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Welpenschule Welpen an die Umwelt gewöhnen

Martin Rütter 15.04.2016

Rasende Autos, laute Cafés, hektische Innenstädte – im Menschenleben ist ganz schön was los. Damit der Welpe mit guten Manieren brilliert, gibt Experte Martin Rütter wertvolle Tipps für die richtige Sozialisierung.

Anspringen verboten

Das Anspringverbot gehört zu einer der schwersten Übungen in der Hundeerziehung: Weil Welpen niedlich sind, finden die meisten Mitbürger das nämlich nicht schlimm – und unterlaufen auf diese Weise unsere verzweifelten Bemühungen. Die Kombination verschiedener Methoden führt hier am ehesten zum Erfolg, sowohl bei Welpen als auch bei bereits erwachsenen Hunden:

1. Richtig begrüßen

Beachten Sie den Hund nicht bei der Begrüßung. Bleiben Sie ruhig und wenden Sie sich ihm erst dann zu, wenn er mit allen vier Pfoten am Boden bleibt.

2. Anspringen verboten

Gehen Sie weiter geradeaus, quasi „durch Ihren Hund hindurch“. Sie können Ihn dabei ruhig etwas mit Ihrem Körper zur Seite schieben, achten Sie aber bitte darauf, seine Pfoten nicht zu treten.

3. Ruhe einkehren lassen

Erst wenn Ihr Hund sich beruhigt hat, können Sie ihn begrüßen. Falls er durch Ihre Zuwendung dazu neigt, doch wieder an Ihnen hochzuspringen, können Sie ihm das Signal „Sitz“geben, denn damit hat er eine Aufgabe, die er mit Hochspringen nicht vereinbaren kann. Selbstverständlich sollte Ihr junger Hund das Signal „Sitz“ dafür bereits beherrschen.

4. Andere sollten mitspielen

Bitten Sie Ihre Mitmenschen, den Hund am Anfang nicht zu sehr zu beachten. So lernt er: Menschen mögen keine stürmischen Begrüßungen.

Autofahren geht leicht

Unterwegs im Pkw zu sein, sollte der Welpe so früh wie möglich erfahren. Dabei gilt:

1. Nicht übertreiben

Fahren Sie zunächst kurze Strecken, belohnen Sie den kleinen Fahrgast danach mit viel Jux und Tollerei.

2. Sie sagen, wann es rausgeht

Ganz wichtig: Schon kleine Welpen dürfen niemals ohne Aufforderung aus dem Auto springen! Dies ist für seine weichen Knochen gefährlich und kann sogar lebensgefährlich werden, wenn gerade ein Auto vorbeifährt.

3. Heben Sie junge Hunde heraus

Die wenigsten Welpen trauen sich, aus der Höhe eines Kofferraums zu springen. Sobald der Welpe das „Bleib“ am Boden gelernt hat, können Sie das Signal am Auto verwenden. Geben Sie es und gehen Sie einen Schritt rückwärts. Bleibt der Welpe sitzen, gehen Sie zu ihm und belohnen ihn. Vergrößern Sie den Abstand. Heben Sie ihren Hund dann aus dem Auto, mit dem Signal, bei dem er, wenn er alt genug ist, selbst heraus hüpfen darf.

Entspannt im Restaurant

Schon Welpen sollten hier feste Benimmregeln erfahren und lernen, dass es nichts Langweiligeres gibt als Restaurants und dass man Frauchens Vorliebe für diese Orte am besten mit einem entspannten Schläfchen erträgt:

1. Vorher Gassi gehen

Starten Sie die Übung mit einem ausgetobten, glücklichen Hund.

2. Im Café zu Hause sein

Bringen Sie anfangs zum Beispiel seine Decke mit, das hilft ihm, sich schneller zu entspannen.

3. Wählen Sie den richtigen Platz

Suchen Sie sich einen Tisch irgendwo am Rand. So können Sie Ihren Welpen hinter sich in der Ecke ablegen. Wie sollte er entspannen, wenn ständig Menschen vor seine Nase laufen?

4. Viersternehäuser müssen warten

Wählen Sie für die Restaurant-Übung ein Lokal aus, das nicht zu fein für ihren jungen Hund ist.

In Bus und Bahn mit Joker

Nichts nervt mehr als ein Hund, der in öffentlichen Verkehrsmitteln jault und fiept. Beginnen Sie das Training deshalb möglichst früh. Spätestens auf dem nächsten Städtetripp werden Sie dankbar sein für einen Hund, der langweilige Busfahrten für ein entspanntes Schläfchen nutzt, anstatt sich zitternd zwischen Ihre Beine zu zwängen.

1. Bleiben Sie gelassen

Lesen Sie oder unterhalten sich angeregt. Ihre unaufgeregte Stimmung wird sich auf den Hund übertragen.

2. Lenken Sie ihn ab

Vielleicht starten Sie mal ein kleines Apportiertraining auf dem Bahnhof? In das Spiel versunken, erscheinen laute Bremsgeräusche nicht mehr so gefährlich. Aber weniger ist manchmal mehr. Mit dem Nebengleis in einer Kleinstadt zu beginnen, macht mehr Sinn, als ihn mit einem Großstadthauptbahnhof zu überfordern.

3. Eine Station genügt

Die ersten Zugfahrten sollten zunächst kurz sein. Am Zielbahnhof könnten Ihre Familienmitglieder als Joker warten, die sich natürlich großartig über den kleinen Reisenden freuen und ihn kräftig loben. So sorgen alle dafür, dass der Welpe Bahnfahrten grundsätzlich positiv verknüpft.

Einkaufszone ohne Angst – Tipps für erste Stadtbesuche

 

1. Vormittags ist es ruhiger

Wählen Sie nicht die Hauptgeschäftszeit aus, sonst kommt es schnell zur Reizüberflutung.

2. Der Hund ist König

Lassen Sie anfangs den Einkaufszettel zu Hause, damit Sie sich bei diesen ersten Ausflügen nur auf Ihren Hund konzentrieren können.

3. Oh, ein Schaufenster

Gehen Sie nicht in der Mitte der Einkaufszone, sondern schlendern sie an den Schaufenstern entlang. Wird etwas sehr aufregend, ein anderer Hund taucht auf oder ein lautes Motorrad knattert vorbei, schauen Sie sich in aller Ruhe Auslagen an. So kann sich der Hund neben Sie setzen und die Reize mit Abstand beobachten.

4. Augenkontakt genügt

Welpen sind süß, und jeder will sie streicheln. Damit das für den Welpen nicht zu stressig wird, sollten wir ruhig und freundlich erklären, dass der kleine heute schon von hundert Passanten gestreichelt wurde – auch wenn’s nicht stimmt.

5. Na gut, einmal ist erlaubt

Trotzdem sollte unser Hund daran gewöhnt werden, von Fremden angefasst zu werden. Der Grund: Es gehört zum Alltag, dass Menschen unbedarft Hunde anfassen. Die Art und Weise, wie wir solchen Menschen begegnen, wird unser Hund genau wahrnehmen. Selbst wenn es schwer fällt: Bleiben Sie ruhig, erklären Sie notfalls den richtigen Umgang mit Hunden.

6. Die Welt mit seinen Augen sehen

Sie sollten den Hauptaspekt nicht nur auf die neuen Reize legen, sondern auf die Beschäftigung mit Ihnen. So nimmt er unsere Welt zwar wahr, beschäftigt sich aber mit Ihnen. Schließlich wollen Sie später entspannt mit Hund in der Stadt spazieren. Der Dank? Ein unkomplizierter, freundlicher Hund, der in der Öffentlichkeit eine gute Figur macht. Und ein kleines bisschen auf Sie abfärbt.

Was tun, wenn der Hund im Alltag ängstlich wirkt?

Der Hundepsychologe Martin Rütter weiß aus Erfahrung: Leider haben nicht alle Hunde einen guten Start ins Leben. Vielleicht haben Sie einen Hund aus zweiter Hand übernommen und stellen nun fest, dass es einige Dinge gibt, vor denen sich Ihr Hund fürchtet. In der Stadt ist er ein zitterndes Häufchen Elend und wenn ein Bus ein lautes Geräusch macht, klemmt er vor Angst die Rute ein und möchte nur noch flüchten!

So können Sie ihm aus der Angst helfen

Keinen Zwang ausüben: Zwingen Sie ihn nicht, zu solchen Reizen direkt Kontakt aufzunehmen. Genauso wie beim Welpen steht an erster Stelle immer der Bindungsaufbau! Nur wenn Ihr Hund Ihnen vertraut, wird er bereit sein, sich auf ein Training mit Ihnen einzulassen.

Harmlose Orte aufsuchen: Meiden Sie zunächst einmal alle Situationen, die Ihrem Hund Angst einflößen. Starten Sie Aktionen, die Ihren Hund begeistern, in einer Umgebung, in der er sich wohl fühlt. Ob es sich dabei um ein Suchspiel nach Futter oder um ein spannendes Apportierspiel mit dem Lieblingsspielzeug Ihres Hundes handelt, hängt ganz von den Interessen Ihres Hundes ab.

Langsam Kontakt herstellen: Nun können Sie Schritt für Schritt die Reize steigern. Fürchtet sich Ihr Hund vor dem Geräusch fahrender Autos, trainieren Sie zunächst in einem Wald, fernab von Straßen.

Auf Stressaktionen achten: Dann suchen Sie sich eine wenig befahrene Straße aus, in deren Nähe sie nun Ihr Training durchführen. Achten Sie dabei auf Ihren Hund, Sie dürfen nur solange trainieren, wie Ihr Hund den ihm unangenehmen Reiz zwar bemerkt, davon aber noch nicht gestresst ist.

Reize steigern: Wieder steigern Sie die Reize vorsichtig, bis Sie schließlich direkt neben einer stark befahrenen Straße trainieren können.

 

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