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Geeignete Therapien Herzerkrankungen des Hundes

Dr. Brigitte Glöwing 15.02.2012

Jeder zehnte Hund, der beim Tierarzt vorgestellt wird, hat ein Herzproblem. DOGS empfiehlt geeignete Therapien für Herzerkrankungen beim Hund und nennt ausgewählte Kardiologen in ganz Deutschland.

„Hunde bekommen keinen Herzinfarkt“, sagt der Tierarzt Dr. Gerhard Wess von der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er muss es wissen, schließlich gehört er zu den hoch spezialisierten Kleintierkardiologen in Deutschland. Der gefürchtete Infarkt der großen Pumpe gehört beim Menschen, speziell bei gestressten Managern, zu den häufigsten Todesursachen. „Hunde werden anders ernährt, sie neigen nicht zu Arterienverkalkung. Stress kann ihren Herzen nichts anhaben“, erklärt der Tierkardiologe.

Chronisch herzkranke Hunde machen einen erschöpften Eindruck, bewegen sich nur ungern und fallen auf Spaziergängen schnell zurück.
Chronisch herzkranke Hunde machen einen erschöpften Eindruck, bewegen sich nur ungern und fallen auf Spaziergängen schnell zurück. © iStockphoto

Herzerkrankungen haben beim Hund häufig eine genetische Ursache. Bei einigen Rassen kommen sie vermehrt vor. Boxer oder Dobermann leiden häufig unter einer krankhaften Erweiterung des Herzmuskels, medizinisch: unter der Dilatativen Kardiomyopathie. Dem labbrig gewordenen Herzmuskel fehlt die Kraft, den gesamten Körper mit frischem Sauerstoff zu versorgen. Solche vierbeinigen Patienten sind vom Sekundentod bedroht. Die Tiere fallen plötzlich um, ohne dass der Besitzer auch nur die geringsten Anzeichen einer Erkrankung bemerken konnte.

Wie sich erkrankte Hunde verhalten: Die meisten Herzfehler werden durch Zufall entdeckt, bei der Vorstellung zur Impfung oder beim jährlichen Gesundheitscheck. Typische Symptome treten meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf, wenn der Herzfehler durch körpereigene Mechanismen nicht mehr kompensiert werden kann, sodass, wenn der Tierbesitzer etwas bemerkt, die Erkrankung schon relativ fortgeschritten ist.

Damit die Suche nach einem Kardiologen für den erkrankten Hund keine unnötige Zeit kostet, hat DOGS eine Liste ausgewählter Kardiologen in ganz Deutschland für Sie zusammengestellt.
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Chronisch herzkranke Hunde sind müde, sie bewegen sich ungern, kaum ein Argument lässt sie freiwillig aus ihrem Körbchen kommen. Beim täglichen Gassigang ziehen sie an der Leine – jedoch in Richtung Zuhause. Sie hecheln vermehrt, können husten und lassen geworfene Stöckchen Stöckchen sein. Wenn sie sich doch überwinden hinterherzulaufen, geht ihnen die Luft aus. Es können Wasseransammlungen an den tiefsten Punkten des Körpers entstehen, sogenannte Ödeme: im Bauch, in den Beinen oder in der Lunge. Mit schwindender Herzkraft erscheinen Schleimhäute und Zunge blau. Fehlt der Sauerstoff im Gehirn, ist eine Ohnmacht nicht unwahrscheinlich.

Herzerkrankungen beim Hund: herzkrank im Erwachsenenalter

Sind die Lebensumstände schuld? Einige Herzerkrankungen beim Hund treten erst im Lauf des Lebens auf. Meist im mittleren Alter zwischen fünf und neun Jahren. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Der beim Menschen so oft zitierte Lebensstil scheint bei Hunden eine untergeordnete Rolle zu spielen. Bewegungsmangel oder Übergewicht haben bei unserem Sofawolf nicht die gleichen Folgen.

Ernährungsfehler können eine Ursache sein: „Taurinmangel kommt häufiger vor, als er diagnostiziert wird“, sagt Dr. Wess. Das Abbauprodukt von Aminosäuren ist wichtig für den Herzstoffwechsel. Gebarfte Hunde, die ausschließlich roh ernährt werden, sind hier einem gewissen Risiko ausgesetzt, aber auch Tiere mit empfindlichem Magen-Darm-System, die über längere Zeit eine Reis- und Lamm-Diät erhalten. Besonders der Cocker Spaniel entwickelt eine Herzerkrankung, die durch einen Taurinmangel hervorgerufen wird, auch wenn sein Futter scheinbar genügend Taurin enthält.

Krankes Herz als Folge anderer Erkrankungen? Leidet der Vierbeiner unter einer bakteriellen Allgemeininfektion, können, sofern es schlecht läuft, die Erreger via Blutbahn zum Herzen reisen und dort eine Infektion auslösen. Zahnerkrankungen, die früher ebenfalls als Ursache für Herzerkrankungen beim Hund ausgemacht wurden, stehen inzwischen nicht mehr unter Verdacht.

Welche Rassen sind hiervon betroffen?

Kleine Rassen wie Zwergpudel, Zweigschnauzer, Yorkshire Terrier und Dackel leiden besonders häufig an einer Herzklappenerkrankung (Atrioventrikularklappen-Endokardiose). Je älter ein Hund, desto wahrscheinlicher ist eine Erkrankung. Etwa 10 Prozent der fünf- bis achtjährigen und 25 Prozent der neun- bis zwölfjährigen und sogar 35 Prozent der über 13-jährigen Hunde sind betroffen.

Auch der Cavalier King Charles Spaniel hat diese Erbkrankheit in seiner Dynastie. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es sich um eine Bindegewebsschwäche handelt. Durch die bindegewebigen Veränderungen an den Herzklappen schließen diese nicht mehr richtig und Blut kann aus der rechten oder linken Herzkammer in die Vorhöfe zurückfließen. Normalerweise schreitet die Krankheit langsam, über Jahre hinweg fort, sodass es im Allgemeinen erst im Alter von etwa sechs bis neun Jahren zu Krankheitserscheinungen, die für den Besitzer wahrnehmbar sind, kommt.

Große und sehr große Rassen sind genetisch empfänglich für die krankhafte Erweiterung des Herzmuskels, die Dilatative Kardiomyopathie. Unter den Riesen sind Doggen, Neufundländer, Bernhardiner und Irischer Wolfshund betroffen. Bei den Großen sind Rottweiler, Schäferhunde sowie große Mischlinge vertreten. Außerdem kommt diese Form bei Leonbergern, Settern und beim Afghanen vor. Bei Dobermann und Boxer ist eine genetische Veranlagung nachgewiesen. Aber auch kleinere Rassen wie Cocker Spaniel, Springer Spaniel und Foxhound können die Krankheit bekommen. Eine auffällige Häufung wurde in einzelnen Zuchtlinien beobachtet.

Bei der Dilatativen Kardiomyopathie verliert das Herz seine Kraft, es liegt eine Pumpschwäche der Herzmuskulatur vor. Häufig treten im Verlauf der Erkrankung auch Herzrhythmusstörungen auf, welche in einigen Fällen zum plötzlichen Herztod führen können. Herzmedikamente können das Herz unterstützen.

Besserung durch gezielte Zucht?

Auch wenn die erworbenen Herzerkrankungen beim Hund erst in der Mitte des Hundelebens auftreten, ist der Grundstein oft schon mit der Geburt gelegt. Viele sind genetisch bedingt, einige Rassen sind vermehrt betroffen. Meist treten die ersten Symptome im Alter von fünf auf, manchmal erst mit sieben oder neuen Jahren. Das macht es so schwierig, betroffene Tiere aus der Zucht zu eliminieren. Denn die Krankheit wird erst entdeckt, wenn die Hunde schon längst zur Zucht eingesetzt werden.

Früherkennung

Regelmäßige Kontrollen bei der Impfung und ein Gesundheitscheck in jedem Jahr sind besonders bei Hunderassen mit Hang zu Herzleiden und betagten Exemplaren aller Rassen wichtig. Wenn Auffälligkeiten festgestellt werden, sollten weitergehende Untersuchungen eingeleitet werden. Zum Beispiel kann zur Frühdiagnostik der Dilatativen Kardiomyopathie beim Dobermann oder Boxer ein Langzeit-Elektrokardiogramm über 24 Stunden durchgeführt werden. So können auch leichtere Herzrhythmusstörungen entdeckt werden. Für einige Rassen wie den Irischen Wolfshund, Hovawart, Boxer, Neufundländer, Mittelschnauzer, Dobermann, Cavalier King Charles Spaniel, Polski Owczarek Nizinny sind Untersuchungen vor Beginn einer Zucht vorgeschrieben. Die Ergebnisse der Gesundheitsprüfungen werden den Zuchtvereinen zur Verfügung gestellt. Diese Vorgehensweise hat in den letzten Jahren Wirkung gezeigt.

 

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