DOGS Logo Europas grösstes Hundemagazin

Auszeit mit Hund Die Lieblingsreiseziele der DOGS-Experten

15.03.2012

Was hilft, wenn uns Fernweh und Abenteuerlust treiben? Nur dies: Reise buchen, Koffer packen, den Hund rufen und losfahren. Wir stellen Ihnen die Lieblingsreiseziele der DOGS-Experten vor.

Schiermonnikoog, Holland

Reisetipp von DOGS-Autorin Carla Woter

Auf der kleinsten der westfriesischen Inseln Hollands findet man die breitesten Sandstrände Europas. Kinder und Hunde sind willkommen, Autos verboten. Man fährt Fahrrad, sitzt im Bollerwagen, geht spazieren – und ist froh.

Wenn man mehr Windmühlen sieht als Windräder, vorbeifährt an schwarz-weißen Kühen und vom Auto aus kleine Boote auf Kanälen erspäht, ist man in Holland angekommen. Villa Zeezicht heißt das letzte Lokal auf dem Festland. Dann geht es auf die Fähre, noch eine Dreiviertelstunde über die Nordsee bis zum Ziel. Hartgesottene bleiben auch bei Sturm an Deck, eingepackt in Anoraks, haben sie die Insel im Blick. Manche haben ihren Hund neben sich auf der Bank sitzen. Ohren flattern im Wind. Man genießt gemeinsam das Ritual der langsamen Anreise. Das Festland verschwindet, die geduckte Silhouette der Insel wird größer. Ferien. Freiheit für ein paar Tage oder Wochen. Hunde sind an allen Stränden erlaubt. Nur im Dorf und in den Naturschutzgebieten zur Brutzeit ist die Leine angesagt.

Lieblingsreiseziele der DOGS-Experten

Es waren Mönche, die im 12. Jahrhundert das Besondere dieser Insel gespürt haben, ihre unglaubliche Stille. Schiermonnikoog hat nicht nur einen ungewöhnlichen Namen, sondern eine ungewöhnliche Geschichte. Man kann sie kurz erzählen oder auch lang bei einem Genever in einer gemütlichen Kneipe. Zisterzienser in grauen Kutten, „schiere monniken“ genannt, besiedelten die Insel, auf Holländisch „oog“. Macht zusammen Schiermonnikoog.

In der Reformationszeit wurden die katholischen Monniken vertrieben, Ende des 17. Jahrhunderts verkaufte die Provinz Friesland die Insel an einen Amsterdamer Kaufmann. 1893 erwarb ein deutscher Adliger, Graf Bechthold Bernstorff, Schiermonnikoog, bis zum Zweiten Weltkrieg blieb sie in seinem Besitz, danach wurde die Familie enteignet und Schiermonnikoog niederländisch.

Wenn man auf die Insel kommt, hört man einen Satz immer wieder, von den Insulanern ebenso wie von Gästen: „Bitte verraten Sie nicht, wie schön es hier ist!“ Verständlich …

Altmodische Busse bringen die Feriengäste ins Dorf, das genauso heißt wie die Insel und Kulisse in einem Heimatfilm sein könnte. Hell getünchte Giebelhäuschen aus dem 18. Jahrhundert, liebevoll gestaltete Vorgärten, Kopfsteinpflaster, alte Laternen. Die Hauptstraßen haben für uns so lustige Namen wie Vorstreek, Middenstreek oder Langestreek – und verloren geht hier niemand, sonst orientiert man sich einfach an Kirchturm und Leuchtturm. Oder man fragt – es gibt knapp tausend Schiermonnikoogers – die „Eilanders“, sie sprechen alle Deutsch.

Wer noch mehr wissen möchte, begibt sich am besten ins Hotel Van der Werff, eine wundervolle, altmodische Institution, die in ganz Holland bekannt ist, zu Recht. Die Seele des Hauses ist ein altes Café, eher eine Kneipe, urgemütlich mit Ofen, Klavier, knarzendem Holzboden und Porzellanterrine, die immer gefüllt ist mit Wasser für die Hunde. Hier trifft man sich, hier probt der Shantychor, der schweigsame Leuchtturmwärter mit Hund gehört zum Inventar. Henk, der Besucher in seinem Planwagen herumfährt, ebenfalls. Er war Bankdirektor und jetzt … ist er glücklich.

Auch der Speisesaal im Van der Werff ist ein Erlebnis. Zu vorgerückter Stunde, also gegen zwei, steht der Hotelbesitzer plötzlich auf und sagt: „Ich habe eine gute Nachricht: Sie können jetzt nach Hause gehen.“ Es gibt zwei Polizisten auf der Insel, mit ihren Hunden und Fahrrädern sehen sie aus wie die Kinderpolizei. Sie haben keine Waffen, wozu auch? Niemand schließt hier sein Haus ab. Alle wollen am liebsten ihre Ruhe. Meistens klappt es auch, nur nicht in der Hochsaison. Dann ist das Paradies voll. Verlassen will diese Insel freiwillig niemand, schon gar nicht die Eilanders. Wenn es denn unbedingt sein muss, nennen sie es „über den Deich gehen“. Und das ist wie Sterben, sagen sie.

Schiermonnikoog ist eine Watteninsel, sechzehn Kilometer lang, vier Kilometer breit, der größte Teil ist Nationalpark. Die Unesco hat das Wattenmeer der Nordsee 2009 zum Weltnaturerbe ernannt. „Und was kann man da machen?“, würde ein Kind fragen. Ganz einfach, alles oder nichts. Naturbewusste nennen es „nachhaltiges Reisen“, aber das klingt eigentlich viel zu nüchtern.

Einer von ihnen ist Arend Maris, der Siebzigjährige hat sich einst in ein Mädchen von der Insel verliebt, dann in die Insel selbst, und so ist er geblieben und macht seitdem Führungen, mit Fahrrad und Pointerhündin Ronka, die gern Fasane aufscheucht. Arend kennt jede Pflanze, jeden Vogel auf Schiermonnikoog, jeden Strand und jeden Menschen sowieso.

Zu empfehlen: Urlaub auf Schiermonnikoog

Anreise: per Fähre ab Lauwersoog. Informationen und Fahrtzeiten über www.wpd.nl

Schlafen: „Hotel Graaf Bernstorff“: schöne Brasserie mit Terrasse, 25 Euro Gebühr, Reeweg 1, www.bernstorff.nl.
„Hotel van der Werff“: Reeweg 2, für Nostalgiker, einfache Zimmer, bodenständige Küche, Hunde ohne Aufpreis, www.hotelvanderwerff.nl.
„Aude Kolonyhus“: individuell, luxuriös, Apartments für große Familien, www.aude.kolonyhus.op-schiermonnikoog.nl.
„Hotel Duinzicht“: nahe am Strand, Standardzimmer, Hunde kosten 6 Euro pro Tag, www.hotelduinzicht.nl

Genießen: Hotel und Restaurant „Ambrosijn“: stylish, Slow Food, Langestreek 13, www.ambrosijn.nl. Strandpavillon „De Marlijn“: Prins Bernhardweg 2, Sea Food am Strand, www.demarlijn.com

Wandern: Tipps, Extrakarte für Touren mit Hund, Tourismusbüro (VVV) Schiermonnikoog, Reeweg 5, www.vvvschiermonnikoog.nl

Einreise mit Hund: Vierbeiner benötigen auf Schiermonnikoog den EU-Pass und sollten gegen Tollwut geimpft sein. Weitere Reiseinformationen erhalten Sie über das Niederländische Büro für Tourismus, Friesenplatz 1 in Köln, Tel. 02 21-9 25 71 70, www.holland.com

Und was bedeutet das?

Zuallererst Stille. Nur die Einheimischen haben ein Auto. Es bedeutet stundenlanges Wandern, ohne jemandem zu begegnen, über Dünen klettern, mit seinem Hund im Sand tollen, das Watt erkunden, in den Himmel stieren. Es bedeutet vorsichtig Gräser wie Meersenf und Salzkraut kosten. Mit dem Fahrrad an Salzwiesen vorbeifahren, zwischendurch das Salz von den Lippen schlecken. Man fährt über Millionen platt gewalzte Muscheln, mit denen die Insulaner ihre Wege angelegt haben.

Man schlängelt sich vorbei an Sanddornsträuchern, Brombeergebüsch, Holunder und Moosbeere. Vogelkundler flippen regelmäßig aus am kleinen Süßwassersee Westerplas. Dort kann man Hunderte Vögel beobachten, und auch wer das bis dahin langweilig fand, wird sich an dem Konzert ihrer Stimmen begeistern. Es bedeutet in der Ferne Strandläufer betrachten, jene Vögel, die auf der Suche nach Futter unglaublich hektisch herumsausen. So wie die Hunde, die oft gar nicht wissen wohin mit ihrer Freude. Nicht nur die!

Und natürlich bedeutet es immer wieder Pause machen von den Anstrengungen in der guten Luft, eines der schönen Strandcafés ansteuern, eine typisch holländische Angelegenheit, auf Pfählen in den Sand gebaut. Fahrrad anlehnen. Appelgebak und Pannenkoeken genießen, die Sprache ist schon so gemütlich. Man kaut glücklich wie die Kühe und glotzt ihnen nicht unähnlich in die Landschaft. Da kann man nichts machen.

Fischbachau, Bayern

Reisetipp von DOGS-Autorin Tatjana Seel

Vor drei Jahren tauschten Nicole und Andreas Mahnel Düsseldorf gegen das bayerische Oberland. Weil sie gern Menschen um sich haben, vermieten sie die Wohnung nebenan an Feriengäste mit Hund. Wie passend: Der Ortsteil heißt tatsächlich Hundham.

Bruno hat einen guten Tausch gemacht: von Düsseldorf ins satte Voralpenland. Vom hübschen, aber sehr überschaubaren Garten zu endlosen Wiesen und Waldwegen vor der Tür. Das Beste daran: unzählige Rastbänke, an denen pausierende Wanderer schon mal Brotzeithappen fallen lassen. Und abwechslungsreicher Kumpelbesuch in der Ferienwohnung nebenan. Bruno heißt der schokobraune Labrador von Nicole und Andreas Mahnel. Dass sich bei ihm alles ums Fressen dreht, ist angesichts seiner Rasse kein großes Geheimnis. Und so kommt Bruno, der Hund, auch bei unserem Fototermin auf seine Kosten, denn selbstverständlich möchten wir ihn möglichst oft mit im Bild haben. „Bruno, komm!“, lockt die Fotografin, und der schlaue Hund weiß ganz genau, dass jeder Schlendergang durchs Bild mit einem Goodie belohnt wird.

Nicole und Andreas Mahnel haben ihr Abenteuer gewagt. Alle Zelte im Rheinland abgebrochen, um ihren Traum vom Wohnen im bayerischen Oberland zu verwirklichen. Nicole ist vom Fach. Als Erbin des Traditionseinrichtungsgeschäfts Fausel Biskamp hat sie jahrelang erfolgreich Geschmack und Ästhetik in die Welt gebracht. „Ich hab alles erreicht, was man in dieser Branche erreichen kann, sogar ganze Schlösser eingerichtet. Es war Zeit für einen Wechsel!“

Dass der Wechsel nicht ohne den Umbau des Hauses und optisch nicht ohne Mahnel-Stil erfolgen konnte, versteht sich von selbst. Beide waren sich schnell einig, einen Teil des Hauses an Feriengäste zu vermieten: „Ich habe Spaß daran, es anderen schön zu machen“, erklärt Nicole spontan. Eigentlich wollte sie beruflich nicht dort anknüpfen, wo sie in Düsseldorf aufgehört hatte …

Binnen kurzer Zeit hatte sich die Ferienadresse vor allem unter Hundebesitzern herumgesprochen – worüber Andreas wegen der gewachsten Naturholzböden zuerst gar nicht so begeistert war. Doch vom Leben mit dem eigenen Hund waren beide gewohnt, dass eine gewisse Patina dazugehört. „Und auf ein weißes Sofa“, sagt Nicole und lacht, „muss man dann eben verzichten.“

Aus eigener Erfahrung wussten die beiden, dass man sich im Urlaub am besten entspannt, wenn sich auch der Hund wohlfühlt. Deshalb statteten sie das Feriendomizil mit Hundebett und Fressnäpfen aus. Ein Wanderbuch zeigt die schönsten Routen für Zwei- und Vierbeiner, und wem das nicht reicht, dem empfiehlt Nicole Mahnel gern eine Tour durchs Leitzachtal oder zum Klosterstüberl nach Fischbachau. Müde zurückgekehrt, setzt man sich dann auf die eigene Terrasse oder genießt bei schlechtem Wetter das schöne Interieur. Denn das ist schwer zu toppen. Während Feriendomizile für Hundebesitzer üblicherweise eher praktisch ausgerichtet sind, erwarten einen in Hundham textile Wandbespannung, geschmackvolle Möbel, Naturmaterialien und der freie Blick zum Schwarzenberg.

Zu empfehlen: Urlaub in Fischbachau

Landhaus am Schwarzenberg, Nicole und Andreas Mahnel, Schwarzenbergstraße 41, 83730 Fischbachau, Tel. 08028-902699, www.landhausamschwarzenberg.de, zwei Personen 110 Euro pro Tag, Hund 10 Euro.

Leibspeisen werden nach Absprache und auf Wunsch der Gäste im Haupthaus nebenan zubereitet und in der guten Stube am Kachelofen serviert. Nicole und Andreas Mahnel sind Köche aus Leidenschaft, sie verwenden frische regionale Produkte.

Highlights: Das Landhaus am Schwarzenberg liegt im bayerischen Oberland, umgeben von Wiesen, Bergen und Seen mit unzähligen Wandermöglichkeiten. Im Sommer kann man im Schliersee oder Tegernsee baden. Im Winter wird eine abwechslungsreiche Langlaufspur durch das Leitzachtal gespurt. Nicole und Andreas Mahnel haben für joggingbegeisterte Hunde und deren Herrchen zwei Runden erprobt, die sie den Gästen gern zeigen.

Kultur: In Schliersee kann man ganz authentisch die Vergangenheit im Wasmeier Museum erleben. In Gmund sollte man unbedingt die Büttenpapiermanufaktur besichtigen.

Oft kommt es vor, dass Nicole auf das eine oder andere Stück angesprochen wird, beispielsweise die hochwertigen Handtücher im Bad, die sich von üblicher Frotteeware deutlich unterscheiden. Auch hier gilt ihr Prinzip, nur Dinge anzubieten, von denen sie selbst überzeugt ist. Genau wie beim Kochen: Als besonderen Service kann man sich von Nicole und Andreas deren Leibspeisen zubereiten lassen. Für die meisten Gäste ein echtes Highlight, denn es fühlt sich an wie Urlaub bei Freunden.

Und das alte Leben? Das vermissen Nicole und Andreas Mahnel, abgesehen davon, dass sie den Rest der Familie nicht mehr so oft sehen, nicht. Und dennoch: Vom Einrichten haben sie nicht ganz die Finger gelassen. In Miesbach findet man ihren neuen Laden „Schwarzenberg“ mit wunderbaren Wohnaccessoires. Bei allem Naturgenuss: Den Besuch sollte man sich als Urlauber nicht entgehen lassen. Und außerdem: Hunde sind auch dort willkommen.

Beitrag verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Zum Seitenanfang
Sie verwenden einen sehr alten Browser. Um diese Website in vollem Umfang nutzen zu können, installieren Sie bitte einen aktuellen Browser. X