DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Haus und Garten Versteckte Gefahr

13.05.2016

Ein Spiel, ein Habs und dann wird der Hund krank: In Haus und Garten lauern viele Gefahren und auf dem Notfalltisch landen nicht selten vierbeinige Patienten, die in Lebensgefahr schweben. Tierärztin Dr. Katharina Kessler benennt die Gefahrenquellen

Vorsicht beim Grillen

Rollmopspieße,  Alufolie und alle Verpackungen, die knistern und gut riechen sind für viele Hunde interessant. In der Küche hat man das Handling meist gut im Griff, doch Vorsicht in der Grillsaison. Provisorische oder niedrige Tische oder Essbares am Boden. Besonders tückisch sind gegrillte Maiskolben, dessen Kern kaum verdaulich ist. Gerade im Sommer landen unzählige Maisvertilger in der Notaufnahme in Hofheim. „Ein quersitzender Maiskolben kann einen massive Verstopfung  bis hin zu einem Darmverschluss auslösen“, erläutert Dr. Kessler.

Versteckte Gefahren
Beim Grillen lauern viele Gefahren für den Hund © plainpicture/Johner/Ulf Heutt Nilsson

Deutliches Anzeichen ist ein wiederholtes Erbrechen. Bei spitzen Gegenständen sind die Verletzungen entweder drastisch sichtbar oder verborgen. Ob Spieße oder Rolladennadeln, beim Schlucken können Maul oder Schlund massiv geschädigt werden. Nicht ungewöhnlich übrigens, wenn Sofawölfe auf ein barsches „Aus“ erst recht mit Schlucken reagieren, weiß die Expertin. Möglicherweise hilft da ein Trick mit dem Beutetausch. Wenn man dem Hund in dieser Ausnahmesituation etwas besonderes Leckeres anzubieten hat, dann klappt vielleicht der Deal.

Spielzeug verschluckt

Spielen, Toben mit Spielzeug macht Hund und Halter Spaß, doch oft werden im Trubel Dinge geworfen, gefangen und im Galopp verschluckt, die schwer im Magen liegen oder dem Spielenden Wort wörtlich den Atem nehmen. In der Tierklinik Hofheim wurden schon Kastanien, Steine, Bälle und sogar Quietscheentchen aus Hundekörpern geborgen. Tennisbälle haben genau die teuflische Größe im Hals stecken zu bleiben und damit die Luftzufuhr zu blockieren. Und Stöckchenwerfen? Dr. Kessler warnt: „Wir sehen viele Verletzungen des Rachenbereiches und der Luft- und Speiseröhre, die durch das Stöckchenspiel hervor gerufen werden.“ Also lieber ein geeignetes Wurfspielzeug wählen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Selbst spezielles Hundspielzeug kann ungeeignet sein, wenn es sich beispielsweise vom zotteligen Liebling zu leicht zerlegen lässt und der Knabberspaß Stück für Stück im Hundemagen verschwindet. Auch wenn man bei kleinen Teilen und einem gesunden Hund mal mit Sauerkraut nachhelfen kann um die vermissten Objekte als Krautpakete wieder zum Vorschein zu bringen, Spielzeug immer nach Hundegröße und Beißkraft auswählen.

Versteckte Gefahr: Röntgenbild
Ein verschluckter Fremdkörper © Tierklinik Hofheim

Knabbern aus Langeweile

Ein aller Eile verlassenes Haus mit zahlreichen herumliegenden Kleinteilen und offenen Schranktüren, kann ungeahnte Gefahrenquellen bergen. Beliebt beim Hund und besonders tückisch sind Socken. Der Duft lockt Hunde an, und einmal herunter geschluckt kann sich gerade das unzersetzbare Nylonexemplar im Darm verknoten und es ist sogar möglich, dass sich der Darm durch solche länglichen Fremdkörper wie eine Ziehharmonika zusammenschiebt. Ein Darmverschluß ist die Folge und eine OP unvermeidbar. Gerade Kinderspielzeug, dass auf magische Weise immer wieder neu verteilt wird, kann zur Falle für die felligen Racker werden. Denn Luftballons, Lego oder Spielfiguren werden an einem lazy morning gern von Bello gestaubsaugt. „Eigentlich alles was dem Besitzer gehört, ihm vielleicht lieb und teuer ist, das sind auch Dinge die gern beknabbert werden und später Magen-, Darmstörungen auslösen können“, sagt die erfahrenen Tierärztin. Gern genommen die italienischen Designerschuhe bis hin sogar zum Damenrasierer. Sollte es nach der Wiederkehr zu Heim und Hund Verdachtsmomente geben (Spuren oder auffälliges Verhalten): Maul und Rachen kontrollieren. Sobald sich der Allgemeinzustand des Tieres verschlechtert, sollte der Haustierarzt unbedingt zu Rate gezogen werden. Der hilft auch weiter, wenn der vermisste Gegenstand den Ausgang des mopsfidelen Tierchens nicht selbstständig findet und auch noch nach 24 bis 48 Stunden nicht aufgetaucht ist. Übrigens: Gegen Langeweile und zu viel Energie am Vormittag hilft Joggen am Morgen oder spezielles Beschäftigungsspielzeug für den Hund.

Die chemische Keule

Beim Freilauf in Haus, Garten, Garage aber auch im Park ist der Hund auch chemikalischen Gefahrenquellen ausgesetzt. Auch wenn Dr. Kessler gegenüber DOGS erklärt, dass diese Fälle seltener in ihrer Klinik landen, gilt es die Augen offen zu halten und in der Sensibilität des verantwortungsvollen Hundebesitzers nicht nach zu lassen. Klassiker im Haus sind Medikamente, Haushaltschemie, wie Reinigungsmittel, Lösungsmittel oder Farben. Aber auch Zigarettenkippen können für Hunde zur tödlichen Gefahr werden. Besonders bei Welpen kann das Nikotin zum Kreislaufkollaps führen. Nicht vergessen: Garten- und Zimmerpflanzen sind manchmal giftig. Neigt der Vierbeiner während der Abwesenheit seiner Meute zum Knabbern an Pflanzen, dann ist es sicherer einen Pfanzencheck durch zu führen und auf ungiftige Begrünung zurückgreifen. Besonders gefährlich sind Rattengift und Schneckenkorn aber auch Frostschutzmittel. Sie sehen für die Fellnasen interessant aus, lassen sich aufstöbern und schmecken auch noch gut. Ihre Wirkung setzt innerhalb weniger Minuten ein und erfordert schnelle medizinische Hilfe. Gegen Vergiftungen empfiehlt sich eine vom Tierarzt auf das Tier abgestimmte Notfall- Ration Kohletabletten im Haus zu haben.

Fremdkörper im Hals/Rachen

Symtome: Husten, erbrechen, niesen, würgen, Schnauzenreiben, leeres Schlucken, pfeiffende Atemgeräusche, Atemnot
Was hilft: Husten durch leichtes Klopfen unterstützen. Wenn möglich, Fremdkörper aus dem Maul entfernen, bevor der Hund ihn schluckt. Wenn der Hund zu ersticken droht, an den Hinterfüßen hochheben (kleinere Hunde) oder an der Brust (größere Hunde) und versuchen den Fremdkörper heraus zu schütteln.

Symtome: Blutungen
Was hilft: Verhindern, dass das Blut eingeatmet wird, Kopf eher nach unten halten. Vitalfunktionen checken. Wenn der Fremdkörper nicht entfernt werden kann und/oder die Verletzungen zu stark sind, sofort zum Tierarzt.

Fremdkörper im Magen/Darm

Symtome: Erbrechen nach einer Futteraufnahme, Kein Kot, Futter- oder Wasserverweigerung, Mattigkeit. Blut im Erbrochenen oder im Stuhl findet man bei inneren Verletzungen.
Was hilft: Hund nicht zum erbrechen bringen! Es droht Erstickungsgefahr. Bei gutem Allgemeinzustand – Sauerkrautgabe, evtl. mit Sahne oder Joghurt (für den besseren Geschmack) möglich. Bei schlechtem Zustand zum Tierarzt.

Vergiftung

Symtome: Sehr vielfältig! Unruhe, Erbrechen, Durchfall, unregelmäßiger Herzschlag, blasses Zahnfleisch, ungewöhnliche Pupillengröße, Blut im Urin oder Kot, Krämpfe, Zittern, absinkende Körpertemperatur, Apathie, Bewusstlosigkeit
Was hilft: So schnell wie möglich mit der Giftprobe und evtl. dem Erbrochenen zum Tierarzt. Das Verhalten des Tieres beobachten (eventuell absinken der Körpertemperatur mit Hilfe ein Decke für den Hund verhindern), Puls kontrollieren.

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X