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Verletzungen Wunder Punkt

Dr. Brigitte Glöwing 21.07.2016

Eine Beißerei, die Glasscherbe auf dem Gehweg oder ein Missverständnis beim Laufen am Fahrrad: Schrammen und Wunden gehören zum Hundeleben. Doch was hilft beim Heilen

Wann zum Tierarzt?

Manche Wunden sehen harmlos aus, haben es jedoch in sich. Bissverletzungen, besonders Katzenbisse hinterlassen wenige Millimeter große Stanzlöcher in der Haut. Was zunächst wenig Besorgnis erregt, kann in der Tiefe zu übel riechenden eitrigen Infektionen führen. Denn mit dem Biss gelangen Keime aus dem Katzenmaul unter die Hundehaut. Auch Stichverletzungen, beispielsweise nach dem misslungenen Sprung über den Stacheldraht oder durch Holzsplitter, Grannen und Dornen, können tiefere Strukturen betreffen. Nicht selten schiebt sich dabei ein Fremdkörper unter die Haut. Neben der Säuberung und Desinfektion der Wunde benötigt der Malträtierte nicht selten ein Antibiotikum – das ist ein Grund, warum Biss- und Stichwunden einem Tierarzt vorgestellt werden sollten. Medizinische Versorgung ist auch bei Schnittwunden gefragt, erst recht und unverzüglich wenn der Hund stark blutet und die Blutung nach etwa zehn Minuten nicht aufhört.

Eine gründliche Wundbehandlung ist bei Hunden meist nur in Narkose möglich
Eine gründliche Wundbehandlung ist bei Hunden meist nur in Narkose möglich © mauritius images

Wie wird ärztlich versorgt?

Eine gründliche Wundbehandlung ist meist nur in Narkose möglich. Schon das Säubern, Scheren und Desinfizieren ist für manche Hunde ohne Schlafspritze schwer auszuhalten. Der Tierarzt spült die Wunde, desinfiziert, verschafft sich einen Überblick über das Ausmaß und entfernt Fremdkörper. Innerhalb von sechs Stunden nach dem Unfall kann eine Wunde unkompliziert genäht werden. Die Fäden werden meist nach etwa zehn Tagen gezogen. Manche Praxen benutzen selbstauflösende Fäden, bei denen der Teil des Fadens, der unter der Haut liegt, vom Körper zersetzt wird und der äußere Faden anschließend von allein abfällt.

Infizierte Wunden werden dagegen nicht geschlossen, sie bleiben offen und Patient sowie Besitzer müssen geduldig darauf warten, dass das Gewebe langsam vom Wundrand über die verletzte Haut wächst. Tierärzte bezeichnen das im Fachjargon als sekundäre Wundheilung. Sämtliches infiziertes Gewebe wird aus der Wunde entfernt, damit es die Heilung nicht stört.

Hunde wie Menschen können an Tetanus, dem Wundstarrkrampf, erkranken. Das Bakterium Clostridium tetani, der Erreger des Wundstarrkrampfs, fühlt sich besonders in tiefen Stichverletzungen in sauerstoffarmer Umgebung wohl. Es produziert ein Nervengift, das Tage oder Wochen nach der Verletzung zu furchtbaren Krampfanfällen führen kann. Eine Tetanusinfektion ist bei Hunden jedoch, anders als beim Menschen, äußerst selten. Wer trotzdem auf Nummer sicher gehen will, kann seinen Hund gegen Tetanus impfen lassen. Wichtiger ist jedoch gerade bei Bissvorfällen mit Wildtieren ein vorhandener Impfschutz gegen Tollwut. Denn geraten ungeimpfte Hunde unter Tollwutverdacht, müssen sie unter Quarantäne gestellt werden. Jede Wundversorgung endet mit einer sorgfältigen Abdeckung der Wunde.

Verbinden oder offen lassen?

Pflaster oder trockene Verbände haben ausgedient. Bis heute meint man zu wissen, dass Wunden am besten an der Luft heilen, doch nach tiermedizinischer Forschung trifft das Gegenteil zu: Ein feuchtes Wundklima bietet optimale Bedingungen für schnelles Abheilen und sorgt außerdem dafür, dass sich kein Wundschorf bildet. Damit wird auch das Risiko von ausgeprägter Narbenbildung gesenkt. Moderne Verbandstoffe schließen die Wunde luftdicht ab, Wundgele sorgen für ein günstiges Mikroklima, in dem die Hautzellen optimal ihrem regenerierenden Job nachkommen können.

Feuchte Verbände müssen nicht täglich gewechselt werden und reduzieren für den Verletzten somit den schmerzhaften Eingriff. Man versucht heute, den natürlichen Heilungsprozess so wenig wie möglich zu stören. Auf lokale antibiotische Salben wird weitgehend verzichtet. Wenn wie bei einer Bissverletzung Antibiotika nötig sind, werden sie per Spritze oder als Tablette verabreicht. In der Wunde verursachen sie nur unnötige Irritationen und Resistenzen.

Das Wunder der Wundheilung

Im Mikrokosmos der Hautzellen hinterlässt jede Verletzung ein Schlachtfeld: zerstörtes Gewebe, zerfetzte Blutgefäße und Nervenfasern, Blut strömt aus. Doch schon nach kurzer Zeit ziehen sich die Blutgefäße zusammen, die Blutung nimmt ab.

THROMBOZYTEN eilen herbei. Das sind Zellen, die auf die Blutgerinnung gerichtet sind. Sie formen mit ihren Zellkörpern ein Blutgerinnsel, das die Gefäße verschließt und die Wundhöhle ausfüllt. Anfangs wird das Blutgerinnsel durch ein Netz aus klebrigen Fasern, dem Fibrin, verstärkt. Etwa zehn Minuten nach der Verletzung ist die Blutung gestoppt, die Wundhöhle mit geronnenem Blut gefüllt und abgedichtet. Das Fibrinnetz zieht sich zusammen, sodass sich die Wundränder annähern.

FRESSZELLEN wandern jetzt aus den Blutgefäßen zum Unfallort und entfernen tote Zellen, geronnenes Blut und Keime aus der Wunde, indem sie alles einfach verschlucken. Aus der Wunde tritt jetzt Wundwasser aus, das ist ganz normal. Wenn es an der Oberfläche verklebt, entsteht der Wundschorf. Die Wunde ist jetzt stark durchblutet und empfindlich, die Stoffwechselvorgänge laufen auf Hochtouren.

SCHMERZ verhindert eine zu starke Belastung des Wundgebiets. Schon nach einigen Stunden beginnen neue Gefäße in die Wunde einzuwachsen. Sie versorgen das Wundgebiet mit Sauerstoff. Von den Wundrändern her bilden Fibroblasten Bindegewebsfasern aus, in die sich weitere Zellen einlagern. Es entsteht das gekörnte Granulationsgewebe einer mehrere Tage alten Wunde. Das Leck in der Haut wird von unten her aufgefüllt. Am Schluss bildet sich auf der Oberfläche die neue äußere Hautschicht. Von der Wunde ist nur noch ein weißer Strich übrig, die Narbe. Sie ist weiß, besteht ausschließlich aus Bindegewebe. Blutgefäße, Haare und Nervenfasern fehlen ihr.

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