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Krankheit, Symptome und Impfung 10 Fragen zur Tollwut

Dr. Brigitte Glöwing 11.07.2011

Sie gilt als eine der schlimmsten Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden können. Sie tritt überall auf, außer in der Antarktis. Wer impft, ist sicher, heißt es. Müssen wir dennoch Angst haben?

1. Ist Tollwut für uns überhaupt noch eine Bedrohung?

Weltweit sterben pro Jahr rund 55 000 Menschen qualvoll an Tollwut, so die Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO. Die meisten tödlichen Infektionen treten in Asien und in den Ländern Afrikas auf, auch aus klassischen Urlaubsländern wie Türkei, Tunesien oder Marokko werden Tollwuterkrankungen gemeldet. Dort sind in 99 Prozent der Fälle streunende Hunde für eine Übertragung auf den Menschen verantwortlich. Fast die Hälfte der Erkrankten sind Kinder. Ist die Krankheit ausgebrochen, führt sie unweigerlich innerhalb von Tagen zum Tod. Nach wie vor sterben Menschen an Tollwut, auch in Europa, vor allem in Osteuropa.

Zehn Fragen zur Tollwut
Hierzulande eher selten - ist Tollwut für uns überhaupt noch eine Bedrohung? © Zsuzsanna Ilijin

2. Wie stecken sich Hunde an?

Das Virus wird durch den Speichel infizierter Tiere übertragen. Dies erfolgt fast immer durch einen Biss. Aber auch wenn infektiöser Speichel in Wunden oder Kratzer gelangt, können die Tollwutviren eindringen. Als Überträger sind unter den Wildtieren in Deutschland fast ausschließlich Füchse bekannt.

Tollwut kann auf alle Säugetiere und auch Vögel übertragen werden, wobei die Empfänglichkeit der einzelnen Tierarten unterschiedlich ist. Theoretisch könnten alle Fleischfresser, also auch Marder, Dachse und sogar Waschbären, als Überträger infrage kommen, praktisch sind die Übertragungen von anderen Wildtieren als Füchsen in Deutschland äußerst selten. Auch die Wahrscheinlichkeit, von einem tollwütigen Pflanzenfresser gebissen zu werden, ist für die meisten Hunde eher gering. Selbst wenn Hunde ein an Tollwut verendetes Tier fressen, können sie sich nach Auskunft des Friedrich-Loeffler-Instituts, des Bundesforschungsinstituts für Tiergesundheit, nicht infizieren.

3. Wie sieht die Situation in Deutschland aus?

Noch vor fünfzehn Jahren gab es rund 5.000 Tollwutausbrüche pro Jahr in Deutschland. Heute ist die klassische Form der Tollwut dank konsequenter Impfaktionen bei Haustieren und Füchsen quasi nicht mehr existent. Ganze Generationen von Füchsen wurden mit Fleischbrocken geködert und einer Schluckimpfung unterzogen. Die Impfköder wurden anfangs vom Forstpersonal verteilt und später von Kleinflugzeugen über potenziellen Fuchsterritorien abgeworfen.

Das Engagement wurde belohnt: Der letzte Fall von klassischer Tollwut bei einem Fuchs wurde am 3. Februar 2006 im Landkreis Mainz-Bingen festgestellt. Seit 2008 gilt die Bundesrepublik nach den Kriterien der Weltorganisation für Tiergesundheit, OIE, offiziell als tollwutfrei. Nur Fledermäuse erkranken hierzulande noch an einer Variante der Tollwut, der nach ihrem Wirt benannten Fledermaustollwut. Der Erregertyp der Fledermaustollwutviren unterscheidet sich deutlich von der klassischen Tollwut. Ein Überspringen der Viren auf Hunde ist bisher nicht bekannt. Allerdings gab es 2001 einen Fall, bei dem ein Steinmarder aus Burg in Sachsen-Anhalt an Fledermaustollwut erkrankte.

4. Können sich Hunde in Deutschland anstecken, obwohl Deutschland als tollwutfrei gilt?

Die Möglichkeit, in Deutschland an Tollwut zu erkranken, ist für Mensch und Hund gering. Jedoch gibt es die klassische Tollwut in vielen Ländern Europas noch und kann von dort jederzeit wieder eingeschleppt werden. Kommerzielle, illegale Hundeimporte, aber auch von mitfühlenden Urlaubern eingeschmuggelte Straßentiere stellen ein Risiko dar. Im März 2010 wurde beispielsweise ein aus Bosnien-Herzegowina nach Bayern importierter Hund positiv auf Tollwut getestet. Der Welpe hatte keinen Impfschutz und war ohne Kontrolle ins Land gelangt. Eine Viruscharakterisierung bestätigte den Verdacht, dass sich das Tier im Ursprungsland infiziert hatte. Der Status der Tollwutfreiheit blieb aber für Deutschland erhalten.

5. Sollte man seinen Hund zwingend gegen Tollwut impfen?

In Deutschland besteht keine Impfpflicht, trotzdem empfiehlt die ständige Impfkommission des Bundesverbands praktizierender Tierärzte, BPT, einen dauerhaften Impfschutz für alle Hunde. Die Begegnung mit einem tollwütigen Fuchs oder Hund in Deutschland ist ziemlich unwahrscheinlich, dennoch gibt es Gründe für eine regelmäßige Impfung des tierischen Begleiters: Nach der nationalen Tollwutverordnung müssen ungeimpfte Hunde und Katzen bei begründetem Tollwutverdacht eingeschläfert werden. Wird ein ungeimpfter Vierbeiner von einem Wildtier gebissen, besteht ein begründeter Verdacht. Auch wenn ein Hund ohne Tollwutimpfschutz dem Nachbarn ins Bein beißt, kann der Amtstierarzt einen Tollwutverdacht aussprechen und den Hund unter eine sechsmonatige Quarantäne stellen oder ihn schlimmstenfalls einschläfern.

Jeder Hundehalter sollte sich darüber hinaus klarmachen, dass die relative Tollwutfreiheit in Deutschland nur durch eine jahrzehntelange konsequente Schutzimpfung möglichst vieler Tiere erreicht werden konnte. Dies kann sich bei zunehmender Impfmüdigkeit auch wieder ändern. In unseren Nachbarländern, in denen Impfungen nicht so konsequent durchgeführt wurden, ist die Tollwut immer noch eine reale Gefahr für Mensch und Tier.

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