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Moderne Methoden Fortpflanzung des Hundes – so können Mediziner helfen

Dr. Brigitte Glöwing 06.03.2012

Was, wenn es mit der Paarung von Hund und Hündin nicht klappen will? DOGS sprach mit Fortpflanzungsmedizinern über moderne Mittel, dem Nachwuchs auf die Sprünge zu helfen.

Wenn es zwischen Rüde und Hündin funkt, klappt die Fortpflanzung meist auf ganz natürlichem Weg – oft schneller, als dem Besitzer lieb ist. Die Mehrzahl der Hundehalter macht sich daher eher Gedanken über die Verhütung eines unerwünschten Welpensegens.

Die Zahl der Welpen ist unterschiedlich, je nach Rasse liegt sie zwischen einem und fünfzehn Tieren. Jeder Fötus liegt in seiner eigenen Fruchtblase und ist über die Nabelschnur mit dem mütterlichen Blutkreislauf verbunden.
Die Zahl der Welpen ist unterschiedlich, je nach Rasse liegt sie zwischen einem und fünfzehn Tieren. Jeder Fötus liegt in seiner eigenen Fruchtblase und ist über die Nabelschnur mit dem mütterlichen Blutkreislauf verbunden. © André Gottschalk

Trotzdem erlebte die Fortpflanzungsmedizin bei Hunden in den letzten Jahren einen regelrechten Boom. „Früher hatten wir im Jahr fünf bis sechs Spermagewinnungen für die künstliche Besamung, jetzt sind es siebzig und mehr“, sagt Dr. Beate Walter. Die Tierärztin arbeitet als Spezialistin für Reproduktion bei Kleintieren an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und bekommt den Boom hautnah mit. Zuchtmethoden, wie sie aus der Nutztierwirtschaft bekannt sind, halten jetzt auch Einzug in die Hundezucht.

Manche Züchter edler Hunderassen agieren heute höchst professionell und sind international vernetzt. Tiefgefrorenes Sperma des Deutschen Boxers wird beispielsweise aus Südafrika importiert, um die Gene der heimischen Linie aufzufrischen. Auch die Züchter seltener Hunderassen profitieren von dem weltweiten Versand von Hundesperma.

Die Reproduktionsmediziner unter den Tierärzten beraten Hundezüchter, bestimmen richtige Zeitpunkte und helfen Welpen auf die Welt. Sie sind auf der Suche nach einem Spezialisten im Bereich der Fortpflanzung des Hundes?
Adressen: Reproduktionsmediziner in Deutschland

Der Verband für das Deutsche Hundewesen, Interessenvertretung aller Hundehalter und Dachverband der Hundezüchter mit Sitz in Dortmund, kurz VDH, erlaubt die künstliche Besamung allerdings nur bei Hündinnen, die sich schon einmal auf natürlichem Weg fortgepflanzt haben. Damit soll verhindert werden, dass Tieren, die durch Überzüchtung nicht mehr in der Lage sind sich fortzupflanzen, künstlich auf die Sprünge geholfen wird. „Der VDH hat mit Recht solchen Auswüchsen der Tierzucht einen Riegel vorgeschoben“, sagt Dr. Beate Walter.

Probleme mit der natürlichen Paarung und der Entbindung treten zum Beispiel in Linien von Mops und Englischer Bulldogge auf. Durch ihre Anatomie, großer Kopf und starker Brustkorb, liegt zu viel Gewicht auf den Vorderbeinen. Rüden schaffen es kaum, auf die Hündin aufzuspringen. Hinzu kommen noch die Atemprobleme bei kurzen Nasen.

Tierärzte sehen ihre Aufgabe eher darin, möglichst gesunden, lebensfähigen Welpen auf die Welt zu helfen, die frei von Erbkrankheiten sind. Sie bestimmen den optimalen Deckzeitpunkt, führen künstliche Besamung und Vaterschaftstests durch, sie sind Geburtshelfer und Spezialisten für Neugeborene.

Fortpflanzung des Hundes: wann Vorsicht geboten ist

Eine Hündin hält im Lauf ihres Lebens bis zu 700.000 Eier auf Vorrat. Der Rüde produziert seinen Samen immer frisch und neu. Hündinnen werden je nach Rasse etwa mit sechs bis neun Monaten geschlechtsreif, Rüden mit fünf bis acht Monaten. Kleine Hunde werden früher geschlechtsreif als große.

Und Jahr für Jahr ist es bei Unkastrierten das gleiche Ritual: Meist im Frühjahr und im Herbst werden die Herren unter den Vierbeinern nervös, sie bekommen die Nase nicht mehr vom Boden, vergessen das Fressen und geben Jammerkonzerte. Was den Rüdenbesitzern starke Nerven abverlangt, ist für die Halter von Hündinnen eine Zitterpartie, wenn unerwünschter Nachwuchs vermieden werden soll. Nicht selten müssen neue liebestolle Verfolger abgeschüttelt werden.

Der Zyklus der Hündin

Der Zyklus der Hündin beginnt mit der Vorbrunst, in der Medizinersprache: mit dem Proöstrus. In dieser Phase wird die Hündin für die Rüdenwelt attraktiv, jedoch ist noch kein Kavalier in der Lage, die spröde Unbekannte zu erobern. Erst der darauf folgenden Brunst, dem Östrus, gilt die ganze Sehnsucht der männlichen Hunde. In diesen vier bis acht Tagen rund um den Eisprung signalisiert die Hündin ebenfalls Interesse an einem intimen Rendezvous, soll heißen: Sie geht die Sache offensiv an.

Mit zur Seite gebogener Rute präsentiert sie ihr Hinterteil dem Auserwählten. Dieser nimmt seine Chance wahr und deckt die willige Hündin. In den folgenden Tagen können weitere Paarungen stattfinden, auch mit verschiedenen Rüden, sodass ein Wurf mit Nachkommen unterschiedlicher Väter entstehen kann. Die Spermaübertragung ist schnell erledigt, doch danach passiert etwas Ungewöhnliches: Der Rüde steigt von der Hündin und dreht ihr das Hinterteil zu. Die Liebestollen hängen aneinander, manche fünf Minuten, andere Paare bis zu eine Stunde. Wissenschaftler rätseln immer noch nach dem biologischen Sinn dieses „Hängens“. Eine Schwelldrüse am Penis des Rüden verhindert das Zurückziehen. Auf diese Weise bleibt die Vagina der Hündin verschlossen und der Samen kann nicht herausfließen. Ein Kniff der Natur: Wahrscheinlich werden so die Chancen für eine erfolgreiche Befruchtung erhöht.

Ob das Rendezvous Folgen hat, wird sich erst in einigen Wochen klären lassen. Hündinnen tragen etwa 63 Tage, vom Tag des Eisprungs gerechnet. In der ersten Zeit sieht und merkt man ihnen nichts an. Auch für Tierärzte ist es eine kriminalistische Aufgabe, eine Trächtigkeit der Hündin in einem frühen Stadium zu diagnostizieren. Durch Abtasten, Ultraschall oder Röntgen erhalten sie dafür frühestens ab dem 20. Tag nach der Empfängnis den Beweis. Und erst gegen Ende der Trächtigkeit schwellen Bauch und Gesäuge der werdenden Mutter an. Wenn überhaupt: Nur bei hoher Welpenzahl nimmt der Bauchumfang ab dem 45. bis 50. Tag deutlich zu.

Fortpflanzung des Hundes: Scheinschwangerschaft

Eine Scheinschwangerschaft können alle nicht tragenden Hündinnen etwa sechs bis acht Wochen nach der Läufigkeit entwickeln. Dabei durchläuft die Hündin alle hormonellen, manchmal auch körperlichen Veränderungen einer Trächtigkeit. So etwas ist normal. Nur wenn etwa eine Gesäugeentzündung durch ständiges Belecken entsteht oder wenn die Hündin vor lauter Aufregung aufhört zu fressen oder aggressiv wird, kann eine hormonelle Beeinflussung der Scheinschwangerschaft nötig werden.

Die eingebildete Trächtigkeit hat für ein Leben im Rudel durchaus Vorteile: Scheinträchtige Hündinnen zeigen sehr starkes Brutpflegeverhalten, sie sind ganz versessen darauf, sich um kleine, niedliche Welpen zu kümmern, manche produzieren sogar Milch. In einem Rudel wild lebender Hunde oder Wölfe können sie so die Alpha-Hündin bei der Aufzucht unterstützen.

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