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Gelenktherapie Warum Gold den Schmerz nimmt

Cornelia Gerlach 16.06.2016

Verwendet wird meistens ein bis zu drei Millimeter langer Draht aus 24 Karat Feingold. Er wird mit einer Hohlnadel unter die Haut, in die Muskulatur und an den Knochen eingesetzt, jedoch nicht in die Gelenke selbst. Nach dem Eingriff wird auf dem Röntgenbild überprüft, ob alle Goldstücke richtig sitzen. Wie die Goldimplantate wirken, ist bis heute nicht wissenschaftlich geklärt. Es gibt verschiedene Theorien dazu.

Dogs Juni 2016 Gold
© Getty

Vertreter der Goldakupunktur sind über­ zeugt, dass die Goldimplantate dauerhaft die Akupunkturpunkte stimulieren und darüber den Schmerz reduzieren. Die Punkte werden meist nach den Regeln der tradi­tionellen chinesischen Medizin (TCM) ausge­wählt. Dabei geht es um eine Wechselwir­kung zwischen dem Akupunkturpunkt und einem oder mehreren Organen – in diesem Fall soll die Akupunktur den Körper an­ regen, eine dem Opium ähnliche Substanz freizusetzen, die verhindert, dass Schmerz über die Nervenbahnen geleitet wird.
Eine andere Schule schreibt die Wirkung dem Gold zu. Sie geht davon aus, dass Gold­ stücke im Gewebe Goldionen freisetzen, die Entzündungen hemmen. Die Wirkung ist ähnlich wie die der Goldsalze, die früher zum Beispiel bei Rheuma verschrieben wur­den. Aber während fast die Hälfte der Goldsalztherapien wegen heftiger Neben­ wirkungen abgebrochen werden muss­ten, wirken die Implantate aus Golddraht präzise dort, wo sie gebraucht werden,und dies meist ohne Nebenwirkungen.

Die Wiener Methode hat die Ansätze weiterentwickelt. Sie verknüpft Erkenntnisse der traditionellen chinesi­schen Medizin mit der westlichen Wissen­schaft. Sie empfiehlt, neben den klassischen Akupunkturpunkten je nach Diagnose weitere Punkte mit Gold zu bestücken. Um diese Punkte zu ermitteln, werden die Bewegungsabläufe des Tieres mit Verfahren der modernen Orthopädie genau unter­sucht und ihre dynamischen sowie stati­schen Zusammenhänge werden ermittelt. Bei dieser Methode gilt der Leitsatz: Den Bewegungsablauf des ganzen Lebewesens behandeln, nicht nur ein hauptsächlich auffälliges Gelenk.

Die wissenschaftliche Basis wurde in den 1970er­ Jahren gelegt: Der amerikani­sche Tierarzt Grady Young setzte Gold­ kugeln an Akupunkturpunkten ein und er­ zielte damit gute Erfolge. 1996 stellte der dänische Tierarzt Jens Klitsgaard bei einem Kongress eine Studie vor, aus der hervor­ ging, dass von 400 Hunden, die auf diese Weise behandelt worden waren, 82 Prozent nach dem Eingriff schmerzfrei waren. Daraufhin verbreitete sich die Methode in Skandinavien, dann auch im Rest von Europa – obwohl die Wissenschaft nicht er­ klären konnte, wie die Behandlung wirkt.

Den Stand der Forschung zu Golddraht­ implantaten und Goldakupunktur hat die Tierärztin Andrea Deisenroth 2014 für ihre Dissertation an der Tierärztlichen Hoch­ schule in Hannover dargestellt. Dafür durchsuchte sie die relevanten Zeitschrif­ten und Kongressdokumentationen. Sie fand lediglich drei Studien, die den strengen Kriterien der wissenschaftlichen Beweis­führung standhalten – weder der Tierarzt noch die Hundebesitzer wussten, ob das Tier tatsächlich nach der Methode behandelt oder ein Placebo eingesetzt worden war. In nur einer dieser Doppelblindstudien konnte festgestellt werden, dass der Schmerz zurückgegangen war. Nur in einer Studie wurde mit einer computergestützten Gang­analyse der Behandlungserfolg objektiv überprüft, mit dem Ergebnis, dass die Gold­ implantation wirkungslos war. In der aktuellen wissenschaftlichen Literatur fand Andrea Deisenroth fünf Fallbeispiele und drei rückblickende Studien, die alle von deutlichen Erfolgen eines Eingriffs zeugen. Meist wurden die Hundebesitzer befragt, ob die Behandlung gewirkt hat. Die Antworten waren zu mehr als zwei Dritteln positiv.

 

Wann ist Gold sinnvoll?

Experte Fabian von Manteuffel
© Thorsten Jander

Der Hamburger Tierarzt Fabian von Manteuffel rät zum Implantieren von Gold bei Hüftgelenksdysplasie, Ellen­bogengelenksdysplasie, Spondylosen der Wirbelsäule, Cauda­equina­-Syn­drom und Arthrosen im Kniegelenk, der Schulter oder der kleinen Zehengelenke.

Für wen?

Das Verfahren kann für alle Hunde­rassen angewendet werden.

Wie teuer?

Je nachdem wie viele Gelenke betroffen sind und behandelt werden, kostet der Eingriff zwischen 600 und 2000 Euro.

Wer operiert?

Das Vierbeiner­-Reha­-Zentrum in Bad Wildungen hat eine Liste von Tierärzten in ganz Deutschland, die Goldimplantationen nach der Wiener Methode durchführen.

Komplikationen?

Im schlimmsten Fall wirkt die Behand­lung nicht, sagt Dr. von Manteuffel.

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