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Allergiker Allergien bei Hunden

Kate Kitchenham 19.04.2016

Sie kratzen und sie scheuern sich: Schätzungsweise jeder fünfte Hund leidet hierzulande an einer Allergie. Futter liegt als Auslöser erst an dritter Stelle, weiß DOGS-Tierarzt Dr. Volker Wienrich.

Wie entstehen Allergien bei Hunden?

Die Allergie ist eine angeborene Neigung, gegen an sich harmlose Substanzen pathologisch zu reagieren. Der Organismus braucht allerdings wiederholte Kontakte mit den Allergenen, bevor die Unverträglichkeit deutlich wird. Erst nach mehrfacher Auseinandersetzung damit reagiert das Immunsystem. Allergien gegen Umweltallergene werden meist im zweiten oder dritten Lebensjahr sichtbar. Futtermittelallergien können in jedem Alter auftreten.

Woran erkenne ich Allergien bei Hunden?

Das wichtigste Symptom sind juckende, wund gekratzte Hautpartien sowie bei Futtermittelallergien zusätzlich Magen-Darm-Probleme, insbesondere Durchfall.

Allergien bei Hunden

Welche Allergien treten bei Hunden am häufigsten auf?

Die Flohallergie, darauf folgt die atopische Dermatitis als Reaktion auf Umweltallergene (siehe Tabelle nächste Seite). An dritter Stelle steht die Futtermittelallergie, bei der die Hunde meist auf tierische und pflanzliche Eiweiße reagieren.

Wie werden Allergien bei Hunden diagnostiziert?

Wichtig ist immer, dass andere Erkrankungen zuvor ausgeschlossen werden. Parasitenbefall zum Beispiel kann ähnliche Symptome wie eine Allergie verursachen.

Die Diagnose wird auf der Grundlage von klinischen Untersuchungen gestellt. Bei der Allergenbestimmung helfen Tests: der serologische Test über das Blut und der Intrakutantest, bei dem der Tierarzt die Allergene in die oberste Hautschicht spritzt und die Reaktion beobachtet. Beim Identifizieren von Umweltallergenen zeigt der Intrakutantest 80-prozentige Trefferquote. Auch serologische Tests finden Auslöser von Allergien (70 Prozent Trefferquote). Werden beide Tests durchgeführt, erhöht sich die Trefferquote auf etwa 90 Prozent. Insekten- und Parasitenallergien sind manchmal leicht zu diagnostizieren, wenn man entweder die Parasiten oder deren Ausscheidungen wie Flohkot findet und typische Körperbereiche (siehe Flohallergie) betroffen sind. Einstichstellen findet man so gut wie nie. Bei Futtermittelallergien empfiehlt sich die Ausschlussdiät. Schwieriger wird die Diagnose bei Verdacht auf Kreuzallergien.

Wie entstehen Kreuzallergien bei Hunden?

Eine Überempfindlichkeit auf verschiedene Allergene kann vorhanden sein: Manche Hunde reagieren auf bestimmte Allergengruppen, andere gleich auf alle Auslöser, ob aus der Umwelt oder im Futter. So kann es vorkommen, dass der Hund mehrfach im blühenden Getreidefeld getobt hat, mit vielen Pollen in Kontakt gekommen ist und mit einer atopischen Dermatitis auf Getreide im Futter reagiert.

Wie lange dauert die Behandlung gegen Allergien bei Hunden?

Sie ist lebenslang nötig und beginnt direkt nach der Diagnose. Ziel ist, wirksame und unschädliche Therapiemethoden in den Mittelpunkt zu stellen. Soweit möglich sollte Kontakt mit Allergenen vermieden werden, parallel soll dem Hund durch Medikamente eine Linderung der Symptome verschafft werden. Etwa vier Wochen nach dem Test kann mit der Hyposensibilisierung begonnen werden, wenn die Impflösung fertig ist. Wirkung tritt frühestens nach vier Monaten ein, oft erst nach acht bis zwölf Monaten. Geduld, Konsequenz und Durchhaltevermögen sind gefragt.

Haben Allergien bei Hunden zugenommen?

Ja. Der Allergikeranteil unter deutschen Hunden liegt bei bis zu zwanzig Prozent, vor zehn Jahren war es nur halb so viel. Verlässliche Statistiken kennen wir noch nicht. Vielleicht erkennen wir Allergien heute aber nur besser, weil mehr Hunde bei Krankheit schneller zum Tierarzt gebracht werden.

Gibt es Hunderassen, die besonders von Allergien betroffen sind?

Bei der Zunahme an Allergien handelt es sich eindeutig um ein züchterisches Problem. Anscheinend sind Moderassen besonders gefährdet. Mit diesen Hunden wird unkontrolliert gezüchtet, mehr Hunde mit der Erbanlage werden geboren und verpaart, schon breitet sich die Allergiebereitschaft aus. Man kennt eine hohe Allergiebereitschaft beim West Highland Terrier oder bei Französischen und Englischen Bulldoggen. Bei vielen Irish Settern gibt es eine angeborene Getreideüberempfindlichkeit.

Sorgt die Zusammensetzung des Futters für eine ansteigende Allergiebereitschaft bei Hunden?

Die „Übeltäter“ sind in der Mehrzahl die tierischen Eiweiße. Anhaltspunkte dafür, dass pflanzliche Eiweiße, mit Ausnahme von Getreide, mehr Allergien auslösen als tierische, gibt es nicht. Auf dem Markt gibt es aber zwei entscheidende Sorten für Futtermittelallergiker: Futtermittel mit selten eingesetzten Eiweißen wie Kängurufleisch (etwa von Ökomedic) und Futtermittel mit hydrolisierten Eiweißen wie „Hill`s z/d“ oder „Hypoallergenic“ von Royal Canin.

Allergien bei Hunden: Gibt es eine Chance auf Heilung?

Nein, eine Allergie ist nicht heil-, aber beherrschbar, da es sich um ein genetisch bedingtes Problem des Immunsystems handelt. Man kann sie therapieren, sodass kein Leidensdruck mehr vorhanden ist. Aber diese Behandlung muss ein Hundeleben lang weitergeführt werden.

DOGS-Tipp: Spezialisten aufsuchen

Allergiker sind Spezialpatienten auf vier Pfoten. Bei der Deutschen Gesellschaft für Veterinärdermatologie (DGVD) gibt es daher eine Liste der Tierärzte, die sich auf diesem Gebiet spezialisiert haben. Informationen dazu erhalten Sie unter: www.dgvd.org

Allergien bei Hunden im Überblick: Ursachen und Therapien

Gegen Futtermittel

Auslöser: tierische und pflanzliche Eiweiße im Futter, häufige Auslöser sind Rind, Huhn und Getreide
Symptome: Hautentzündung (siehe Atopie), chronisch auftretende Ohrenentzündung (Otitis) oder Verdauungsprobleme, die durch entzündliche Prozesse in Magen und Darm verursacht werden
Diagnose: Damit Allergieauslöser identifiziert werden, acht bis zwölf Wochen strikte Diät füttern. Dabei darf der Hund nur Zutaten in den Napf bekommen, die neu für ihn sind (zum Beispiel Pferde-, Straußen- oder Kängurufleisch), dazu möglichst nur eine Kohlenhydratquelle, etwa Kartoffeln. Nach einer Schonfrist Proteine vorsichtig unter das Futter mischen, genau protokollieren, auf welche Zutat der Organismus reagiert. Weitere Diagnose: Bluttest
Therapie: Auslösende Proteine lebenslang meiden. Manche Futtermittelhersteller verwenden für ein spezielles Allergiefutter nur Eiweiße, die der Hundeorganismus noch nicht kennt. Hilfreich sind auch spezielle Hundenahrungssorten, bei denen die Aminosäuren so stark zerkleinert (hydrolysiert) wurden, dass die Immunabwehr sie nicht mehr erkennen kann. Vorteil: Auf diese Weise kann der Hund trotz Allergie weiterhin vollwertig ernährt werden. Wichtig: In vielen Diäten wird Lamm verwendet, das aber seit fast zwanzig Jahren häufig in herkömmlichen Futtersorten enthalten und deshalb für eine Ausschlussdiät eher ungeeignet ist.

Gegen Flöhe

Auslöser: Flohspeichel, bestimmte Bestandteile erreichen die entsprechenden Zellen
Symptome: Juckreiz, Haarausfall, Hautverdickung, -rötung und -veränderungen („Hot spots“), besonders an Rücken- und Schwanzansatz, Innenseiten der Oberschenkel bis in die Hinterbeine
Diagnose: Findet man Flohkot, hat man schon die Diagnose
Therapie: Flohbekämpfung bei Hund und Umgebung, besonders der Liegeflächen, zum Beispiel mit „Frontline“ (Merial): wirkt gegen Flöhe und Zecken, oder „Advantage“ (Bayer): speziell gegen Flöhe

Atopische Dermatitis

Auslöser: alle Partikel, die über die Atemwege oder die Haut aufgenommen werden können wie Pollen, Schimmelpilze (eher selten) und Hausstaubmilben
Symptome: typisches Bild: Hautentzündungen am Kopf, besonders an den Ohren, aber auch an Pfoten, in den Achseln, der Leistenregion oder Umgebung des Afters, entzündete Stellen auch an Rücken und Nacken möglich. Symptome treten oft im zweiten oder dritten Lebensjahr auf, gelegentlich früher
Diagnose: Eine Atopie entwickelt sich meist im zweiten oder dritten Lebensjahr. Tritt sie saisonal auf, ist wahrscheinlich Pollenflug der Auslöser. Der Tierarzt macht einen Blut- und Intrakutantest
Therapie: Alle drei Tage mit Spezialshampoo und kühlem Wasser Allergene von der Haut schwemmen, das mildert den Juckreiz! Gegen Jucken helfen auch kortisonhaltige Salben oder Tabletten. Alternativ: „Ciclosporin“ mit deutlich weniger Nebenwirkungen auf die Nebenniere und weitere innere Organe als Kortison. Auch Antihistaminika, kombiniert mit Omega-3-Fettsäuren, können Kortisonmengen reduzieren. Langzeittherapie: Bei der Hyposensibilisierung werden Allergene hochverdünnt unter die Haut gespritzt und von der ersten, sehr geringen Dosierung von Mal zu Mal gesteigert. Dauer: zunächst ein Jahr, dann lebenslang, wenn sich eine Wirkung gezeigt hat. Ganz aufhören darf man nie, es besteht die Gefahr des Rückfalls, nach dem kein erneuter, wirklicher Erfolg möglich ist

Kontaktallergie

Auslöser: Gummi, etwa im Hundespielzeug, Teppichduftstoffe, Putzmittel, Metalle, zum Beispiel im Napf
Symptome: An typischen Kontaktstellen wie Bauch, Maul, im Halsbandbereich oder an den Pfoten zu finden und bei Nutzung ungeeigneter Pflegemittel (Shampoos) auch am ganzen Körper
Diagnose: Es ist schwierig, die Allergene zu identifizieren, da ein Epikutantest, bei dem die Stoffe auf die Haut geklebt werden (so bei Menschen durchgeführt), bei Hunden nicht realisierbar ist. Eine Möglichkeit der Diagnose wäre acht Wochen Kontaktverbot zum Verdachtsobjekt. Danach den Hund mit dem Gegenstand konfrontieren, die Reaktion genau beobachten
Therapie: Verbannung des Allergieauslösers aus dem Haushalt, zum Beispiel durch Wechsel von Metall- zu Keramiknäpfen

Überempfindlich gegen Bakterien

Auslöser: zum Beispiel Hautbakterien (Staphylokokken)
Symptome: Hautentzündung und Pusteln wie bei der Atopie. Da hier eine Überempfindlichkeit vorliegt, handelt es sich allerdings nicht um eine echte Allergie
Diagnose: Wiederkehrende Hautinfektionen deuten möglicherweise auf eine Bakterien-Überreaktion hin
Therapie: Kortisonhaltige und antibiotische Salbe wirkt gegen Juckreiz und tötet Bakterien ab, zum Beispiel „Fuciderm“ (Bayer). Medizinische Shampoos wie „Malacep“ (CP-Pharma) wirken lokal gegen Infektionen mit Bakterien und Hefen

Gegen Arzneimittel

Auslöser: Arzneimittel
Symptome: Nach der Impfung, Tablettengabe oder dem Auftragen von Spot-on und Salbe zeigt der Hund zeitnah Müdigkeit, Hautausschlag oder schlimmstenfalls Atemnot
Diagnose: Nur möglich, wenn der Zusammenhang zwischen Reaktion und Medikament deutlich ist
Therapie: Der Tierarzt wird andere Arzneimittel vorsichtig testen

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