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Parasiten Auf der Lauer

Dr. Brigitte Glöwing 28.07.2016

Sie sitzen in Sofaritzen und Dielenspalten, in Teppich und Kissen: Milben, Würmer, Flöhe­ oder gar exotische Zeckenarten haben bei 22 Grad Zimmerwärme den Winter überlebt und befallen den Hund trotz Vorsorge. Hier sind einfache Tricks, die das verhindern

Decken waschen

Hunde lieben ihren Eigengeruch, was ihre Menschen mitunter davon abhält, ihren Schlafplatz häufiger zu reinigen. Doch um Eier, Krabbeltiere und Larven wirksam zu bekämpfen, brauchen Hunde­decken einmal pro Woche den Rundgang in der Waschmaschine. Den unliebsamen Mitbewohnern geht es allerdings erst bei einer Wassertemperatur ab 60 Grad an den Kragen, die Feinwäsche genügt also nicht! Bei ausreichender Temperatur ist die Überlebensrate dagegen gleich null, und selbst abgefallene Zecken werden abgetötet. Auch Kälte kann Parasiten bekämpfen. Dafür sollte etwa das Schaffell, auf dem der Hund regelmäßig liegt, mindestens vierundzwanzig Stunden bei minus 20 Grad in die Kühltruhe gelegt werden. Erst danach darf Ihr Hund wieder darauf schlafen.

Weg damit! Flöhe krallen sich fest, wenn der Staubsauger naht. Seine Puppen und Larven haben gegen den Sog aber keine Chance.
Weg damit! Flöhe krallen sich fest, wenn der Staubsauger naht. Seine Puppen und Larven haben gegen den Sog aber keine Chance. © Rina Donnersmarck

Baden

Ob man einen Hund baden sollte, darüber lässt sich streiten. Die meisten Hunde mögen es nicht. Doch bei Durchfall oder nachgewiesenem Befall mit Würmern oder Giardien sollte ein gepflegtes Vollbad zur Abwehrstrategie gehören. Wurmeier und Giardienzysten werden mit dem Kot ausgeschieden und bleiben häufig am After­ und bei Langhaarigen am benachbarten Fell haften. Durch Lecken­ des Hundes gelangen sie danach überall in das Fell und können sich von dort in der Umgebung verbreiten oder bei der Fell­pflege verschluckt werden. Entfernen Sie anhaftende Kotreste und schneiden Sie lange Haare kurz. Bei nachgewiesenem Giardien­befall sollte Bello mit einem besonderen Mittel, das den Wirkstoff Chlorhexidindigluconat enthält, shampooniert werden.

Gift versprühen

Flöhe in den eigenen vier Wänden sind kein Spaß. Denn sie sorgen dafür, dass sich der Hund immer wieder neu ansteckt und die Hundehalter­ irgendwann an der Wirksamkeit der vom Tierarzt verordneten Flohmittel zweifeln. Sobald Bello nach der verordneten Flohtherapie eine Pfote über die Schwelle des Eigenheims setzt, steht der nächste Floh zum Aufsprung bereit.

Während bei Milben, Läusen und Haarlingen schon eine gründliche Reinigung der Umgebung ausreicht, um sie aus der Wohnung zu vertreiben, müssen bei Flöhen stärkere Geschütze aufgefahren werden. Am besten besprüht man verdächtige Plätze mit einem Kombinationspräparat, das erwachsene Flöhe sowie ihre Entwicklungsstadien abtötet. Achten Sie auf den Wirkstoff Fipronil, das ist ein Insektizid, das als Spray oder Vernebler daherkommt und speziell für die Wohnung entwickelt wurde.

Ein anderer Grund für den massiven Einsatz von Gift kann ein sehr seltener, aber dennoch vorkommender Massenbefall der Braunen­ Hundezecke sein. Rhipicephalus sanguineus, so ihr lateinischer Name, stammt aus Afrika, ist heute vor allem in den Mittelmeerländern verbreitet. Als Folge ihrer Anpassung an sehr trockene Verhältnisse ist sie in der Lage, sich im drögen Wüstenklima einer zentralbeheizten Wohnung einzurichten. Ein Weibchen kann bis zu sechstausend Eier in ihr Versteck legen, aus welchen nach zwei oder mehr Jahren kleine Zecken schlüpfen. Werden verdäch­tige Zecken in der Wohnung entdeckt, sollte man die Bekämpfung einem Profi übergeben. Staatlich geprüfte Schädlingsbekämpfer wissen, wie es der Zecke am besten an den Kragen geht.

Vorsorge

Das Risiko für einen Befall mit Parasiten ist unterschiedlich groß. Dabei spielen Bellos Lebensumstände eine wichtige Rolle. Lebt er mit vielen Hunden und Katzen in einem Haushalt, ist er ständig in Wald und Flur unterwegs und wird er vielleicht sogar mit rohem Fleisch gefüttert, dann ist sein Parasitenrisiko erhöht.

Gebarfte Hunde können sich über das rohe Fleisch mit Bandwürmern infizieren. Bei normalem Risiko empfehlen Experten, den Hund viermal pro Jahr zu entwurmen und ganzjährig mit einem Anti-Floh-Präparat zu behandeln. Zeckenschutz sollte über die Saison, von April bis Oktober, ebenfalls erfolgen. Wichtig: Es müssen immer alle Tiere im Haushalt zur gleichen Zeit behandelt werden, denn sonst stecken sie sich gegenseitig wieder an. Bei Flohbefall in der Wohnung ist es ganz wichtig, auf Präparate zurückzugreifen, die die erwachsenen Flöhe auf dem Hund abtöten und auch die Entwicklung von Eiern, Larven und Puppen stoppen.

Mit zur Vorsorge gegen Zecken gehört es, den Hund nach jedem Spaziergang gründlich auf die Blutsauger zu untersuchen. Je schneller die Zecke aus dem Fell des Hundes entfernt wird, umso besser, denn die meisten Krankheitserreger, die eine Zecke überträgt, werden erst nach mehreren Stunden Saugakt in die Blutbahn des Wirts gespuckt.­ Übrigens: Wer meint, der Wurf in den Abfluss oder ins Klo macht der Zecke den Garaus, liegt falsch. Zecken können bis zu dreißig Tage unter Wasser leben.

Bleiben Sie umweltbewusst: Damit Giardienzysten und Wurm­eier sich nicht verbreiten können, hilft es auch, alle Hundehaufen pflicht­schuldig aufzusammeln und sie in Tütchen verschlossen über den Haushaltsmüll zu entsorgen.

Flöhe

1 bis 6 Millimeter lange, flügellose, seitlich abgeplattete Insekten. Sie besitzen kräftige Hinterbeine, die ihnen weite Sprünge ermöglichen. Nur erwachsene Flöhe leben auf dem Wirtstier, sie durchbohren die Hautoberfläche von Warmblütern und ernähren sich von deren Blut. Eier, Larven und Puppen kommen in der Umgebung vor. Der häufigste Floh auch bei Hunden ist der Katzenfloh Ctenocephalides felis. Manche Hunde reagieren allergisch auf den Flohspeichel.

Zecken, Holzbock, Auwaldzecke und Braune Hundezecke

Häufigste Zeckenarten beim Hund. Eine vollgesogene Zecke kann eine Größe von mehr als einem Zentimeter erreichen. Zecken saugen zwischen zwei und zehn Tagen auf ihrem Wirt. Aus Zeckeneiern entwickeln sich zunächst Larven, Nymphen und dann die erwachsenen Zecken. Larven und Nymphen sehen aus wie Minizecken und saugen bereits Blut. Durch die Blut­sauger können Krankheiten wie Borreliose, Babesiose und Anaplasmose auf ihren Wirt übertragen werden.

Milben

Spinnentiere,die je nach Art, auf der Haut, im Gehörgang, in der oberen Hautschicht oder in den Talgdrüsen leben. Die meisten sind so klein, dass man sie mit dem bloßen Auge nicht erkennen kann. Pelzmilben verbringen ihr gesamtes Leben im Haarkleid ihres Wirts. Dennoch: Fallen sie aus dem Fell, können sie etwa zehn Tage auch ohne ihn überleben und sich so auch einen neuen Wirt suchen. Grabmilben bohren Gänge durch die oberen Hautschichten, in die sie auch ihre Eier legen. Mit dieser Technik überleben sehr lang und sind hoch ansteckend.

Haarlinge und Läuse

Kommen selten vor, meist werden junge oder immun-geschwächte Hunde von den Quälgeistern befallen. Läuse sind etwa 1,5 Millimeter lang, abgeplattet und saugen Blut. Haarlinge sind ebenso groß, besitzen jedoch kräftige Kauwerkzeuge und ernähren sich von Hautschuppen. Beide Parasiten verbringen ihr ganzes Leben auf dem Wirt. Die Eier, Nissen genannt, befestigen sie an den Haarschäften. Übertragen werden sie durch direkten Kontakt oder aber über Gegenstände wie Bürsten, Kämme oder den Schlafplatz.

Giardien

Mikroskopisch kleine einzellige Darmparasiten. Sie führen zu Verdauungsstörungen und heftigen, wiederkehrenden Durchfällen. Giardieninfektionen treten häufig bei Jungtieren unter einem Jahr auf. Infizierte Hunde scheiden mit dem Kot unsichtbare Giardienzysten aus. Andere Hunde können sich anstecken,­ wenn sie solche Zysten unbemerkt aufnehmen. Die Diagnose ist nur durch eine Laboruntersuchung von Kotproben möglich. Sie sind selten, aber hartnäckig.

Würmer

Infektionen mit Spulwürmern (Toxocara spp.) kommen bei Welpen und ebenso bei ausgewachsenen Hunden vor. Bei den Erwachsenen führt ein Befall nur selten zu Beschwerden, bei Welpen können Spulwürmer schwere Erkrankungen hervorrufen. Auch Menschen können sich mit Spulwürmern infizieren,­ wenn sie die ausgeschiedenen Wurmeier aufnehmen. Spulwurmeier sind in der Umwelt sehr widerstandsfähig und können über Monate, teils Jahre ansteckend sein. Besonders gefährlich für den Menschen sind Bandwürmer wie Hundebandwurm und Fuchsbandwurm. Die Larven dieser Bandwürmer wandern beim Menschen in Leber und Lunge und bilden dort große Blasen, die das Gewebe schädigen.

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