jeder Mensch zeigt seinem Tier per Blick den weiteren Weg, hebt den Kopf und entfernt sich von der Kreislinie in Richtung Mittelpunkt.

Während der Hund außen am Kreis entlangtrabt, folgt der Mensch der Form des mit Hütchen markierten Quadrats im Kreisinnern. Für die nächsten Übungen nimmt Sami einen zweiten Kreis hinzu. Der befindet sich einen Meter neben dem ersten und bildet mit ihm eine Acht. Die erste Teilnehmerin setzt ihren Shepherd an den untersten Punkt dieser Acht, geht ruhig in den oberen Kreis und zeigt ihrem Hund nach kurzer Ansprache nur mit Blicken, wie er am ersten Kreis entlang und dann über die Mitte der Acht auf den anderen Kreis wechseln soll. Nur der Blick, die zugewandte und wegweisende Körperhaltung und das tiefe Vertrauen zwischen Mensch und Tier genügen, um in diesem Fall einen Australian Shepherd die Strecke wie am Schnürchen laufen zu lassen.

Voraussetzung für das Longieren mit Hund ist Freude an Bewegung

Shepherds lassen sich gut auf das Longieren ein, sind sie doch dafür­ gezüchtet, Schafe zusammenzuhalten und dazu auch über größere Entfernungen auf optische und einfache akustische Signale zu reagieren. „Vielleicht fällt es Hütehunden etwas leichter“, meint Sami El Ayachi. „Grundsätzlich aber kann man mit jedem Hund longieren, der sich gern bewegt und führen lässt.“ Je weiter der Mensch sich während der Arbeit am Kreis von seinem Hund entfernt, desto mehr muss der Vierbeiner ihn, um alles mitzubekommen, im Auge behalten. Alles andere rückt in den Hintergrund.

Es wird überdeutlich, als Sami die vier Hunde, allesamt sind Rüden, und ihre Menschen gleichzeitig an den Doppelkreis bittet. Wortlos gehen sie paarweise in unterschiedliche Richtungen, in unterschiedlichen Formen und Geschwindigkeiten. Mal stoppt ein Mensch-Hund-Team, während ein anderes locker vorbeizieht. Alle Vierbeiner halten die Konzentration, folgen nur ihrem Menschen. Die anderen Hunde scheinen nicht zu existieren, höchstens als Hindernis, dem man ausweicht. Das ist es also, was der Longierspezialist mit „Nähe durch Distanz“ meint, jenes unsichtbare Band zwischen zwei Sportpartnern, das mit jedem Schritt, den sie sich räumlich voneinander entfernen, stärker wird.

Zugegebenermaßen standen Zora und ich seit unserem Workshop nicht oft am Longenkreis, dennoch setze ich die im Seminar gelernten Gesten und Bewegungen weiterhin im Alltag ein. In der Reithalle wurde mir bewusst, wozu ich meinen Körper in Unterhaltungen mit meinem Hund benutzen kann. Zora scheint meine Körpersprache zu verstehen, ist aufmerksamer. Uns zwei verbindet seitdem auch dieses wunderbare unsichtbare Band. Und manchmal schaut sie mich an, als wolle sie sagen: Es wurde auch langsam Zeit, dass du meine Sprache lernst.

Jetzt wird trainiert!

Alles zu Sami El Ayachis Workshops „Longieren mit Hund“, Kosten und seine nächsten bundesweiten Termine: www.longieren-mit-hund.de.

Darüber hinaus bieten viele Hundeschulen regelmäßige Longierstunden an. Sami El Ayachi empfiehlt neben einer allgemeinen Einführung in das Longieren auch darauf zu achten, dass jedes Mensch-Hund-Paar einzeln betreut wird und das Training auf Motivationshilfen weitgehend verzichtet.

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