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Gebisspflege Die Zähne des Hundes

Dr. Brigitte Glöwing

Auch Hunde leiden an Zahnschmerzen, nur erkennen wir dies häufig schwerer. DOGS erklärt häufige Zahnerkrankungen, wie Sie diesen vorbeugen können und wo Sie Spezialisten für Zahnheilkunde finden.

Parodontitis: Gefahr für den ganzen Körper

Die meisten Hunde, die in Friedrich Roes‘ Zahnsprechstunde kommen, leiden unter einer sogenannten Parodontitis. „Einfach gesagt, ist das eine Erkrankung des Zahnhalteapparates“, erklärt Roes. Man kennt es aus der Zahnpastawerbung: Das Zahnfleisch entzündet sich, es geht mehr und mehr zurück, der Zahn wird locker und fällt schließlich aus. Mit sechs Jahren leiden vier von fünf Hunden unter dieser Erkrankung.

Ursächlich für dieses Volksleiden der Hunde (und der Menschen) ist das Bakterienwachstum auf den Zahnkronen. Nach jeder Mahlzeit bleibt ein brisanter Cocktail aus Essensresten und Bakterien an den Zähnen kleben. Mit der Zeit lagern sich Mineralien aus dem Speichel ein, und Zahnstein entsteht. Die braunen oder grauen Beläge riechen streng und beherbergen laut zahlreicher wissenschaftlicher Studien über dreihundert Bakterienarten. Das Zahnfleisch entzündet sich und löst sich von der Zahnwurzel. Tiefe Zahnfleischtaschen entstehen, in denen sich weitere Bakterien einnisten und in tiefere Gewebsschichten des Zahnhalteapparats eindringen. Dort können sie mit der Zeit irreparable Veränderungen am Kieferknochen verursachen.

Die Tiere leiden, ihre Besitzer auch. Wenn Bello sein Herrchen morgens freudig hechelnd aus dem Bett holt, strömt dem gerade Erwachten zur Begrüßung ein unsäglicher Geruch nach fauligen Zähnen entgegen. „Doch nicht nur das, die Bakterien im Maul können über den Blutweg auch in andere Organsysteme vordringen. Lungen- und vor allem chronische Nieren- und Herzerkrankungen sowie Diabetes können die Folge sein“, weiß Dr. Birgit Schulte, beratende Tierärztin des Tiernahrungsherstellers Hill’s.

Der Tierzahnarzt wird den Zahnstein bergmännisch abbauen müssen. Per Ultraschall werden die Zahnkronen von den steinharten Belägen befreit. Zahnfleischtaschen müssen gesäubert und eventuell operativ verkleinert werden. Das gesamte Gebiss wird gewienert und poliert, bis die weißen Zähne wieder zum Vorschein kommen. Lockere Zähne werden meist nicht wieder fest und müssen oft gezogen werden. „Die vorangegangenen Schmerzen und das Leiden des Tieres werden oft erst nach der Behandlung offensichtlich, wenn das Tier wieder temperamentvoll spielt“, sagt Fachfrau Dr. Dagmar Birnzain. Doch damit ist das Problem nicht behoben. Einmal Parodontitis, immer Parodontitis. „Ohne regelmäßige Behandlung und eine gründliche Maulhygiene ist die Krankheit nicht aufzuhalten“, mahnt die Tierzahnärztin. Einmal jährlich sollten Halter die Zähne ihres vierbeinigen Begleiters überprüfen lassen. Bei Tieren, die zu Zahnproblemen neigen, rät die Zahnexpertin, auch zwischenzeitlich die Zähne untersuchen zu lassen.

Karies kommt selten vor

Weil Hunde sich, zumindest aus Sicht der Zahnärzte, besser ernähren als Menschen, bekommen sie auch weniger Karies. Außerdem sind ihre Zähne härter, und auch der basische pH-Wert des Speichels verhindert Karies. Findet der Zahnarzt oder die Zahnärztin trotzdem ein Loch, kann er oder sie den kranken Zahn mit einer Füllung versorgen. Kunststoff oder Amalgam stehen auch Hunden zur Verfügung. Eine Füllung aus Kunststoff kostet zum Beispiel zwischen 60 und 80 Euro plus 100 bis 200 Euro für die Narkose. Zahnveterinärin Birnzain empfiehlt Haltern von Arbeitshunden, bei denen die Zähne stark beansprucht werden, statt einer Füllung eine Krone aus Edelstahl. Denn bei starker Beanspruchung ist die Kunststofffüllung nicht haltbar genug.

Schiefe Zähne?

„Korrekturen von Zahnfehlstellungen werden immer öfter nachgefragt¿, sagt „Zahnpapst“ Dr. Fahrenkrug. Schiefe Zähne kommen relativ häufig vor und stellen meist ein genetisches Problem dar. Besonders kleine und kurzköpfige Rassen leiden darunter. Bei diesen Rassen ist der Kieferknochen durch Zucht verkürzt oder verkleinert, Anzahl und Größe der Zähne bleiben jedoch wie bei einem normalschädeligen Hund. Die Zähne stehen dann aus Platzmangel dachziegelartig nebeneinander, manchmal achsenverdreht oder krumm und schief. Durch die Fehlstellung wird die Selbstreinigung behindert, durch eingeklemmte Futterreste mit nachfolgendem Bakterienwachstum entstehen Zahnfleischentzündungen.

Schief stehende Zähne können zu Verletzungen in der Mundhöhle führen, zum Beispiel beim Engstand der Fangzähne. Bei dieser Fehlstellung bohren sich die langen Fangzähne des Unterkiefers in den Gaumen. „Es kann passieren, dass der Gaumen durchbohrt wird und eine Verbindung zur Nasenhöhle entsteht – eine üble Sache“, sagt Dr. Fahrenkrug. Die einfachste Therapie ist das Absägen der Fangzähne und sofortige Verschließen des Wurzelkanals mit einer Füllung. Alternativ kann der Zahnarzt eine kieferorthopädische Apparatur verpassen, die die Zähne mit der Zeit in die richtige Position drückt. Damit können die Zähne vollständig erhalten bleiben.

Herausnehmbare Zahnspangen gibt es beim Hund nicht, die Geräte müssen stets fest eingeklebt werden. Nach einigen Tagen der Eingewöhnung kommen die vierbeinigen Zahnpatienten damit in aller Regel gut zurecht. Die Methoden orientieren sich prinzipiell an den kieferorthopädischen Standards von uns Zweibeinern.

Aufgeklebte Brackets mit Gummizügen, schiefe Ebenen aus Kunststoff und maßgenau gegossene Labialbögen kommen in enger Zusammenarbeit mit Zahntechnikern und Dentallaboren zum Einsatz. Die Zahnapparaturen müssen etwa ein Vierteljahr getragen und vom Besitzer regelmäßig gereinigt werden, damit keine Futterreste hängen bleiben. Kosten: 500 bis 1200 Euro, inklusive zweier Narkosen und Nachbehandlungen.

Frauchen, er hat gar nicht gebohrt!

Für die gute Vorsorge hilft Zähne putzen, so Fahrenkrug. „Es ist die einzige Möglichkeit, um seinen Hund parodontal dauerhaft gesund zu erhalten.“ Mit einer speziellen Hundezahnbürste und Zahnpasta mit Rindfleisch- oder Geflügelaroma funktioniert das auch tatsächlich. Allerdings sollte man schon beim Welpen damit anfangen.

Besonders bei gefährdeten Rassen müssen schon die Milchzähne zwei- bis dreimal in der Woche gepflegt werden. „Wenn Hundehalter erst bei erwachsenen Hunden anfangen, kann es schwierig werden“, weiß Dr. Fahrenkrug aus Erfahrung. Oft beginnen die für das Problem sensibilisierten Besitzer mit der Zahnhygiene im Anschluss an eine Zahnsanierung. Das Zahnfleisch ist dann oft entzündet und überempfindlich, die Abwehr des Hundes gegen das Putzen fällt um so heftiger aus. Stellt sich die Frage, warum wild lebende Kaniden ohne Putzen auskommen. Der Grund: Wölfe fressen nicht unbedingt jeden Tag. Zwischen den Mahlzeiten bleibt viel Zeit, die Brösel des Essens mit Speichel und der Zunge zu entfernen.

Welches Futter reinigt Hundezähne?

„Die Ernährung und vor allem die Anzahl der Mahlzeiten spielen eine Rolle“, sagt Peter Fahrenkrug, denn natürliche Zahnreinigung wird durch Bewegung und Hecheln angeregt. Der Speichel umspült die Zähne und reinigt sie gleichzeitig. Wird ein Sofawolf hingegen fünfmal täglich gefüttert und zwischendurch mit Leckerlis versorgt, versagt die Selbstreinigung des Gebisses.

Auch die Zusammensetzung des Futters spielt eine Rolle. Je mehr gekaut wird, um so besser werden Zahnflächen gereinigt. „Weiche und klebrige Futter führen eher zu Zahnbelag als härtere Futterbrocken. Nahrung mit geeigneter Größe und Struktur animiert zum Zerteilen und Kauen der Futterbrocken, was die Zahnreinigung verbessert“, so Dr. Markus Eickhoff in seinem „Hundezahnbuch“. Manche Dentalfutter enthalten Polyphosphate, die Zahnstein vorbeugen sollen. Andere säubern, weil die Fasern der Pellets in einer besonderen Matrix angeordnet sind, die während des Kauens die Zahnoberfläche durch sanften Abrieb reinigen und die Bildung von Zahnstein und Zahnbelag reduzieren sollen (etwa „Hill’s Prescription Diet t/d“, nur über den Tierarzt, oder „Hill’s Science Plan Oral Care“, auch im Fachhandel). Diese und andere Sorten mit dem Siegel VOHC unterliegen seriösen Prüfungen der US-Vereinigung der Tierzahnärzte.

user6555

2016.09.04 um 19:09 Uhr

meine Hündin hat vorgestern ein zahn verloren kann es sein das es noch ein Milchzahn war 1,5 Jahre alt

Janine Heinze

2016.06.07 um 11:39 Uhr

Hallo, Mein Name ist Janine Heinze und meinem nicht mal dreijährigem bollonka wurden gestern drei Zähne gezogen und zwar ohne mich zu fragen! Ich finde das nicht o.k., da ich glaube das es nicht nötig war. Die Ärztin sagte mir es sei nötig ging nicht mehr aber ohne genaue Erläuterung legte sie mir die Rechnung vor und aus. Meine Frage an Sie hätte sie mich nicht fragen müssen? Außerdem hätte ich gern von Ihnen einen Tipp zu welchem Arzt ich nächstens gehen sollte, wenn es um seine Zähne geht? Ich wohne leider nicht in Berlin sondern in Dresden Friedrichstadt ! Würde mich über eine schnelle Antwort sehr freuen... Mit freundlichen Grüßen Janine !

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