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Schlechter Atem Puh, mein Hund riecht aus dem Maul

Dr. Brigitte Glöwing 18.08.2016

Ihnen schlägt der Geruch von faulen Äpfeln, Nagellackentferner oder Schwefel entgegen? Riecht der Hund aus dem Maul, sollten Sie den chemischen Verbindungen auf den Grund gehen, um Krankheiten auszuschließen

Unrat fressen

Hunde riechen aus dem Maul, das hat viele Ursachen. Eine liegt in der für uns unerklärlichen Vorliebe für fauligen Abfall, Aas oder gar Kot von Artgenossen. Frisst der Hund dies, tritt während des Verdauungsprozesses starke Gasentwicklung in die eine wie andere Richtung auf, und üble Düfte werden nach außen befördert. Bleibt der Mundgeruch jedoch länger als eine Woche bestehen, gibt es eine andere Ursache für den schlechten Atem.

Bakterien oder schlechte Zähne können für Maulgeruch verantwortlich sein
Bakterien oder schlechte Zähne können für Maulgeruch verantwortlich sein © plainpicture/Image Source

Schlechte Zähne

Die häufigste Ursache für Maulgeruch sind Probleme in der Mundhöhle. Das ergab eine Studie, an der die Tiermedizinerin Claudia Kellermeier beteiligt war. Zahnstein, Zahnfleischentzündungen oder Parodontitis sind die häufigsten Probleme. Von Parodontose sind im Alter von sechs Jahren vier von fünf Hunden betroffen. Doch auch eingeklemmte Futterreste können bei ihrer Zersetzung durch Bakterien zu Stinkbomben werden. Für ihre Studie hat Kellermeier Geruchsproben von rund Hundert Hundeschnauzen genommen. Dabei hat sie sich nicht allein auf ihre Nase verlassen, sondern die Hunde in ein Mess­gerät, ein sogenanntes Halimeter, hauchen lassen. Das Gerät misst die streng riechenden Schwefelverbindungen in der Atemluft, die durch bakterielle Zersetzung von Eiweiß entstehen. Schwefelwasserstoff beispielsweise riecht nach faulen Eiern. Besonders anfällig für Mundgeruch sind kurzköpfige Rassen wie Mops oder Englische und Französische Bulldogge, auch Minirassen müffeln. Der Grund: In den kurzen oder kleinen Kiefern haben die vielen Hundezähne nicht genügend Platz. Sie stehen viel zu eng und oft krumm und schief, sodass Futterreste leicht hängen bleiben können. Außerdem greift bei ihnen der hundeeigene Mechanismus der Selbstreinigung im Maul nicht mehr. Der Speichel hält nämlich Bakterien in Schach und wirkt als Geruchskiller, sofern er die Zähne frei umfließen kann.

Auch Trinken ist in Bezug auf den Atem wichtig: Ist das Maul trocken, weil, wie häufig bei älteren Tieren, zu wenig getrunken wurde, entwickeln sich unangenehme Gerüche. Im Gegensatz zu wild lebenden Kaniden entwickeln Haushunde viel häufiger Zahnstein. Die Ernährung und vor allem die Zahl der Mahlzeiten spielen dabei eine Rolle. Wölfe fressen nicht unbedingt jeden Tag. Zwischen den Mahlzeiten bleibt viel Zeit, die Brösel des letzten Essens mit dem Speichel und der Zunge aus dem Gebiss zu entfernen. Die natürliche Zahnreinigung wird durch Bewegung und Hecheln angeregt. Wird ein Hund hingegen fünfmal täglich gefüttert und zwischendurch mit Leckerlis versorgt, versagt diese Selbstreinigung.

Bakterienalarm im Maul

Die Zusammensetzung des Futters spielt eine große Rolle. Je mehr gekaut wird, umso besser werden die Zahnflächen gereinigt. Weiche und klebrige Nahrung führt eher zu Zahnbelag als härtere. Futtermittel mit geeigneter Größe und Struktur wie auch Fleisch oder fleischige Knochen animieren zum Zerteilen und Kauen, was die Zahnreinigung bei gebarften Hunden verbessert. Dosen- oder eingeweichtes Futter wird hingegen kaum gekaut. Nach jeder Mahlzeit bleiben Essensreste und Bakterien an den Zähnen kleben. Es lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein, und Zahnstein entsteht. Die braunen oder grauen Beläge beherbergen über dreihundert Bakterienarten. Das Zahnfleisch entzündet sich, löst sich von der Zahnwurzel, und tiefe Zahnfleisch­taschen entstehen, ein perfekter Lebensraum für noch mehr Bakterien. Mit der Zeit verfault die Wurzel, der Zahn wird locker und fällt aus. Die Bakterien sind sogar in der Lage, den Kieferknochen zu zersetzen. Der ganze Prozess stinkt zum Himmel. Doch nicht nur das, die Bakterien im Maul können über den Blutweg in andere Organsysteme vordringen, Lungen- und chronische Herz­erkrankungen können entstehen. Haben sich Zahnstein und Parodontitis entwickelt, hilft nur eine Zahnsanierung beim Tierarzt. Der Hund wird in Narkose gelegt, die Beläge werden per Ultra­schall entfernt. Lockere Zähne müssen gezogen, große Zahnfleischtaschen verkleinert werden. Wenn die Zähne wieder blitzen, ist der Maulgeruch verschwunden.

Damit das so bleibt, helfen bei Hunden ebenso wie bei Menschen nur regelmäßiges Zähneputzen und die jährliche Vorsorge beim Tierarzt. Es gibt weiche Zahnbürsten und Zahnpasta mit Geflügel-, Rindfleisch- oder gar Leberwurstgeschmack, die helfen, die täg­liche Mundhygiene für Hunde erträglich zu machen. Spezielles Futtermittel zur Plaquekontrolle, Kaustrips oder Kauknochen lösen­ den Zahnbelag mechanisch oder mithilfe von Enzymen von den Zähnen und beugen dadurch unangenehmem Geruch vor.

Zuckerkrankheit

Riecht es aus dem Maul nach Nagellackentferner, also Aceton, kann Diabetes mellitus die Ursache sein. Fehlt das Hormon Insulin, kann der Zucker aus der Nahrung vom Blut nicht mehr in die Zellen transportiert werden. Der Blutzuckerwert steigt an. Bellos Muskeln steht jedoch zu wenig Energie zur Verfügung. Als Reaktion darauf kurbelt der Körper die Fettverbrennung an, die jedoch leicht außer Kontrolle geraten kann. Beim massenhaften Abbau von Fett reichern sich Ketonkörper (da­runter Aceton) im Blut an, die unter anderem über die Atmung entsorgt werden. Acetongeruch ist also Hinweis auf eine schwere Entgleisung des Stoffwechsels. Hunde, die nach Aceton riechen, sollten umgehend dem Tierarzt vorgestellt werden. Übrigens: Auch nach einer Diät oder Hungerphase können sich Ketonkörper im Blut ansammeln.

Nierenversagen

Fischartiger Mundgeruch oder Uringeruch kann durch chronisches Nierenversagen entstehen. Können die Nieren ihrer Filterfunktion nicht mehr nachkommen, sammeln sich Abfallstoffe wie Harnstoff im Blut und gelangen in die Atemluft. Der sogenannte Foetor uraemicus, der Uringeruch des Atems, wird erst in einem späten Stadium der Erkrankung wahrgenommen, wenn schon siebzig Prozent des Nierengewebes zerstört sind. Der Atem kann auch stark nach Ammoniak riechen, das ist jener stechende, beißende Geruch, den man in der Bahnhofs­unterfüh­rung wahrnimmt. Die Funktion der Nieren sollte bei älteren Tieren regelmäßig überprüft werden. Lassen die Nieren nach, kann eine nierenschonende Diät helfen.

Leberversagen

Foetor hepaticus nennen Mediziner die Note des Atems nach frischer Leber oder überreifen Äpfeln, Engländer nennen sie „breath of the death“, Atem des Todes. Dieser Geruch der Atemluft ist ein Alarmzeichen und deutet auf ein Leberversagen hin. Die Leber ist außerordentlich regenerationsfähig. Erst wenn über achtzig Prozent der Leberzellen untergegangen sind, reichern sich Stoffe im Blut an, die in einer gesunden Leber verstoffwechselt werden, und gelangen in die Atemluft. Akutes Leberversagen kann durch Schock, Hitzschlag oder durch einen Schlag auf das Organ verursacht werden. Chronisches Leberversagen durch eine Vergiftung, Leptospirose oder bei ungeimpften Hunden durch eine virale Leberentzündung (Hepatitis contagiosa canis, Hcc.).

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