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Interview „Nicht den Spiegel putzen, wenn du Dreck im Gesicht hast!“

Anita Balser 18.05.2017

Hunde sind ganz besondere „Blindfleckbeleuchter“, sie berühren etwas in uns. Das sagt Anita Balser aus Usingen bei Frankfurt. Die Gründerin der -„hundeTEAMschule“ hat sich neben der Beziehungsarbeit darauf spezialisiert, die Lektionen der Hunde für uns Menschen zu übersetzen.

DOGS: Spiegeln alle Hunde ihre Menschen?

Nein, aber die Menschen spüren in der Regel eine Spiegelung tief in sich. Sie -bemerken, dass ihre Hunde sich unterschiedlich verhalten, abhängig von ihrer Stimmung. Ist man gelassen, ist der Hund gelassen. Ist man gestresst, reagiert der Hund mit „Fehlverhalten“. Aber es gibt auch Teams, bei denen „Fehlverhalten“ aus einem Ungleichgewicht von Zuneigung und Respekt resultiert.

Habe ich zufällig diesen oder jenen Hund?

Ich für mich weiß, dass es keine Zufälle gibt. Bei Spiegelungen bekommt man -genau den Hund, den man in einem -Lebensabschnitt braucht. Ich wäre froh, wenn die Menschen zumindest mal in -Erwägung ziehen würden, dass der Hund vielleicht eine Lektion für sie hat, anstatt nur nach einer Methode zu suchen, -„Fehlverhalten“ abzustellen.

Wie finde ich heraus, welche Lektion das ist?

Im ersten Schritt ist es hilfreich, mit –Umkehrungen zu arbeiten und den Namen des Hundes durch sich selbst zu ersetzen: Der Hund jagt – ich jage. Der Hund ist -aggressiv – ich bin aggressiv. Das ist ungewohnt, klärt aber vielleicht auf, wem oder was ich in meinem Leben gestresst hinterherjage. Oder wo ich abwehrend im Sinne von Nein reagieren sollte. Häufig ist für den Hundehalter ein Thema, das der Hund spiegelt, ein Lebensthema, das sich auch in der Beziehung zu Menschen oder Situationen gezeigt hat.

Was deutet noch auf eine Spiegelung hin?

Typisch ist, wenn Leute über einen län-geren Zeitraum die unterschiedlichsten Methoden ausprobiert haben, es aber nicht schaffen, das Problem zu lösen. Dann stelle ich Fragen: Was hat es mit dir zu tun? Nicht selten bringt das einen wunden Punkt zutage. Der Fokus geht weg vom Hund und richtet sich nach innen. Das Denken der Leute verändert sich. Sie fragen sich: Wie gehe ich mit meiner Aggression um? Lehne ich diesen Teil in mir ab?

Und dann hört das Fehlverhalten auf, weil die Botschaft beim Menschen ankommt?

Was auf jeden Fall passiert, ist Folgendes: Wenn der Mensch seinen Fokus von dem Ärger über den Hund auf sich selbst -richtet, spürt der Hund, dass der Druck in den jeweiligen Situationen verschwindet. Durch ein Coaching kann man sogar -bewirken, dass der Mensch dem Hund plötzlich dankbar für sein Fehlverhalten ist, erinnert es den Menschen doch daran, an sich arbeiten zu dürfen. Dies wiederum spürt der Hund, und dann kann es tatsächlich sein, dass der Hund das Fehlverhalten innerhalb von zwei bis drei Wochen komplett ablegt. So etwas zu erleben, ist für viele Hundehalter ein sehr berührender Moment und verhilft der Beziehung auf eine neue Ebene.

Hundetrainerin Anita Balser

Selbsterkenntnis lehrt Anita Balser auf ihrer DVD „Die große Freiheit 2“, in der „menschenTEAMschule“ und in Videos, die sie regelmäßig auf Facebook postet, www.hundeteamschule.de

Und wenn er aggressiv ist oder jagt?

Gegenfrage: Dein Hund ist aggressiv oder er jagt, was macht das mit dir? Oft kommen Antworten wie Versagensängste oder es ist mir peinlich. Der Mensch merkt: Was der Hund in mir auslöst, das lösen auch andere Lebenssituationen in mir aus. Kläre die, dann reden wir über den Hund.

Sind Frauen eigentlich offener für das -Thema Spiegelung als Männer?

Achtzig bis fünfundachtzig Prozent der Kunden von Hundeschulen sind Frauen. Ein typisches Frauenthema ist: Zeig mal, wer du wirklich bist! Frauen neigen dazu, zurückzustecken oder anderen den Vortritt zu lassen. Dem Hund ist es egal, ob er sich in unseren Augen danebenbenimmt und was der Nachbar denkt. Das Angepasste, was wir Frauen oft haben – ich sage Ja und meine eigentlich Nein –, spiegeln die Hunde oft, indem sie sich daneben-benehmen. Der Hund ist aggressiv und die Halterin denkt: Ich wäre gerne durchsetzungsfähiger, traue mich aber nicht. Hunde spiegeln häufig Anteile, die wir nicht fühlen wollen, bei Frauen ist das oft Aggres-sion im Sinn von Durchsetzungskraft.

Und wie ist das bei Männern?

Es ist Männern häufiger egal, was andere über sie denken. Bei einer Frau muss ich sehr darauf achten, was meine Worte auslösen. Der Mann steht zwei Stunden mit verschränkten Armen daneben, und zum Schluss frage ich: Willst du auch mal den Hund führen? Antwort: Jou. Und dann tritt er vor und macht es. Männer machen sich weniger Probleme. Sie wollen, dass es funktioniert. Einer hat mal gesagt: „Wenn ich dafür dreimal um einen Baum laufen muss, dann mache ich das halt.“

Johanna mit Momo

2017.07.06 um 16:06 Uhr

Ich liebe Anita und ihre Arbeit. Ich habe bereits zwei Seminare und einen Trainingstag nach HTS gehabt und kann es jedem empfehlen. Man muss bereit sein umzudenken und sich von der köassichen Leckerchentour zu lösen. Der Hund ist ein wunderbares Wesen und HTS ermöglicht es mit ihm auf eine für beide Seiten verständliche Weise zu leben. Und meiner Meinung nach ist es so viel leichter und sinnhafter, weil die Art der Kommunikation der Hundewelt entstammt und für die Hudne einfach verständlicher ist als jeder Leckerlieregen

Elke mit Thara und Timon

2017.07.04 um 23:06 Uhr

Ich arbeite seit ca. 6 Jahren nach HTS und bin sehr froh, Anita und ihre Trainer kennen gelernt zu haben. Vor 9 Jahren bekamen wir genau die Hündin, die uns spiegelte. Durch sie haben wir ungeimlich viel gelernt, nicht nur über Hundeverhalten, auch der Umgang mit unserem Umfeld hat sich für uns sehr positiv verändert. Ihr Fehlverhalten löste sich nach und nach in Luft auf und inzwischen haben wir zwei Hunde und alles ist sehr harmonisch. Vielen Dank an Anita!

Maike Egidi

2017.06.30 um 12:29 Uhr

Ich kenne Anita Blaser und ihre Arbeit noch nicht lange, aber ich bin jetzt schon begeistert! Ihre Form mit Hunden umzugehen ist einfach super und das Konzept in sich stimmig und für jeden Hund zutreffend. Ich würde mich freuen in Zukunft noch mehr über ihre Arbeit in der DOGS lesen zu können! :)

Andrea Ummenhofer

2017.06.30 um 11:50 Uhr

Anita Balser hat für mich die beste Methode entwickelt, mit Hunden zu leben. Der Mensch muss erst mal lernen, die Körperhaltung und Körpersprache von sich selbst und dann vom Hund. Wenn man die Arbeit von Anita begriffen hat, und auch mal versucht, wie ein Hund zu denken, dann ist es eine wunderbare, einfache Möglichkeit eine gute gegenseitig befriedigende Beziehung aufzubauen.

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