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NEUROLOGISCHE ERKRANKUNG Epilepsie – Flimmern im Kopf

Dr. Brigitte Glöwing 16.09.2016

Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung bei Hunden, Tendenz steigend! Die betroffenen Tiere zucken, zittern und verdrehen die Augen, spontane Entladungen in ihrem Hirn führen zu heftigen Krämpfen im ganzen Körper. Die Ursachen für das Gewitter im Gehirn bleiben meistens ungeklärt, manche Rassen sind besonders betroffen

Kein Krampf ist vorhersehbar

Es beginnt mit dem leeren, nach innen gekehrten Ausdruck der Augen. Der Hund fällt auf die Seite, streckt seine verkrampften Beine nach oben und rudert wild mit allen vieren. Seine Kiefer schlagen aufeinander. Er hechelt stark, speichelt, verliert Kot und Urin oder sogar sein Bewusstsein. Nach ein paar Minuten ist der Spuk vorbei, der Hund schüttelt sich, ist zunächst verwirrt und hat großen Durst und Hunger.

Sogenannte Grand-mal-Anfälle sind die häufigsten, doch kein Anfall gleicht dem anderen, und längst nicht jeder läuft dramatisch ab. Beim fokalen Anfall zucken nur einzelne Muskelgruppen oder der Hund versucht zwanghaft, imaginäre Insekten abzuwehren. Auch ständiges Kopfschütteln, Kauen und Lecken sowie aggressives Verhalten können Hinweis auf Epilepsie sein. Sofern man überhaupt darauf achtet: Viele Anfälle bleiben nämlich unerkannt.

© Mirja Winkelmann

Was der Mensch tun sollte

Hat ein Anfall erst begonnen, kann er durch nichts gestoppt werden, weiß Dr. Martin Deutschland, Tierneurologe aus Berlin. Ruhe bewahren sei jetzt geraten, bloß keine Panik verbreiten. Auch Vorsicht ist geboten, denn Epileptiker machen unbewusste und ungesteuerte Bewegungen, weshalb Herrchen oder Frauchen dafür sorgen sollte, dass sich der Hund nicht durch umstürzende Möbel verletzt oder ein kleines Tier zum Beispiel vom Sofa fällt. Mancher Hund klappert so heftig mit dem Gebiss, dass die Zunge blutet. Doch dies zu verhindern, indem man sein Maul aufhält, kann auch die eigene Hand verletzen. Ebenfalls tabu ist eine Tabletteneingabe während der Krampfattacke. Während eines Anfalls verschlucken sich Hunde leicht. „Es hilft aber, dem Hund gut zuzureden, damit die Stimme beruhigend auf sein vegetatives Nervensystem wirkt“, rät Martin Deutschland, Spezialist mit neurologischer Überweisungspraxis für Haustiere.

Tierärzte finden es sehr nützlich, wenn Tierhalter ein Epilepsietagebuch führen, in dem sie jeden Anfall ihres Hundes dokumentieren. Wichtig sind dabei die Abstände zwischen zwei Anfällen und die Intensität des Anfalls. Wie lang war der Kontrollverlust des Hundes und was geschah unmittelbar davor? Bei den ersten Anfällen ist es durchaus sinnvoll, das Ereignis – selbst wenn es schwerfällt – mit der Kamera oder dem Handy zu filmen. Nehmen die Abstände zwischen den Anfällen kontinuierlich ab, sollte spätestens dann eine Therapie erfolgen, so der Tierneurologe.

Wer zu Epilepsie neigt

Sehr viele Hunde erleiden einen einzigen epilepsieähnlichen Anfall in ihrem Leben, meist zwischen dem zweiten und vierten Lebensjahr. Ein Krampf aber macht noch keine Epilepsie. Erst bei wiederholtem Auftreten stellt der Tierarzt die Diagnose, und die Suche nach der Ursache beginnt. Unterschätzen sollte man das Risiko nicht: „Epilepsie ist auf dem Vormarsch“, sagt Dr. Martin Deutschland, „weil Rassen mit erhöhtem Epilepsierisiko wie Golden Retriever, Border Collie oder Chihuahua immer beliebter werden.“ Von zweihundert Hunden erkrankt statistisch gesehen einer. Beim Border Collie konnte in einer Studie der Universität München eine Vererbung der Epilepsie nachgewiesen werden. Auch bei Vizsla, Berner Sennenhund, Beagle, English Springer Spaniel, Deutschem Schäferhund und Australian Shepherd wurde eine genetische Veranlagung für Fallsucht, wie Epilepsie früher genannt wurde, aufgezeigt. Anatomische Veränderungen können Schuld sein, zum Beispiel vererbbare Stoffwechselerkrankungen, die mit Anfällen einhergehen. Nach präzisen Gründen, warum eine Rasse empfänglicher für Epilepsie ist als andere, wird geforscht.

Griechisch: Angriff

Ein epileptischer Anfall ist die Folge plötzlicher Erregung von Nervengruppen im Gehirn und sorgt dafür, dass ein Betroffener aus heiterem Himmel die Kontrolle über seine Muskeln verliert. Elektrische Entladungen im Gehirn erregen Nervenzellen, die den Impuls an das Rückenmark leiten und so die Skelettmuskeln aktivieren, was zu Krämpfen und unkontrollierten Bewegungen führt. Der Grand-mal-Anfall (vom Französischen, etwa „großes Übel“) ist eine Funktionsstörung in beiden Großhirnhälften. Beim fokalen Anfall sind die Erregungen nur in einem kleinen Bereich des Gehirns vorhanden, die zu Muskelzuckungen oder zwanghaften Bewegungen führen.

Zwei Formen von Epilepsie sind bekannt

Tiermediziner unterscheiden die symptomatische von der primären oder idiopathischen Epilepsie. Bei der symptomatischen Epilepsie werden die Anfälle durch vorliegende Erkrankungen wie Diabetes oder Schilddrüsenunterfunktion hervorgerufen. „Symptomatische“ deshalb, weil diese Form der Krankheit ein Symptom für die Grundkrankheit ist. Auch Leber- und Nierenfunktionsstörungen, Vergiftungen, Staupe, Hirntumoren und Entzündungen im Gehirn können epileptische Anfälle auslösen. Für die Heilung wird immer ursächlich behandelt, denn mit der Besserung der Grunderkrankung werden auch die Krampfanfälle verschwinden.

Die idiopathische Epilepsie gibt Tiermedizinern ein Rätsel auf, denn selbst in der Magnetresonanztomografie sind keine anatomischen Veränderungen im Gehirn von erkrankten Hunden nachweisbar, es fehlt also die erkennbare Ursache. Die genaue Diagnose kann nur durch Ausschluss aller anderen Ursachen für die Epilepsie gestellt werden. Die idiopathische Form kommt häufiger vor als die symptomatische und ist in den meisten Fällen nicht heilbar, sodass Hundehalter sich auf eine lebenslange Therapie ihres Schützlings einstellen müssen. Nur bei einem Drittel der Patienten befreit die Therapie den Hund von Anfällen. Bei gut einem Drittel vergrößern sich die Abstände zwischen den Anfällen, Schwere und Anzahl nehmen ab. Ein weiteres Drittel erweist sich als therapieresistent. Die Einstellung der Medikamente ist aber langwierig und erfordert viel Geduld und Fürsorge vom Besitzer.

Marcus.S

2016.09.18 um 09:12 Uhr

Es ist einfach nur eine schreckliche Krankheit. Die einem ein Leben lang begleitet. Jeder Züchter sollte sich die Bilder vor Augenhalten. https://www.youtube.com/watch?v=tF5NBEeCBQM Unser Milow ist mit 7 Monaten erkrankt. :-( Seit dem werden seine Nervenbahnen mit Luminal und Dibro weitgehend still gelegt. Und leider krampft er doch noch. http://gassi-tv.de/Tierportrait/Diagnose-Epilepsie hier unsere fall. Der letzte Satz im Artikel ist der beste. Die Tiere inkl. Rüden gehören aus der Zucht genommen.

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