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Loben und korrigieren Wie verhalte ich mich angemessen?

Astrid Nestler 08.07.2016

Moderne Hundeerziehung setzt auf Fairness, Motivation und gute Bindung. Aber wie erkläre ich meinem Hund plausibel, dass er in Zukunft meine Schuhe und den Sonntagsbraten in Ruhe lassen soll?

Wer streng ist, erwartet Gehorsam und führt Strafen aus. Doch das war früher. Heute meint Strenge vor allem konsequentes Handeln. Das ist viel anspruchsvoller, als Leinenrucke zu verteilen, und gelingt nicht immer und jedem. Wenn der Hund die Einkaufstasche plündert und die Wurst frisst, können wir vielleicht darüber lachen und beim nächsten Mal besser aufpassen. Was aber, wenn er sich von der Leine reißt, um im Wald das Reh zu hetzen? Mit einem „Ab ins Körb­chen“ oder „Keine Kauknochen für heute“ ist es selten getan. Das richtige Handeln im Affekt und immer schnell das Richtige tun, ist offenbar die größte Schwierigkeit, mit denen Hundehalter zu kämpfen haben. Denn ist der Ärger über hündische Eigenarten erst verraucht, kommen Zweifel und das schlechte Gewissen auf, Fragen wie: War ich zu streng? Habe ich ihn zu sehr ein­geschüchtert? Schließlich meint er es ja nicht böse. Wer Autorität erreichen will, ohne gleich autoritär zu sein, dem könnten die folgenden Regeln helfen.

Die Beziehung zwischen Hund und Mensch kann sehr glücklich machen, ist aber nicht immer einfach
Die Beziehung zwischen Hund und Mensch kann sehr glücklich machen, ist aber nicht immer einfach © Simone Becchetti

Weniger reden, gezielter handeln

Wenn Bello quengelt, weil Sie auf der Straße mit der Nachbarin sprechen, ersparen Sie ihm Sätze wie „Gleich geht es weiter“ oder „Frauchen ist bald fertig“. Ihr Hund weiß sowieso nicht, was gemeint ist. Treffen Sie lieber eine klare Entscheidung. Entweder gehen Sie augenblicklich weiter, weil Ihnen sein Gemaule ein schlechtes Gewissen bereitet, oder Sie entscheiden, sich weiter zu unterhalten. Im letzten Fall beachten Sie den Hund nicht weiter. Binden Sie ihn irgendwo an oder stellen Sie den Fuß auf die Leine, sodass er Sie weniger manipulieren kann. Am Ende des Gesprächs nehmen Sie die Leine kommentarlos auf und gehen weiter. So handeln Sie klar und konsequent.

Für jedes Schimpfen fünfmal loben

Hand aufs Herz: Wie oft loben Sie Ihren Hund, wenn er nicht an der Leine zieht, im Freilauf Blickkontakt hält, bei der ersten Aufforderung ins Auto hüpft, sich hinlegt oder kommt? Viele Hunde lernen: Wenn ich gehorche, kümmert es keinen. Bin ich lästig, bekomme ich sofort Aufmerksamkeit und zwar so lang, bis ich wieder gehorche. Leider ist es so, dass wir Gehorsam für selbstverständlich halten und deshalb erwünschtes Verhalten selten loben, vor allem wenn der Hund schon etwas älter ist. Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit doch einmal wieder auf all das, was er gut macht. Sie werden sehen, es ist eine ganze Menge! Es hilft auch, Ausrutscher gelassener hinzunehmen.

Nur wirklich Wichtiges zur Regel machen

Jeden Tag Sport. Dieser Vorsatz wäre auch für uns schwieriger einzuhalten, als sich vorzunehmen, dienstags und freitags joggen zu gehen. Stecken Sie sich kleine Ziele, auch in Bezug auf Ihren Hund. Stellen Sie höchstens zwei, drei feste Regeln auf, zum Beispiel: Er muss immer gleich kommen, wenn ich ihn rufe. Bei „Nein“ muss er das, was er gerade tut, sofort lassen, und an der Leine darf er mich nicht ziehen. Diese Regeln verfolgen Sie konsequent, bei anderen Dingen sind Sie dagegen großzügig. Dazu gehört auch, dass Sie überlegen, bevor Sie Ihren Hund rufen, welche Strategie Sie haben, wenn er den Befehl ignoriert. Sie könnten beispielsweise die Richtung wechseln oder sich verstecken. Eine andere Möglichkeit ist, dass Sie Ihren Hund mit der Schleppleine absichern und ihn nur dann rufen, wenn Sie in der Nähe der Schleppleine sind und den Hund damit heranholen können. Rufen Sie folglich niemals, wenn Sie Ihren Befehl nicht durchsetzen können oder wenn Sie sich nicht ganz sicher sind, dass er auch kommen wird. In diesem Fall gehen Sie ihn kommentarlos holen.

Ich führe meinen Hund

Bello mag keine Menschen mit gelben Jacken, Fido fährt im Auto nur auf dem Beifahrersitz. Erna duldet neben Frauchen keinen Mann im Bett, und Biene geht in der Früh erst Gassi, wenn sie zuvor ihren Joghurt bekommen hat. Manche Marotten amüsieren uns, anderen gegenüber stehen wir hilflos da. Bedenken Sie: Darf der Hund überwiegend selbst entscheiden, was er tut und was nicht, kann ihn das auch überfordern. Hunde lieben Menschen, die wissen, wo es langgeht, und feste Vorgaben machen, an denen sie sich orientieren können. Machen Sie sich rechtzeitig bewusst, wo es sinnvoll ist, Freiraum zu geben, und wo nicht. „Jedes Lebewesen hat das Recht, so erzogen zu werden, wie es seine leibliche Mutter oder seine Eltern tun würden“, schlägt die Aschaffenburger Trainerin Petra Führmann als Richtschnur vor.

Es zählt immer nur das Jetzt

Die große Kunst in der Hundeerziehung ist der schnelle Wechsel zwischen ehrlichem Unmut und wahrhaftiger Freude. Es bedeutet: Was gerade noch war, sofort loslassen zu können, zugunsten dessen, was gerade ist. Keine Frage, diese schnellen Richtungsänderungen unserer Gefühle erfordern Übung. Ihr Hund will der Katze nachgehen? Wenn Sie ihn jetzt einschränken, darf er deutlich spüren, dass Sie davon nichts halten. Er lässt es und geht vorbei? Sofort schalten Sie um, entspannen und loben ihn freundlich. Es wird sicher nicht jedes Mal gelingen ihn abzuhalten, dafür sind Hunde zu schnell. Wenn Sie ihm aber Ihren Unmut gar nicht zeigen, wenn er versucht, der Katze hinterherzugehen, fehlt ihm eine wichtige Information, nämlich dass Jagen unerwünscht ist.

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