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Tödliche Erkrankung Wenn das Herz nicht mehr kann

13.05.2016

Sie fallen einfach tot um, ihr Herz hört auf zu schlagen, ganz ohne Vorwarnung: Jeder zweite Dobermann erkrankt im Laufe seines Lebens an der Dilatativen Kardiomyophatie (DCM), einer immer tödlichen endenden Herzerkrankung.

Krankes Herz

Die Dilatative Kardiomyophatie, auf englisch Cardiomyopathy (deshalb DCM als Abkürzung), ist eine Erkran­kung des Herzmuskels, bei der sich das Herz mit zunehmendem Krankheitsverlauf vergrößert und nur noch schwach pumpt. Die Leistungsfähigkeit des Herzens wird somit stark vermindert, was bei fortschreitendem Krankheitsverlauf zum Herzversagen oder sogar zum Sekundentod des Hundes führt.
Die DCM betrifft nicht nur den Dobermann, vorwiegend sind es aber große Rassen wie Dogge, Boxer, Irischer Wolfshund oder Neufundländer, die erkranken. Beim Dobermann liegt eine Beson­derheit in Verlauf der Krankheit vor, weshalb diese Art der Kardiomyophatie nach der Rasse benannt ist: die Dobermann Kar­diomyophatie.

Wenn das Herz nicht mehr kann
Beim Dobermann befürchet: die oft tödliche Krankheit DCM © RealPicture-Fotografie / Kerstin Benz/ddp images

Unauffälliger Beginn

Kennzeichnend für die Dobermann Kardiomyophatie ist der Verlauf der Krankheit in drei Phasen und dass es verschiedene Verlaufsformen gibt – eine, bei der Herzrhyth­musstörungen dominieren und eine, bei der das Herz zu groß ist.
In der ersten, der zellulären Phase – die Hunde sind meist zwischen einem und drei Jahren alt ­ sieht das Hundeherz selbst für einen Tierarzt noch vollkommen normal und gesund aus, Krankheitsanzeichen sind nicht zu erkennen. „Lediglich in den Zel­len selbst, könnte man die Krankheit zu diesem Zeitpunkt nachwei­sen, das ist aber bisher nur blanke Theorie“, bestätigt Dr. Jan­ Gerd Kresken, 1. Vorsitzender des Collegium Cardiologicum e.V.

Die zweite, sogenannte okkulte Phase, ist typisch für die Dobermann Kardiomyopathie und dauert ca. zwei bis drei Jahre. „Die okkulte, versteckte Phase ist deshalb so gefährlich, weil der Hundebesitzer sie nicht erkennen kann“, weiß Dr. Jan ­Gerd Kres­ken, von der Tierklinik Kaiserberg in Duisburg. „Sie verläuft nahezu symptomfrei, der Hund scheint kerngesund, hustet nicht, ist un­vermindert leistungsfähig und agil“, ergänzt er. Bei einer gründli­chen Untersuchung wäre jedoch schnell klar, dass da mit dem Her­zen etwas nicht stimmt. „Es treten eine bestimmte Form von Herzrhythmusstörungen auf, sogenannte ventrikuläre Arrhythmi­en. Dabei handelt es sich um von der Herzkammer ausgehende zu­sätzliche Herzschläge. Im Anschluss kann es zu einem progressiven Versagen des linken Herzens kommen, was wiederum häufig mit sich verschlimmernden Rhythmusstörungen einhergeht“, erklärt der Mediziner.

Das Tragische: Während der okkulten Phase sterben ca. ein Drit­tel der erkrankten Hunde am plötzlichen Herztod, meistens hervor­ gerufen durch Kammerflimmern (eine spezielle Form von Herz­rhythmusstörungen). „Das einzig Beruhigende ist, dass der Hund von diesem Tod nichts merkt, er kippt einfach um“, versichert Dr. Peter Holler von der Uni­ Klinik München. Für den Hundebesitzer ist es umso schlimmer. Ganz unerwartet stirbt der geliebte Hund, eine Vorbereitung auf den endgültigen Abschied gibt es nicht.

Der Tod ist unausweichlich

Hunde, die diese Phase überle­ben, gehen in die dritte Phase der DCM über, in die overte Phase. Das Herz vergrößert sich, pumpt nicht mehr richtig und der Puls wird schwach. „Erst zu diesem Zeitpunkt merken die meisten Besit­zer, dass mit ihrem Hund etwas nicht stimmt“, so Dr. Holler. „Die erkrankten Hunde beginnen zu husten, Flüssigkeit sammelt sich in der Lunge oder im Bauchraum, sie werden leistungsschwach, müde und können sogar in Ohnmacht fallen“, warnt er. Mit Medikamen­ten kann das Herz zu diesem Zeitpunkt unterstützt, und die Symp­tome behoben werden.
Aller medizinischen Möglichkeiten zum Trotz, stirbt der erkrank­te Hund über kurz oder lang an Herzversagen oder am Sekunden­tod. Die Überlebenszeit von symptomatischen Dobermännern liegt zwischen zwei bis vier Monaten, 90% aller Dobermänner überleben das erste Jahr nach Auftreten klinischer Symptome nicht.

Genetische Ursache

Über die Entstehung der Dobermann Kardiomyopathie weiß man mittlerweile, dass die Ursache geneti­scher Natur ist. Die Krankheit wird autosomal dominant vererbt ­das bedeutet, dass ein defektes Gen vererbt wird, welches dazu führt, dass sich die Krankheit bei dem betroffenen Dobermann im Laufe des Lebens entwickelt.

Vorsorge als einzige Chance

„Erkennt man die DCM ­Er­krankung rechtzeitig, kann man den Hund in der Regel medika­mentös einstellen und er kann noch lange Zeit mit guter Lebensqualität weiterleben“, bestätigt Dr. Peter Holler. Treten allerdings die typischen klinischen Symptome wie Husten, Atemnot und Wasser in Bauch auf, hat der erkrankte Hund nicht mehr viel Lebenszeit.
Besonders wichtig ist daher eine gute und regelmäßige Vorsorge. Eine einmalige Untersuchung reicht dabei nicht aus. „Man muss den Hund optimaler Weise jährlich untersuchen lassen, um die DCM rechtzeitig und zuverlässig diagnostizieren zu können“, er­ klärt der Münchner Tierarzt.

Wenn das Herz nicht mehr kann
Ob ein Tier eine DCM-Erkrankung in sich trägt, ist anfangs nur im Labor zu erkennen. Erst später lässt sich im Ultraschall ein deutlich vergrößertes Herz erkennen. © Peter Holler/Medizinische Kleintierklinik München

Das wichtigste Mittel zur Diagnostik ist das 24h­ EKG in Verbin­dung mit einem Herzultraschall. Zusätzlich können Herz­ Biomar­ker eingesetzt werden, also bestimmte Stoffe, die von einem geschä­digten Herzen freigesetzt werden. Sind die Parameter und damit die vorhanden Stoffe im Blut zu hoch, ist die Wahrscheinlichkeit ei­ner Erkrankung hoch. „Die Biomarker sind ein wichtiges Hilfsmit­tel zur Früherkennung der DCM­ Erkrankung. Jeder Tierarzt kann Blut einschicken, die Ergebnisse liefern dann erste Hinweise auf eine Krankheit“, weiß Dr. Jan­ Gerd Kresken.

Ist der Hund gesund, reicht ein jährliches Screening. Lässt die Vorsorgeuntersuchung bereits Herzrhythmusstörungen erkennen, sollte der Hund alle drei bis sechs Monate untersucht werden. „An der Abteilung für Kardiologie der LMU München arbeiten wir unter der Leitung von Dr. Gerhard Wess mit Hochdruck daran, den Gendefekt zu finden, um sobald wie möglich einen zuverlässi­gen Gentest anbieten zu können“, berichtet Dr. Peter Holler. „Es gibt jedoch auch zahlreiche andere Projekte, die derzeit erforscht werden, beispielsweise die Verbesserung der Biomarker, die Ent­wicklung neuer Ultraschallmethoden zur Frühdiagnostik, die Etab­lierung prognostischer Parameter, sowie die Erarbeitung der best­ möglichen Therapie um den betroffenen Tieren zu helfen“. Damit das gelingt, ist die beständige Aufklärung über die DCM enorm.

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