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Fitness-Check Wie fit ist mein Hund?

Kate Kitchenham, Dr. Brigitte Glöwing 19.04.2016

Eine schlanke Figur und mühelose Ausdauer machen einen guten Eindruck – doch wie lässt sich die Fitness des Hundes zuverlässig beurteilen? Plus: Wie fit ist Ihr Hund? Machen Sie den DOGS Fitness-Check!

Weltweit gibt es rund 400 Hunderassen, die in Größe und Körperform extrem variieren. Würde man diese verschiedenen Typen ins Stadion zum Wettlauf schicken, würde dem Mops schon nach zehn Minuten die Puste ausgehen, während die meisten Windhunde auch nach fünf Runden Dauerlauf noch bei bester Laune wären. „Ein direkter Vergleich körperlicher Fitness oder sportlicher Talente, wie das bei Menschen über den Body-Mass-Index geht, wäre bei Hunden ziemlich unfair“, erklärt Claudia Rade, Fachtierärztin für Tierernährung und Diätetik.

Wie fit ist mein Hund
Weil der Hund seine Körpertemperatur mit Hilfe des Hechelns reguliert, ist die Atemfrequenz nach einem Sprint nicht aussagekräftig. Der Puls kann stattdessen Aufschluss über die Konstitution des Hundes geben. © plainpicture/ Westend61/ Marco Govel

„Die Beurteilung der körperlichen Verfassung der Hunde muss unter Berücksichtigung von typ- und rasseabhängigen Kriterien erfolgen“, bekräftigt auch der Tierarzt Martin Bucksch aus Hamburg. Für DOGS haben beide die wichtigsten Fitness-Parameter zusammengefasst, mit denen Hundehalter die individuelle Konstitution unserer Hunde einschätzen können.

Fitness-Station 1: die Ernährung

Glänzt sein Fell, leuchten die Augen, ist seine Figur in Form? „Wird ein Hund optimal ernährt, ist er nicht nur ein schöner Anblick, seltener krank, sondern er hält auch sein Normalgewicht und setzt ein- bis zweimal am Tag gut geformten Kot ab“, erklärt Hunde-Ernährungsfachfrau Claudia Rade. Dabei kann gute Ernährung auf verschiedene Wege erreicht werden.

Sogenannte Alleinfutter enthalten alle für die entsprechende Altersgruppe lebenswichtigen Nährstoffe im richtigen Verhältnis und in bedarfsdeckender Menge. Die Zugabe von Nahrungsergänzungen ist hier überflüssig. Ob Feucht- oder Trockenfutter ist eher Geschmackssache als ein ernährungsphysiologischer Unterschied – die verwendeten Rohstoffe sind die Gleichen. Übrigens: Dosenfutter kommt immer ohne Konservierungsstoffe aus, da es durch Erhitzung haltbar gemacht wird.

Und natürlich ist es möglich, Hundefutter auch selbst zusammenzustellen. Dies erfordert aber Sachkenntnis über den Nährstoffgehalt der Zutaten wie Fleisch, Kartoffeln und Gemüse und den Bedarf des Tieres. Sicherheitshalber sollte die Rezeptur vom Ernährungsexperten in regelmäßigen Abständen rechnerisch auf Vollständigkeit überprüft werden, bevor sie dauerhaft zur Anwendung kommt.

Vorsicht bei Nahrungsergänzungen. „Nicht alle sind sinnvoll und in der Anwendung unbedenklich“, meint Claudia Rade. „Wird ein Alleinfutter oder eine vom Experten berechnete Ration gefüttert, kann das Untermischen dieser Mittel das Nährstoffgleichgewicht durcheinanderbringen.“ Vorsicht ist bei übermäßiger Anwendung von Vitamin A und D geboten, da diese fettlöslichen Vitamine in der Leber gespeichert werden. Kalziumpräparate sind beim wachsenden Hund nur zu empfehlen, wenn eine Kalziumunterversorgung durch eine Rationsprüfung nachgewiesen wurde. Fragen Sie den Tierarzt danach.

Wegen ihrer positiven Wirkung beliebt und relativ gut untersucht sind Präparate auf der Basis essenzieller Fettsäuren und Zink für schönes Fell oder solche mit gelenkwirksamen Substanzen zur Vorbeugung gegen Gelenkverschleiß.

Manche Hunde schlingen, andere beäugen mäkelig, was wir ihnen anbieten. „Beim schlechten Fresser sollte man zuerst ausschließen, dass organische Ursachen dahinterstecken“, rät Claudia Rade. Ist der Hund gesund, empfiehlt sie, nach einer halben Stunde den Napf wegzunehmen. „Der hastige Schlinger kann durch einen Futterball dazu gezwungen werden, sein Futter langsamer zu sich zu nehmen.“ Generell gilt: Am besten zweimal pro Tag füttern und dem Hund nach dem Fressen eine Verdauungspause gönnen. „Bekommt der Hund täglich etwa zeitgleich sein Futter, wird sein Körper im Vorfeld mit der Produktion von Verdauungssäften beginnen, was wiederum die Nährstoffaufnahme verbessert.“

Fitness-Station 2: die Figur

Ein Problem mit überflüssigen Pfunden haben nicht wenige Hunde, so Tierärztin Rade. „Dreißig bis fünfzig Prozent aller Hunde in Deutschland sind übergewichtig.“ Ein Richtwert zur Überprüfung des eigenen Hundes können Daten sein, die „bei Rassehunden über das durchschnittliche Gewicht männlicher beziehungsweise weiblicher erwachsener Tiere vorliegen“, so Rade. Auch der sogenannte „Body Condition Score“ (BCS) kann leicht erkannt werden. Hierbei erfolgt eine Bewertung anhand von festgelegten Kriterien:

Bodycheck 1: Ist die Taille gut sichtbar?
Bodycheck 2: Sind Wirbelsäule und Rippen gut tastbar?
Bodycheck 3: Verlaufen Brust-Bauch-Konturlinien Richtung Knie ansteigend oder aufgrund starker Fettpolster im Bauch eher gerade?

Häufiger Auslöser fürs Zunehmen ist eine Kastration. „Kastrierte Tiere benötigen in der Regel ein Drittel weniger Energie als vor dem Eingriff!“ Ist der Hund bereits zu dick, gelingt ein gesundes und dauerhaftes Abnehmen oft nur mit tierärztlicher Unterstützung. Claudia Rades Tipp: „In einer guten Tierarztpraxis sind nicht nur Diätfuttermittel erhältlich. Das Praxisteam erstellt hier auch einen individuellen Diätplan.“ Darin enthalten sind eine Wiegekurve mit Start- und Zielgewicht, Futterart und -menge und voraussichtlich Dauer der Diät in Wochen. Wie bei den Weight Watchers kann dies nicht nur beim optimalen Abnehmen helfen, sondern auch Moral und Durchhaltevermögen des Halters stärken.

Fitness-Station 3: die Kondition

Puls, Herzschlag und manchmal auch die Körpertemperatur können bei Hunden individuell und nach Rasse schwanken. Die normale Atemfrequenz von Hunden liegt zwischen fünfzehn und dreißig Atemzügen pro Minute. „Beim Hecheln ist die Atmung nur oberflächlich, die Lunge wird nicht mit jedem Atemzug voll belüftet. Mit diesem Verhalten versucht der Hund, seine Körperwärme zu regulieren“, so Tierärztin Rade.

Eine Beurteilung der Atemfrequenz, also wie stark der Hund nach einem Sprint über die Wiese aus der Puste kommt, ist im Hechelmodus daher nicht möglich. Hier kann der Pulsschlag Hinweis auf die Konstitution geben. Er wird beim Hund an der Innenseite des Oberschenkels gefühlt, wo eine Arterie verläuft. Die normale Pulsfrequenz liegt bei 80 bis 120 Schlägen pro Minute. „Kleine Rassen und junge Tieren haben höhere Werte“, so Claudia Rade. Guttrainierte haben dagegen oft eine niedrigere Pulsfrequenz. Stark aufgeregte, kranke oder von Schmerz geplagte Hunde und trächtige Hündinnen zeigen erhöhten Pulsschlag.

Die Körpertemperatur liegt normalerweise zwischen 37,5 und 39 Grad Celsius, aber auch hier können junge und sehr aufgeregte Tiere höhere Werte aufweisen: „Beim Welpen gilt eine Körperwärme bis 39,5 Grad Celsius als normal“, weiß Dr. Rade, eine Temperatur, die bei erwachsenen Hunden schon ein Hinweis auf eine fieberhafte Erkrankung sein kann.

Auch die Augen, der Nasenspiegel sowie die Konstitution der Krallen verraten etwas über Bellos Fitness „und spiegeln mögliche Mangelerscheinungen oder Krankheiten wider“, so Dr. Bucksch, Fachtierarzt für Veterinärdermatologe. Seine Erfahrung hat ihn gelehrt: „Ein Hund mit tränenden Augen und stumpfem Fell wird auch im Konditionstest eher schlecht abschneiden.“ Steckt dagegen kein ernsthaftes Leiden dahinter, kann die traurige Erscheinung meist schnell durch Ernährungsumstellung oder sinnvolle Nahrungsergänzung verbessert werden.

Fitness-Station 4: das Wohlbefinden

Ist Ihr Hund eher eine Couch-Potato oder ein Sport-Junkie? Keine Sorge, wie offen und fröhlich ein Hund seine Umwelt wahrnimmt, ist ein viel wichtigerer Hinweis auf seine körperliche Konstitution und sein Wohlbefinden. Aber: Die meisten Hunde sind schnell für neue Dinge zu begeistern. „Aufmerksamkeit, Wachsamkeit und Lebensfreude hängen meist stark von individuellen Erfahrungen und Beschäftigungsangeboten durch den Besitzer ab“, so Dr. Bucksch.

Nutzen Sie die Begeisterung Ihres Hundes! Legen Sie Fährten im Wald aus und lassen Gegenstände oder Leckerbissen von Ihrem Hund finden. Oder verstecken Sie ein kleines Spielzeug oder einen besonderen Stock auf dem Spaziergang und fordern Sie ihn am nächsten Tag auf, es dort wiederzufinden. Ein neuer Kurs in der Hundeschule belebt müde Geister ebenso wie die Erkundung unbekannter Gegenden. Es regt Gehirnzellen an und kann für eine Verbesserung von Wohlbefinden und geistiger Fitness sorgen.

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