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Welpenschule Welpen an die Umwelt gewöhnen

Martin Rütter 15.04.2016

Rasende Autos, laute Cafés, hektische Innenstädte – im Menschenleben ist ganz schön was los. Damit der Welpe mit guten Manieren brilliert, gibt Experte Martin Rütter wertvolle Tipps für die richtige Sozialisierung.

Ob es uns Hundehaltern passt oder nicht: Sobald wir mit Hund vor die Tür treten, werden wir zur öffentlichen Person. Doch leider glänzen manche Hunde nicht mit guter Gehorsamkeit, sondern vor allem mit schlechten Manieren. Da werden Jogger, Radfahrer oder tobende Kinder gejagt, Picknickdecken geplündert, Menschen angesprungen, da wird sich zum Abschluss auf Liegewiesen erleichtert. Das sorgt nicht gerade für gute Hundestimmung im Land.
Ein alltagstauglicher Hund ist aber heutzutage wichtiger denn je. Er darf weder andere Menschen noch Hunde belästigen, sonst wird er zum Problem und die Abneigung der Nicht-Hundehalter immer größer. Was kann man also tun, um seinen vierbeinigen Freund zu einem angenehmen Begleiter zu machen?

Welpen an die Umwelt gewöhnen
Welpen sollten die Welt des Menschen früh kennenlernen und positive Erfahrungen sammeln, damit sie zu gesellschaftsfähigen Begleitern werden © plainpicture/Westend61/PeeWee

Prägung fürs Leben

In den ersten Lebenswochen beim Züchter sollte der Hund positiven Kontakt zu möglichst vielen Menschen bekommen. Der Grund: Für Hunde haben Menschen eine beeindruckende Formenvielfalt. Zur Erinnerung: Es gibt große und tollpatschige, es gibt Frauen, Männer, bärtige, dicke, dünne, hektische und ruhigere Exemplare. Im Idealfall sollten Welpen zusätzlich mit anderen Umweltreizen in Kontakt kommen. Ob raschelnde Tüten, Staubsauger, das Tapsen auf verschiedenen Böden, das Erklettern von Treppen oder ein Tunnel zum Durchlaufen, das Erlebnis von warmer Sonne im Fell, von Rasen, Schlamm und Sand, in dem gebuddelt werden darf – jede neue Erkundungstour sorgt für viele Verknüpfungen im Gehirn.
Der Hund lernt, dass die Welt voll ist von immer neuen aufregenden Dingen, die aber – ganz wichtig! – allesamt harmlos sind. Das sind richtungsweisende Erfahrungen, denn in dieser ersten Phasen entscheidet sich bereits, ob der Welpe ein offener und neugieriger Hund wird oder sich vor allem Neuen fürchtet und erschreckt.

Im neuen Zuhause

Die wichtigste Grundlage für einen freundlichen, gesellschaftsfähigen Hund ist das Vertrauen zu dem Menschen, der ihm die aufregende Welt zeigen wird. Das bedeutet: Erst wenn sich der Welpe bei uns sicher fühlt, können wir damit beginnen, ihn den Rest der Welt langsam erkunden zu lassen.

Die wichtigsten Tipps für Entdeckertouren heißen:

1. Wählen Sie das richtige Programm

Beschäftigen Sie sich in den ersten Tagen mit fröhlichen Spielen in den eigenen vier Wänden, immer wenn Ihr Welpe gerade in Ihrer Nähe ist und durch nichts abgelenkt wird. Sprechen Sie ihn mit seinem Namen an. Schaut er Sie an, geben Sie ihm ein Futterstück oder bieten ihm ein Spiel an. So lernt er seinen Namen und verknüpft ihn positiv.

2. Seien Sie ein gutes Vorbild

Hunde lernen viel über Beobachtung. Sind wir zur Bindungsperson geworden, wird sich unser Zögling gnadenlos an unserem Verhalten orientieren. Diese Vorbildrolle sollten wir nutzen: Die Art und Weise, wie gelassen, ruhig und freundlich wir neuen Situationen begegnen, wird für den Welpen von nun an zum roten Faden durch die neue Welt werden.

Sicher wie der Gehweg vorm Haus

Besonders in der Stadt wimmelt es nur so von aufregenden Gerüchen und Geräuschen, die auf kleine Hundekinder einprasseln. Die ersten Ausflüge vor die Wohnungstür sollten also möglichst kurz gehalten werden und sich am besten auf die nähere Umgebung beschränken. Sobald sich der Welpe gelöst hat, können Sie hier mit ihm wie gewohnt spielen. Damit geben Sie ihm ein wichtiges Signal, denn unter Hunden gilt: Wo gespielt wird, ist es ungefährlich. Auch Autos oder Motorräder, die ab und zu vorbeifahren, verlieren auf diese Weise schnell ihren Reiz, denn sie werden zu unwichtigen Nebengeräuschen, die der Welpe während eines Futtersuch- oder Tobespiels als alltäglich erfährt. Diese Vorgehensweise gilt auch für erwachsene Hunde, die durch schlechte Prägung keine Erfahrungen mit der Zivilisation gemacht haben.

Jagd auf alles, was rennt

Verfolgungsspiele stehen bei Welpen hoch im Kurs, und auch erwachsene Hunde lieben es, bewegten Objekten hinterherzujagen. Doch auch, wenn der süße Raufbold nur seinen Spaß haben will, einem panischen Jogger oder Radfahrer ist das spätestens dann egal, wenn aus dem tollpatschigen Welpenkind ein Dreißigkilohund geworden ist. Seine Jagdleidenschaft bricht hervor, ein Instinkt, der bei allen vierbeinigen Freunden mehr oder weniger ausgeprägt vorhanden ist.

1. Kanalisieren Sie seine Lust aufs Jagen

Geben Sie ihm von Anfang an die Möglichkeit, seine Jagdleidenschaft auszuleben, je nach individuellen Charaktereigenschaften durch ein Hetz-, Such- oder Apportierspiel! Natürlich fangen Sie ein solches Spiel nun nicht inmitten eines Lauftreffs an. Auch hier trainieren Sie zunächst einmal ohne Ablenkung, bis Ihr Hund das Spiel verstanden hat und mit Begeisterung mitmacht. Im nächsten Schritt können Sie auf einer Wiese im Park trainieren, an der ab und zu ein Jogger vorbeikommt. Nähern Sie sich dabei Schritt für Schritt der Ablenkung durch Jogger. Ihr Hund darf diese zwar bemerken, muss aber das Spiel mit Ihnen viel spannender finden.

2. Gehen Sie auf Nummer sicher

Nehmen Sie Ihren Hund bei diesem Training immer an die Schleppleine, so haben Sie die Sicherheit, dass nichts passiert, wenn Sie die Situation doch einmal falsch eingeschätzt haben.

3. Seien Sie interessant für ihn

Je weniger spannend Ihr Hund die Jogger findet, desto weniger Aktion müssen Sie Ihrem Hund in dieser Situation bieten. Am Ende reicht es vielleicht sogar, wenn sie ihm einfach nur das Signal „Sitz“ geben, ihn ein paar Leckerchen am Boden suchen lassen oder aber zum Beispiel die geliebte Spielbeute zum Tragen ins Maul geben und so ganz entspannt mit dem angeleinten Hund an Ihrer Seite einem Jogger begegnen gehen können.

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