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Pilzerkrankungen Schlimmer als Juckpulver

Johanna Esser 21.07.2016

Hautpilz ist für Hunde eine unangenehme Sache: Dem Juckreiz kommen sie nur mit Kratzen, Knabbern, Lecken bei. Betroffene Stellen entzünden sich dann, was die Sache noch langwieriger macht

Symptome für Hautpilz

Scharf abgegrenzte und haarlose Stellen, Hautrötungen, Schuppen- sowie Krustenbildungen sind die ersten sichtbaren Anzeichen für eine Pilzerkrankung. „Kratzt ein Hund sich häufig und vehement, lohnt der genaue Blick in das Fell, es könnte Hautpilz sein“, meint Tierarzt Dr. Thomas Greiner aus Oerzen nahe Lüneburg (www.tierklinik-oerzen.de). Bei kurzhaarigen Hunden fallen diese Hautveränderungen schnell auf, bei langhaarigen werden sie oft erst sichtbar, wenn schon größere Hautpartien betroffen sind.

Überall wo der Hund hinlangt, werden die juckenden Stellen von ihm bearbeitet. Die Folge: entzündete, offene Hautpartien.
Überall wo der Hund hinlangt, werden die juckenden Stellen von ihm bearbeitet. Die Folge: entzündete, offene Hautpartien. © Fotolia

Übertragung

„Hautpilze werden durch winzig kleine, unsichtbare Teilchen übertragen. Sie bestehen aus kleinen Haarteilen, die mit Pilzpartikeln besetzt sind, verbreiten sich sehr leicht und können unter optimalen Bedingungen über Jahre hinweg ansteckend bleiben“, erklärt Dr. Greiner. Dies geschieht durch direkten Kontakt mit infizierten Hunden, verunreinigten Bürsten und Decken sowie durch lose befallene­ Haare und Hautschuppen.

Risikofaktoren

Stress, wenig Auslauf, beengte Unterbringung sowie Wurmbefall und ein weiterer Parasitenbefall, der noch besteht oder gerade erst abgeklungen ist, können eine Hautpilzinfektion begünstigen. In­fizierte säugende Hündinnen können diese auf ihre Welpen übertragen. Ein höheres Risiko besteht außerdem auf Hundeausstellungen, in Tierheimen, unter Hunden von Jägern, streunenden Hun­den und überall da, wo viele Hunde aufeinandertreffen (Stichwort Mehrhundehaltung). Wenn es einer hat, haben es am Ende nicht selten mehrere oder alle.

Hautpilze können von Tier zu Tier, aber auch auf den Menschen übertragen werden. Besonders Ältere, Kinder und Menschen mit einer Erkrankung des Immunsystems sind gefährdet. Nicht jeder Kontakt mit Dermatophyten führt aber zwangsläufig zur Infektion, denn der Hundekörper verfügt über zahlreiche Abwehrmechanismen, die die Ansteckung verhindern können.

Diagnose

Dem Tierarzt stehen verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung. Bewährt hat sich die Untersuchung mit der Wood’schen Lampe. Leidet der Hund unter Pilzbefall, wird eine apfelgrüne Fluoreszenz gebildet, die diese Lampe sichtbar macht. Am zuverlässigsten gilt jedoch eine Kombination verschiedener diagnostischer Möglichkeiten wie die Untersuchung mit der Wood’schen Lampe plus eine mikroskopische Untersuchung von Haaren plus die Bebrütung einer­ Kultur im Labor.

Behandlung

Eine konsequente Behandlung kann die Krankheitsdauer verkürzen und so dem Hund das Jucken nehmen. Konsequentes Behandeln verhindert außerdem die Ausbreitung in der Umgebung und die Übertragung auf andere Tiere und/oder den Menschen. Drei Behandlungswege stehen zur Verfügung: über die Einnahme geeigneter Medikamente, die äußerliche Behandlung von Fell und Haut, ergänzend dazu ist eine therapeutische Impfung möglich. „Bei gesunden­ Hunden heilt die Pilzinfektion nicht selten von allein, allerdings­ dauert das seine Zeit, manchmal bis zu vier Monaten“, so Dr. Greiner. Jedes Nichtbehandeln wäre da sehr egoistisch.

Vorbeugung

Sinnvoll wäre, Kontakt zu vermeiden – was selten durchführbar ist. Wer die Hautpartien mit einem Desinfektionsmittel behandelt, zusätzlich die Umgebung in der Wohnung absaugt, alle vom Tier genutzten Räume und Bereiche wie Liegeflächen, Möbelstücke, Transportkörbe, Böden und das Auto desinfiziert und das Gleiche mit Bürsten, Kämmen, Halsbändern, Leinen und Spielzeug macht, bekommt Hautpilz in den Griff. Um sich selbst vor einer Ansteckung mit Hautpilzen zu schützen, ist Ähnliches geboten: gründ­liche Hygiene, Händewaschen nach jedem Kraulen und Streicheln und den Hund nicht mit ins Bett oder aufs Sofa nehmen.

Plagegeister im Visier

Die Sporen von Hautpilzen sind sehr stabil und können viele Monate lang infektiös bleiben. Sie überleben in abgestorbenen Tierhaaren, Exkrementen und im Boden. Das ist der Grund, warum neben Hunden auch andere Tiere wie zum Beispiel Insekten zu den Überträgern von Hautpilz­erkrankungen zählen. Die Tiermedizin unterscheidet zwei Hauptgruppen von Hautpilzen:

Mikrosporie

So leidet der Hund: Meist ist die Hautveränderung erst erkennbar, wenn sich der Pilz schon stark ausgebildet hat: an Stellen, an denen die Haare auf drei bis fünf Mil­limeter Länge abgebrochen sind. Nicht selten schuppen sich die Hunde genau an diesen Stellen, durch weiteres Kratzen werden diese Hautpartien blutig und verkrusten.

So leidet der Mensch: Mikrosporie ist ein besonders ansteckender Erreger. Kinder infizieren sich häufig damit, es kommt dann auch zu schneller Ausbreitung in Kindergärten, Schulen und der Familie. Die Mikrosporie tritt beim Menschen in zwei Krankheitsbildern auf, Tinea capitis und Tinea corporis. Bei Tinea capitis bilden sich auf der behaarten Kopfhaut runde bis ovale kahle Flecken mit kurzen, abgebrochenen Haaren und grauweißen, mehligen Schuppen, meist ohne entzündliche Veränderungen. Bei Tinea corporis treten an Körperstellen, die nicht von der Kleidung bedeckt sind, also an
Händen, Unterarmen, Halsregion oder Gesicht, flache, zum Teil nässende, runde bis ovale Hautareale mit Schuppen und Krusten auf. Die Ansteckung über Tiere erfolgt meist durch direkten Kontakt mit infizierten Katzen, seltener mit Hunden.

Trichophytie

So leidet der Hund: Die Hautveränderungen können sehr unterschiedlich sein. Nicht selten wird eine Reaktion der Haut bei langhaarigen Hunden erst erkannt, wenn die Veränderungen schon große Bereiche auf der Haut befallen haben. Auffällig ist die Ausbildung von Krusten und Schuppen auf der Haut. In schweren Fällen entstehen große kahle Stellen im Fell. Das erste Zeichen eines Pilzbefalls ist ständiges Kratzen, was zu wunden Stellen führt.

So leidet der Mensch: Symptome der Trichophytie äußern sich zum Beginn mit bis zu linsengroßen, leicht erhabenen, schuppenden, rötlichen Hautstellen, die sich nach außen verbreitern, während das Zentrum abheilt (sie bilden einen „roten Ring“). Die Veränderung der Haut bei Trychphytie treten vor allem im Gesicht, in der Halsregion sowie an den Armen und an den Händen auf.

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