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NEUROLOGISCHE ERKRANKUNG Epilepsie – Flimmern im Kopf

Dr. Brigitte Glöwing 16.09.2016

Epilepsie ist die häufigste neurologische Erkrankung bei Hunden, Tendenz steigend! Die betroffenen Tiere zucken, zittern und verdrehen die Augen, spontane Entladungen in ihrem Hirn führen zu heftigen Krämpfen im ganzen Körper. Die Ursachen für das Gewitter im Gehirn bleiben meistens ungeklärt, manche Rassen sind besonders betroffen

Anfälle sind nie vorhersehbar

Meist gibt es keinen äußeren Auslöser, fast immer findet ein epileptischer Anfall zu Hause in vertrauter Umgebung statt. Vor allem in den Ruhezeiten, abends, nachts oder frühmorgens. Besonders bei der idiopathischen Epilepsie besteht kein Zusammenhang mit körperlicher Anstrengung oder Stress, somit muss die Aktivität eines Epileptikers auch nicht eingeschränkt werden. Ignorieren wäre allerdings fatal: Während eines Anfalls können Sauerstoffmangel, Hirnblutungen oder Entzündungsherde im Gehirn entstehen, was weitere Krampfattacken nach sich zieht. Das Risiko von Serienanfällen mit mehreren Krämpfen pro Tag steigt, ebenso das Risiko des Super-GAUs: des Status epilepticus, eines Anfalls, der länger als dreißig Minuten dauert und für den Hund lebensbedrohlichen Stress bedeuten kann.

Behandlung von idiopathischer Epilepsie

Vier Wochen muss die Anfangsbehandlung mindestens dauern, um eine Wirkung festzustellen. Ist diese nicht ausreichend, wird die Dosis erhöht und wiederum vier Wochen lang beobachtet. Bis eine Besserung eintritt, kann es mehrere Monate dauern. Behandelt wird diese Form mit Medikamenten, den sogenannten Antiepileptika, mit denen man versucht das Gehirn zu beruhigen und die spontanen Entladungen zu unterdrücken. Bei einem einmaligen Anfall oder Anfällen in Abständen von mehr als sechs Monaten besteht aus Sicht von Fachleuten kein Grund für eine medikamentöse Langzeitbehandlung. Häufen sich die Anfälle, sollte schnell therapiert werden, um auszuschließen, dass sich Anfälle in immer kürzeren Abständen wiederholen und stärker werden.

© Mirja Winkelmann

Wirkstoffe gegen Epilepsie

Antiepileptika werden seit mehr als hundert Jahren eingesetzt. Das bekannteste Beruhigungsmittel ist Phenobarbital. Es wirkt krampfhemmend, kann aber besonders am Beginn einer Therapie starke Nebenwirkungen hervorrufen. Die behandelten Hunde werden müde, sie wirken sediert und zeigen taumelnden Gang. Dauerhafte Nebenwirkungen können gesteigerter Appetit und Durst sein. Das Salz Kaliumbromid wird bei vorhandenen Leberschädigungen eingesetzt, außerdem in Kombination, wenn Phenobarbital allein nicht ausreichend wirkt. Seit dem April 2014 ist der Wirkstoff Imepitoin auf dem Markt, der weniger Nebenwirkungen als Phenobarbital bei gleicher Wirkung verspricht.

Keine Besserung in Sicht?

Bei therapieresistenten Tieren gilt abzuklären, ob es sich zweifelsfrei um die idiopathische Epilepsie handelt. Spätestens dann sollte eine Untersuchung im Magnetresonanztomografen erfolgen oder die Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit untersucht werden. Führt auch diese Untersuchung zu keinem Hinweis auf eine andere Grunderkrankung wie beispielsweise eine Entzündung des Gehirns, so überprüft der behandelnde Tierarzt die Dosierung des Antiepileptikums anhand des Medikamentenblutspiegels. Mit diesem Bluttest kann er erkennen, ob eine genügend hohe Konzentration des Medikaments im Blut vorhanden ist. In manchen Fällen muss ein anderes Mittel gewählt werden oder eine Kombination aus verschiedenen Stoffen. Wichtig zu wissen: Epilepsien können auch ein klinisches Anzeichen, manchmal sogar das einzige, für Tumoren- oder entzündliche Erkrankungen des Gehirns sein, die ebenfalls nicht auf gängige Therapien ansprechen.

Diagnose Epilepsie bedeutet nicht das Ende

„Es ist erstaunlich, wie selbst hochdosierte Hunde mit erheblichen Leberwertveränderungen ein gesundes Leben führen können“, so Fachtierarzt Martin Deutschland. Das größere Problem ist nicht selten, dem vergrößerten Hunger mit einer fettreduzierten, leberschonenden Diät beizukommen. Viele Epileptiker nehmen zu und leiden an Übergewicht. Einen Grund, einen epileptischen Hund gleich einzuschläfern, sieht der Tierneurologe selten. Im Lauf seiner praktischen Arbeit hat Deutschland nur zehn Hunde wegen nicht therapierbarer Epilepsie euthanasiert. Dazu gehörten auch einige Border Collies – diese Hunde können sehr schwierige Epilepsien entwickeln. Moderne Tiermedizin schenkt dennoch Hoffnung, sie verfügt über immer bessere Möglichkeiten zur Diagnostik und Therapie.

Was spürt der Hund?

Ob ein krampfender Hund leidet, ist schwer zu beantworten, meint Dr. Deutschland. „Vom Menschen weiß man, dass Epileptiker während eines Anfalls nicht viel mitbekommen. Experten schließen daraus, dass auch Hunde nur mäßig leiden.“ Schlägt die vom Haustierarzt eingeleitete Therapie nicht an, können diagnostisch gut ausgestattete Tierkliniken oder spezialisierte Tierneurologen oft weiterhelfen. Auf Züchter kommt eine besondere Verantwortung zu. Bisher gibt es keinen Gentest, der das Risiko, an Epilepsie zu erkranken, vorhersagt. Nur wenn Züchter rigoros verdächtige Tiere aus der Zucht nehmen, deren Nachkommen unter Epilepsie leiden, lässt sich die weitere Verbreitung verhindern.

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