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Borreliose & Co. Zecken: Gefahr für den Hund

Dr. Brigitte Glöwing 14.03.2012

Jedes Jahr aufs Neue beginnt im Frühling die Zeckensaison. Stellt sich die Frage: Sind Zecken gefährlich für unsere Hunde? DOGS erklärt die Erkenntnisse zur Bedrohung und die Möglichkeiten der Bekämpfung von Zecken.

Es geht wieder los. Kaum hat es die Frühlingssonne geschafft, Land und Luft zu erwärmen, hängen die ersten Zecken wie Kletten im Fell unserer Hunde. Zecken an sich sind eher lästig als gefährlich, außer sie treten in Massen auf. Doch die Krankheiten, die von Zecken übertragen werden, können Menschen und Tieren ganz schön zusetzen. Ihre Rolle als Überträger von Zoonosen wie Borreliose, Babesiose und Ehrlichiose macht die Parasiten attraktiv für die Wissenschaft.

Ein Heer von Parasitologen beschäftigt sich seit geraumer Zeit mit den Lebensgewohnheiten von Zecken. Mit dem Wissen über Zecken wächst auch der Markt der Antizeckenmittel, mittlerweile ein regelrechter Dschungel aus verschiedenen Halsbändern, Spot-on-Präparaten, Sprays, Shampoos und Pudern, in dem der Hundehalter ohne mikrobiologische Kenntnisse schnell den Überblick verliert. Aber mal ehrlich, brauchen unsere Hunde diese ganzen Mittel gegen Zecken überhaupt?

Zecken fallen entgegen einem verbreiteten Volksglauben nicht von Bäumen, sondern warten auf der Spitze langer Grashalme oder schaukelnd auf dem Blatt eines Strauchs in etwa einem Meter Höhe auf ihre Opfer.
Zecken fallen entgegen einem verbreiteten Volksglauben nicht von Bäumen, sondern warten auf der Spitze langer Grashalme oder schaukelnd auf dem Blatt eines Strauchs in etwa einem Meter Höhe auf ihre Opfer. © Stocksy

Angst vor Zecken: bei uns im kühleren Norden Europas?

Fest steht: Die Zahl der Zecken nimmt zu, und immer neue Arten breiten sich aus. Dr. Frederic Beugnet, Parasitologe beim Pharmakonzern Merial, ist überzeugt, dass Zecken in Europa auf dem Vormarsch sind. Der Klimawandel und die Veränderung in der Agrarlandschaft sind mögliche Gründe. Besonders in warmen Sommern können sich auch die mediterranen Arten bei uns gut entwickeln. Neue Lebensräume für Zecken entstehen durch die Stilllegung landwirtschaftlicher Nutzflächen und den geringeren Einsatz von Pestiziden. Eine Zunahme von Wildschweinen und kleinen Nagern als Wirtstiere begünstigt die Verbreitung von Zecken.

In Deutschland kann beobachtet werden, dass die auffällig gemusterte Auwaldzecke ihr Verbreitungsgebiet ausdehnt. Exotische Krankheiten sind jetzt auch in Deutschland registriert worden. Babesiose, Ehrlichiose und Anaplasmose waren klassische Reisekrankheiten des Hundes. Die Vierbeiner infizierten sich vor allem, wenn sie ihre Besitzer im Mittelmeerraum begleiteten. Doch mit der gesteigerten Reisefreude von Halter und Hund kamen in den zurückliegenden Jahren viele durch Zecken infizierte Hunde nach Deutschland zurück.

Lange dachte man, die hier auftretenden Erkrankungen seien eingeschleppt. Mittlerweile ist klar: Auch hierzulande können sich Hunde infizieren. Insgesamt hat die Zahl aller Zeckenerkrankungen in den letzten Jahren sprunghaft zugenommen, was – da sind sich die Experten einig – auch an einer verbesserten Diagnostik liegen wird.

Zecken gelten als Sommerplage. Aber einige Arten stechen auch im Winter zu. Am aufdringlichsten sind Zecken, wie man es zu kennen meint: zweimal im Jahr, Anfang Juni und Mitte September. Während der wärmeren Jahreszeit sind Zecken in den späten Vormittagsstunden und am frühen Abend besonders mobil. Die Tiere brauchen im Allgemeinen Temperaturen von mindestens sechs bis acht Grad. Ist diese Temperatur im Frühjahr über mehrere Tage erreicht, erwachen Zecken folglich aus ihrer Winterruhe und werden aktiv.

Die Saison für Auwaldzecken beginnt bereits früher und endet später, unter guten klimatischen Bedingungen dauert sie nicht selten sogar von Februar bis Dezember. Die Braune Hundezecke überlebt den deutschen Winter üblicherweise nicht im Freien und ist daher selten. Sie kann nach Einschleppung aus dem Ausland innerhalb von Wohnräumen, Tierheimen oder Hundezwingern hierzulande ganzjährig vorkommen. Diese Art kann sich auch in geschlossenen Räumen vermehren, sodass es zu einem Massenbefall kommen kann.

Wo halten sich Zecken auf?

Entgegen einem verbreiteten Volksglauben fallen Zecken nicht von den Bäumen. Die Minivampire lauern nicht in Ästen, sondern warten auf der Spitze eines langen Grashalms oder schaukelnd auf dem Blatt eines niedrigen Strauchs in etwa einem Meter Höhe auf ihre Opfer. Zecken werden von Spaziergängern im Vorbeigehen abgestreift oder sie lassen sich fallen. Sie reagieren dabei auf Wärme und vor allem auf Geruch.

Wo stechen Zecken am liebsten zu?

Manche Zecken bewegen sich bis zu zwei Stunden auf der Suche nach der richtigen Stelle umher, bevor sie zuschlagen. Sie bevorzugen spärlich behaarte Stellen mit dünner Haut. Bei Hunden finden sie diese am Kopf, an den Ohren, am Hals, im Zwischenzehenbereich, an Bauch und Schenkelinnenseiten. Beim Menschen lieben Zecken besonders gut durchblutete Hautpartien. Das sind die Kopfhaut, Ohren, Hals, Arm- und Kniefalten, Leisten, Hände und Füße. Die Zecken graben mit ihren Mundwerkzeugen einen Hohlraum in die Haut des Wirts. Der füllt sich mit Blut, das von der Zecke aufgesogen wird. Damit das Opfer von den Machenschaften der Zecke nichts bemerkt, befinden sich in ihrem Speichel betäubende und gerinnungshemmende Substanzen.

Wie werden Zecken richtig entfernt?

Vorsicht: Hausmittel zum Entfernen von Zecken können gefährlich sein! Cremes, Öl, Alkohol oder Nagellackentferner auf der Zecke kann den Quälgeist töten. Infizierte Zecken sondern jedoch im Todeskampf vermehrt erregerhaltigen Speichel in ihren Wirt. Besser ist das schonende Entfernen mit Zeckenzange, Zeckenkarte oder mit den Fingern. In einer schwedischen Studie wurde untersucht, ob Knoblauch die Zecken den Menschen vom Leib halten kann. Das Ergebnis: Knoblauchesser hatten signifikant weniger Zecken als die Testpersonen mit einem Placebo. Verlassen kann man sich auf die Kraft der Knolle allerdings nur bedingt, für Hunde ist sie ohnehin giftig und verboten.

Soll man ziehen oder drehen?

So werden Zecken richtig entfernt: Zecken haben kein Gewinde, sondern Mundwerkzeuge, die mit Widerhaken versehen sind. Sie werden deshalb herausgehebelt und nicht -gedreht. Lässt das Tier nicht los, sollte man dreißig Sekunden leichten Zug ausüben, bis der Blutsauger loslässt und sich abnehmen lässt.

Eine Hautrötung an der Einstichstelle tritt nicht bei jeder Infektion auf. Das Fehlen einer Rötung ist kein Beweis für das Ausbleiben einer Infektion. Eine ringförmige Rötung der Haut um die Einstichstelle entwickelt sich nur in Dreiviertel der Borreliose-Infektionen. Deshalb sollte man sich nicht nur auf dieses Symptom verlassen.

Bei Hunden wird die Wanderröte selten beobachtet und ist ohnehin durch das Fell verdeckt. Bei Babesiose oder Frühsommer-Meningoenzephalitis-Infektionen (FSME) entsteht erst gar keine Hautrötung.

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