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Wohlbefinden des Hundes Die richtige Sportart für Ihren Hund

Kate Kitchenham 06.03.2012

Schluss mit den Ausreden! Packen Sie ihn, den inneren Schweinehund, und trainieren Sie sich und Ihren Hund. Welche Sportart für Ihren Schützling zu empfehlen ist, verraten Fitnessexperten und Tierärzte.

Gassi gehen

Gut fürs Wohlbefinden und für die geistige Fitness

Alle ausgewachsenen Hunde müssen täglich Gassi gehen, mindestens dreimal, insgesamt zwei Stunden lang, so lautet die Empfehlung vieler Experten. Doch reicht das wirklich aus, um Hunde langfristig fit zu halten? Die Griesheimer Hundeexpertin Perdita Lübbe verpasst Alltagsdingen eine Extraprise Abenteuer, indem sie einfach mal abseits des Wegs durchs Dickicht streift. „Das stärkt den Gleichgewichtssinn und schärft die Sinne. Gemeinsam geht es über Stock und Stein, wir spüren weiches Moos unter Pfoten und Füßen, sinken ein in feuchtem Untergrund, springen über Gräben oder balancieren über Baumstämme.“

Die richtige Sportart für Ihren Hund
Ballspielen ist gut für das Wohlbefinden und die geistige Fitness des Hundes © Tom and Steve/ Moment/ Getty Images

Spaziergänge ohne Leine können über Signale lebendiger werden: „An Weggabelungen gebe ich per Handzeichen oder Stimme an, in welche Richtung es weitergehen soll. Das sorgt dafür, dass meine Hunde in Kontakt mit mir bleiben.“

Die Hundeexpertin ist ein großer Fan von fantasievollen Versteck- und Denkaufgaben für unterwegs. „Ich lasse heimlich eine Socke fallen, der Hund muss später danach suchen.“ Je nach Konzentrationsfähigkeit des Hundes kann das eine ziemlich lange Spur sein, die er zurückverfolgen muss. Dabei wechselt sie die Gassiwege gern ab: „Wenn ich morgens, mittags und abends den gleichen ausgetrampelten Pfad nehme, wird das langweilig. Neue Wege zum Erkunden bieten neue Gerüche und im Gelände neue Such- und Spielmöglichkeiten!“

Spielen

Gut fürs Wohlbefinden und für die geistige Fitness

Spielen ist ein gutes Stichwort für Mechtild Käufer, Hundetrainerin und Autorin des Buchs „Spielverhalten bei Hunden“. Sie plädiert für mehr Spielerei mit Hunden, denn dabei werden Koordination, Kreativität und Reaktionsschnelligkeit intensiv trainiert. Schon nach ein paar Minuten fühlen sich Mensch und Hund einfach pudelwohl. Ursache ist das sogenannte Glückshormon Oxytocin, das ausgeschüttet wird und dann durch die Adern pulsiert. Mechtild Käufer schlägt vor, möglichst sinnfrei mit dem Hund zu spielen: „Lassen Sie viel Körperkontakt, Spontaneität und Albernheit zu, das macht Mensch und Hund Spaß!“

DOGS befragte Claudia Rade, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik, nach dem veränderten Ernährungsbedarf von sportlichen Hunden.

Wann brauchen Hunde extra Futter?

Normal aktive Hunde, die im Garten herum laufen und bis zu einer Stunde am Tag spazieren gehen, benötigen keine Extrahappen. Bei Spaziergängen von zwei Stunden pro Tag erhöht sich der Tagesenergiebedarf nur um fünf Prozent, die Futtermenge muss nur angepasst werden, wenn der Hund an Gewicht verliert.

Für Hunde, die als Begleiter auf einer Wander- oder Radtour nur kurzfristig unter erhöhter Belastung stehen, kann der Zusatzbedarf durch einen energiereichen Snack zusätzlich zum Hauptfutter gedeckt werden (z.B. „Nutritional Supplement Energy“ von Royal Canin). Er sollte spätestens eine Stunde vor der Belastung gegeben werden.

Hunde, die regelmäßig 3 bis 6 Stunden am Tag arbeiten, indem sie z.B. Schafe hüten oder Schlitten ziehen, vollbringen eine Ausdauerleistung und benötigen etwa 50 Prozent mehr an Energie im Futter.

Schlittenhunde, die Langstrecken unter extremen Temperaturbedingungen zurücklegen, benötigen acht- bis zehnmal mehr Energie. Hier eignet sich ein hochverdauliches Futter, das viel Energie aus hochwertigen Fetten enthält (z.B. „Energy 4800“ von Royal Canin).

Für Sprinter (bei Agility oder Windhunderennen), die in Windeseile kurze Distanzen zurücklegen, sollte die Energie schneller verfügbar sein und vor allem aus hochverdaulichen Kohlenhydratquellen stammen, (z.B: „Energy 4300“ von Royal Canin).

Was kostet den Hund denn noch Energie?

Nicht nur Sport, auch hohe oder niedrige Außentemperaturen und Trächtigkeit sorgen dafür, dass Hunde einen steigenden Energiebedarf haben. Aktive Hunde, die im Rudel überwiegend draußen gehalten werden, brauchen bis zu doppelt so viel Energie wie ein ruhiges, einzeln in der Wohnung gehaltenes Tier. Junghunde benötigen doppelt so viel Energie wie ausgewachsene Hunde. Ab sieben Lebensjahren sinkt aber der Energiebedarf um ungefähr 30 Prozent.

Brauchen aktive Hunde große Portionen?

Die Futtermenge sollte klein sein, damit der Magen nicht zu voll ist. Darum muss die Nahrung eine hohe Energiedichte haben und darf den Verdauungstrakt nur wenig belasten. Bei hochverdaulichem Futter bleiben nur wenige unverdauliche Reste als kleine Kotportionen übrig.

Macht man sich mit ausgelassenen Spielaktionen nicht lächerlich, droht nicht damit der Verlust der Autorität gegenüber dem Hund? „Auf keinen Fall“, weiß Mechtild Käufer. „Ist gegenseitiges Vertrauen vorhanden, gehören Rollenwechsel und das Aufgreifen der Spielvorschläge des Hundes unbedingt zum Spiel dazu.“ Allerdings gilt hier wie bei allen Beschäftigungsarten: Die Mischung macht’s. Niemals sollte man ein Spiel monoton wiederholen, sondern immer wieder anders spielen und Spiele wechseln. Bälle kann man verstecken, statt sie nur zu werfen, und den Hund danach suchen lassen. Oder man legt einen Ball sichtbar auf einen erhöhten Platz, sodass der Hund überlegen und sich anstrengen muss, um ihn zu erreichen.

Walken

Gut für Muskelaufbau und Kondition

Walken ist besonders intensiv, denn es trainiert beim Menschen Bauch- und Rumpfmuskulatur. Auch der Hund profitiert davon, denn er absolviert dabei praktisch ein Ganzkörpertraining: Seine Ausdauer wird gesteigert, das Herz-Kreislauf-System gestärkt. „Ein gut trainierter Hund hält Strecken am Stück von dreißig bis fünfundvierzig Minuten durch“, weiß Fitnesstrainerin Tanja Petrick aus Hamburg.

Doch bevor der Hundeführer mit Walkingstöcken durch die Natur marschiert, empfiehlt Petrick ein Zughunde-Training: „Der Hund lernt dabei, auf Kommando mit einer bestimmten Intensität an der Leine zu ziehen. Diese wird als Gurt um den Bauch des Besitzers geschnallt und beim Hund an einem Geschirr befestigt.“ Viele Halter fürchten, dass dabei die mühsam anerzogene Leinenführigkeit vermiest wird. Petrick teilt diese Bedenken nicht: „Für die meisten Hunde ist beispielsweise das Anschnallen des Geschirrs oder ein bestimmtes Kommando das Signal zum Ziehen.“

Bei der Ausbildung zum Nordic-Walking-Begleithund braucht man Helfer: „Im ersten Schritt muss der Hund lernen, die Leine stramm zu halten. Das geht am besten, wenn eine zweite Person den Hund lockt und lobt, wenn das Seil auf Spannung ist. Dann baut man diese Erfahrung weiter aus und lässt den Hund ein paar Minuten länger auf Zug gehen.“ Wichtig: Von Anfang an das Anschnallen und Losgehen mit einem Kommando belegen. „Hat der Hund verstanden, was er machen soll, Training langsam steigern.“

Joggen

Gut für Herz, Kreislauf und seine Kondition

Je kleiner der Hund, desto früher kann man mit dem Training starten. Aber egal, ob erwachsener Hund oder Jungspund, wenn wir mit dem Teamtraining starten, reicht fürs Erste der Minilauf von einer Minute bis drei Minuten, der im Verlauf der weiteren Wochen auf bis zu zwanzig Minuten gesteigert werden sollte. Wenn Mensch und Hund richtig fit sind, kann eine Stunde am Stück gelaufen werden.

„Durch das Dauerlaufen wird die Muskulatur nur bis zu einem gewissen Grad trainiert“, erklärt Tanja Petrick, „was bei Hunden mit wenig gelenkstabilisierender Muskelmasse langfristig Gelenkprobleme verursachen kann.“ Deshalb empfiehlt der Fitnesscoach vor allem Besitzern von älteren und gelenkschwachen Hunden, die Muskulatur des Tieres zuerst aufzubauen, etwa auf dem Unterwasserlaufband, und langsam zu stärken. „Auf jeden Fall sollte man ein Stück gegangen sein und nicht losrennen, sobald man vor der Tür ist.“ Wenn Frauchen schnell vorwärtskommen möchte, ihr Hund sich aber den Gerüchen am Wegesrand widmen will, bleibt dem Zweibeiner nur der Lauf auf der Stelle – mit den Fersen an den Po oder den Knien nach vorn in die Luft gezogen – schließlich soll jeder zu seinem Recht kommen.

Radfahren

Gut für Ausdauer, Herz und Kreislauf

Die wichtigste Regel für das Radfahren mit Hund: Die Wachstumsphase des Tieres muss abgeschlossen und der erwachsene Hund im Knochenbau gesund sein. Der Grund: Wenn Knochen wachsen, sind sie besonders empfindlich und die Gelenke noch weich. „Fahrradfahren sollte in Maßen und regelmäßig stattfinden“, rät Trainingscoach Tanja Petrick, „insbesondere wenn eine mehrmonatige Winterpause vorausging. Dann fehlt dem trainierten Hund die gewohnte körperliche Auslastung.“ Hunde sollten gründlich aufs Langstreckentraben vorbereitet werden (siehe Jogging-Tipp).

Ist der Hund dann ausreichend trainiert und konnte sich warmlaufen, empfiehlt Petrick auch mal kleine Sprints einzulegen. Ganz wichtig: Beim Laufen am Rad gilt das absolute Halteverbot für den Hund! Das angeleinte Tier darf weder stehen bleiben noch am Wegesrand interessanten Düften nachgehen – ein großer Hund kann einen 70-Kilo-Erwachsenen andernfalls ohne Probleme vom Rad reißen.

Bei Hunden, die an Arthrose leiden, wird durchs Traben die Knorpelschutzschicht auf den Knochen weiter abgenutzt, was heftige Schmerzen verursachen kann. Besitzer solcher Hunde, die trotzdem nicht aufs Radeln verzichten möchten, sollten sich für kleine Vierbeiner einen durch ein Gitter gesicherten Korb an den Lenker hängen oder für größere Hunde einen Anhänger hinter das Fahrrad spannen.

Schwimmen

Für schonenden und effektiven Muskelaufbau

Die Gewöhnung an Wasser sollte besser bei angenehmen Badetemperaturen und in stillen Gewässern stattfinden. Schäumende Wellenberge und eiskaltes Nass finden beim Hund nur begrenzt Begeisterung. Welpen folgen einem zwar meist noch gedankenlos überallhin, auch ins Wasser, anders sieht es bei Vierbeinern aus, die das Schwimmen noch nicht erfahren haben. Sie müssen vorsichtig und mit viel Geduld an Wasser herangeführt werden.

Tipp von Fitnesscoach Tanja Petrick: „Eine Schwimmweste gibt besonders ängstlichen Tieren anfangs viel Sicherheit und kann später nach und nach weggelassen werden.“ Der Hund sollte für jeden Schritt ins Wasser gelobt werden, bis er schließlich sicheren Grund unter den Pfoten verlassen hat und ein paar erste Züge wagt.

Gemeinsam mit Hund eine entspannte Runde im Teich zu schwimmen, ist ein sehr schönes Erlebnis. Ganz wichtig: Nehmen Sie vor dem Bad unbedingt sein Halsband ab. Pfoten können sich darin verfangen. Mögliche Folge: Der Hund dreht sich und könnte ertrinken!

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