DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Hundecoach Wer ist Cesar Millan?

Astrid Nestler 17.09.2014

Wer berühmt ist, leistet sich den Superflüsterer. Oprah Winfrey, Gwyneth Paltrow, Mark Zuckerberg, sie alle sind dem Charisma von Cesar Millan erlegen. Doch nicht jeder liebt den weltweit berühmtesten Hundetrainer und seine Methoden.

Wer ist Cesar Millan?
Ein Fernsehproduzent sah ein Foto von Cesar Millan mit einem Dutzend Hunde ohne Leine und war beeindruckt - so startete die Erfolgsgeschichte des Trainers © mauritius images / United Archives

Cesar Millan: der Shootingstar

Cesar Millan wurde 1969 in Culiacán, Mexiko, geboren und wuchs auf dem Bauernhof seines Großvaters in Sinaloa auf. Mit 21 ließ er sich von einem sogenannten Kojoten für hundert Dollar über die Grenze führen und investierte sein letztes Geld in eine Taxifahrt nach San Diego. Nach einem Monat auf der Straße fand er Anstellung in einem Hundesalon. Dort übernahm er die schwierigsten Fälle und schlief nachts im Laden. Später zog er nach Los Angeles, wo er in einem Kleinlastwagen sein Institut für Hundepsychologie einrichtete. Ein Fernsehproduzent sah ein eindrucksvolles Foto in der Lokalzeitung, auf dem Millan mit einem Dutzend Rottweiler ohne Leine durch ein Gang-Viertel spazierte. Der „Hundeflüsterer“ war geboren.

Cesar Millan: der Weltstar

Bekehrte Hunde und erleuchtete Besitzer weltweit: Cesar Millan hat über sieben Millionen Fans auf Facebook und 753.000 Follower bei Twitter. Seine Sendung, die früher „Der Hundeflüsterer“ hieß und sich jetzt „Leader of the Pack“, also „Rudelführer“, nennt, wird in mehr als achtzig Ländern ausgestrahlt. Er hat zahlreiche Bestseller geschrieben und füllt mit seiner „Vertrau deinem Instinkt“-Tour Stadien auf der ganzen Welt. Ihn anzuheuern ist aussichtslos, wenn man nicht prominent ist oder sehr reich. Angeblich verlangt er für eine Beratung bis zu 80.000 Dollar. Das Geld fließt in seine gemeinnützige Stiftung. Sie bietet finanzielle Hilfe für Tierheime und Tierschutzorganisationen an und fördert Programme, die Kastration und Sterilisation vorantreiben.

Cesar Millan: der Coach

Millan hat das, was andere Trainer nicht haben: eine schnelle Lösung des Problems. Schließlich wollen Millionen Hundebesitzer wissen, wie sie ihren Tieren das Bellen, Beißen und Betteln abgewöhnen. Neben Unterricht in Hundepsychologie bietet Millan seinen Kunden vor laufenden Fernsehkameras Lebensberatung, die so klingt: „Mit einem unstabilen Geist und negativer Energie kann man in dieser Welt viel Geld verdienen, aber man kann damit keinen Hund trainieren.“ Wer morgens mit seinem Vierbeiner raus will, soll sich als Erstes fragen: Bin ich wirklich ruhig und zuversichtlich? Das sei wichtiger „als die richtige Leine oder das Kommando“. Nach Millan sollten die Leute nicht den Hund bekommen, den sie wollen, sondern den Hund, den sie brauchen, um sich weiterzuentwickeln.

Cesar Millan: der Charismatiker

Millans Körpersprache passt immer zu dem, was er sagen will. Da bleibt nichts unklar, nichts verborgen. Zu solchen Menschen fühlen sich auch Hunde hingezogen, denn ihre Botschaft kommt an: Folge mir! „Geh wie Kleopatra“, ruft er in seiner Sendung übergewichtigen Hausfrauen in Jogginghosen zu. Dann zeigt er den Leuten, wie sie die Leine – ähnlich wie in Hundeausstellungen – kurz und hoch über dem Nacken des Hundes halten müssen, um an ihre Führungsposition zu erinnern.

Cesar Millan: der Umstrittene

Nach Millan will jeder Hund nur eines: „klare Verhältnisse“. Und die sind, so glaubt er, in vielen Mensch-Hund-Beziehungen abhandengekommen. In oft verblüffender Geschwindigkeit zeigt er den Haltern, dass ihr Hund gehorchen kann. Wenn nötig, gräbt er dafür seine Finger in den Nacken eines widerspenstigen Tieres, als wären es die Zähne eines überlegenen Artgenossen. Oder er presst die Faust gegen die Kehle eines Hundes, der die Fingerknochen als Zähne eines Gegners wahrnimmt. Millans Methoden seien autoritär, mahnen seine Kritiker vehement und verweisen auf Videos, die im Netz von ihm und seinen Methoden existieren. Verhaltenstherapeuten bemängeln, dass ein Nachahmen des Alphatiers dem Hund in erster Linie Angst einjage. Als unumstritten gilt jedoch, dass durch Cesar Millan viele Hunde in den USA weiterleben durften, statt als nicht resozialisierbar eingeschläfert zu werden.

maritalisa

2016.11.16 um 19:42 Uhr

schrecklich was menschen mit tieren anstellen. dabei sind hunde die besseren menschen: unbedingt treu, sehr liebenswert, zuverlässig, sehr klug, feinfühlig. ich liebe tiere sehr und verwöhne sie manchmal ein klein wenig. mein chihuahua rüde, 4 kg hat er, wird jeden tag gründlich gebürstet, gegrault - was er sichtbar genießt. seine helle freude hat er, wenn ich mit ihm spiele. aber - fremde hunde mag er nicht, menschen durchaus nicht jeden. bellen tut er wie ein weltmeister !!!

Schulhund Käpt´n Jack

2016.10.11 um 18:56 Uhr

Liebe Frau Nestler, liebe Redaktion, mich schockiert Ihr Artikel und dessen positiver Abschluss, es seien viele Hunde durch Millan resozialisiert und vor dem Tode gerettet worden, zutiefst. Als seriöses Hundemagazin sollten Sie sich mit der Huldigung von Personen, die über keinerlei Grundwissen zur Lerntheorie und Körpersprache von Hunden verfügen, sondern die Tiere zu ihrer Selbstinszenierung missbrauchen sowie schlicht und ergreifend Gewalt anwenden, zurückhalten. Cesar Millan ist eine solche Person. Namenhafte Wissenschaftler wie Miklosi, Bradshaw etc. pp., haben die Dominanztheorie, die die Notwendigkeit eines "Leader of the Pack" postuliert und letztendlich als Legitimationsideologie für Schläge, Leinenrucke und Tritte in die Weichteile dient, widerlegt. Des Weiteren konnte zweifelsfrei belegt werden, dass positive Strafe ein unkalkulierbares Risiko im Training von Hunden birgt und somit nicht empfehlenswert ist. Cesar Millen ist übrigens durch die in Deutschland erforderliche Prüfung nach §11 Tierschutzgesetz durchgefallen und durfte im Rahmen seiner Tournee nicht an und mit Hunden arbeiten! Allein diese Tatsache sollte schon reichen, um ihm kein Podium für seine Inszenierung als "Hundetrainer" mehr zu bieten. Cesar Millan greift viel (ausschließlich?) auf positive Strafe zurück, so dass es jedem mit Empathie ausgestatteten Zuschauer schon beim Ansehen der Sendung das Herz zerreißt. In den Hundeausläufen und den Stadtparks wird diese Art des Umgangs noch immer von der Mehrheit der Hundebesitzer wiederholt und praktiziert. Die betroffenen Hunde müssen diese despotischen Drangsalierungen ihr ganzes Leben ertragen, nicht selten werden sie psychisch gebrochen. Schon ein Perspektivenwechsel in die Situation der betroffenen Hunde, die mit Millans Methoden "therapiert" und "resozialisiert" werden, sollte bei allen Menschen - insbesondere bei Autoren und Redakteuren von Hundezeitschriften - Empathie auslösen und zur Distanzierung von solchen Methoden führen. Möchten Sie in den Magen getreten werden? Möchten Sie an Ihrer Halskette zurückgerissen werden? Empfinden Sie diese Dinge als angenehm? Unumstritten sind übrigens auch die zahlreichen Fälle, in denen lebensfrohe Hunde nach einem Urlaubsaufenthalt in Millans Zentrum völlig verstört und gebrochen zu ihren Besitzer_innen zurückkehrten. Seicht in Ihrem Artikel zu erwähnen, dass es Kritiker von Millans Methoden gebe, wird der Verantwortung als Multiplikator für seriöses Wissen über Hunde, die Sie mit der Herausgabe von "Europas größtem Hundemagazin" übernommen haben, nicht gerecht. Damit fallen Sie den Lebenwesen, deren Bedürfnisse Sie vermeintlich vertreten, bedauerlicherweise in den Rücken. Mit freundlichen Grüßen Anja Helling (i.V. für Schulhund Käpt´n Jack) www.schulhund-jack.de

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X